Händedruck: Kubas Präsident Raul Castro (Mitte), Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos (li.) und Rebellenchef Timoleon Jimenez Foto: dpa

Kolumbien ist dabei, den ältesten bewaffneten Konflikt in ganz Amerika zu beenden. Für das südamerikanische Land bedeutet das eine große Zukunft, meint unser Kommentator Tobias Käufer.

Bogota - Dieses Bild wird in keinem lateinamerikanischen Geschichtsbuch fehlen: Der historische Handschlag von Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und FARC-Guerillachef „Timochenko“ im Beisein von Kubas Machthaber Raul Castro. Kolumbien ist dabei, den ältesten bewaffneten Konflikt in ganz Amerika zu beenden. Ab Frühjahr 2016 sollen die Waffen für immer schweigen. Für das südamerikanische Land bedeutet das eine große Zukunft: Wirtschaftsexperten sehen in Kolumbien die künftige Lokomotive des Kontinents.

Andererseits: Die Wunden, die der jahrzehntelange Krieg geschlagen hat, sind noch lange nicht verheilt. Täter und Opfer werden sich im Alltag begegnen. Die schwierige Aufarbeitung des Konflikts, der Verbrechen von linken und rechten Terroristen sowie der Staatsmacht wird die Gemüter aufwühlen. Und die soziale Ungerechtigkeit als eine der zentralen Ursachen des Konfliktes muss erst noch bekämpft werden. Trotzdem: Der wichtigste Schritt ist gemacht, die juristische Grundlage für einen Frieden mit dem gestrigen Abkommen geschaffen.

Amerika macht es Europa vor

Und was bedeutet das für die Region? Amerika macht es Europa vor. Während die Alte Welt gerade in neuen Konflikten versinkt, entsorgt Amerika in diesen Wochen seine beiden großen historischen Probleme auf dem Scheiterhaufen der Geschichte: Den kolumbianischen Bürgerkrieg und die ideologische Feindschaft zwischen den USA und Kuba.

Ganz nebenbei wird einer mit 84 zu Lateinamerikas neuem Superstar: Raul Castro. Erst seine Annährung an die USA, dann ein für seine Regierung spektakulär positiv verlaufener Papstbesuch, nun glänzt er als Garant des kolumbianischen Friedensabkommens. Was der Pragmatiker Raul Castro in nur einem Jahr erreicht hat, blieb seinem fundamentalistischen Bruder Fidel in 50 Jahren verwehrt.

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