Nach zwei Tagen im Gefängnis Berlin-Moabit ist der prominente ägyptische TV-Journalist Ahmed Mansur (re. mit seinem Anwalt) wieder auf freiem Fuß. Foto: dpa

Der Journalist Ahmed Mansur kommt frei: Die deutsche Justiz hat sich zum Glück nicht zum Handlanger einer Diktatur machen lassen, meint unser Kommentator Norbert Wallet.

Berlin - Der Journalist Ahmed Mansur ist wieder auf freiem Fuß. Er wird nicht an Ägypten ausgeliefert. Das ist gut so. Denn so richtig es ist, dass die Bundesregierung den Gesprächsfaden mit dem Regime in Kairo nicht abreißen lässt, so notwendig ist auch, dass niemand – schon gar nicht die deutsche Justiz – den Charakter der Machthaber in Ägypten verkennt.

Der dortige starke Mann, der Ex-General Abdel Fattah al-Sisi hatte gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Mohamed Mursi geputscht. Machtgeneigte Richter haben Mursi inzwischen sogar zum Tode verurteilt. Nichts deutet darauf hin, dass dieser Prozess, wie so viele Sammelprozesse davor, rechtsstaatlichen Prinzipien entsprochen hätte. Mansur ist dem ägyptischen Regime ein Dorn im Auge.

Im Fernsehsender Al Dschasira prangerte Mansur den Terror der Diktatoren an. Aus seiner Nähe zur fundamentalistischen Muslimbruderschaft Mohamed Mursis machte er dabei keinen Hehl. Der Verdacht liegt mehr als nahe, dass hier mit juristischen Tricks ein politischer Gegner mindestens mundtot gemacht werden sollte.

Die deutsche Justiz hat sich zum Glück nicht zum Handlager einer Diktatur machen lassen. Es wäre nur schön, wenn die den Muslimbrüdern nahe stehenden Protestanten, die vor der JVA Berlin-Tegel so laut für Mansurs Freilassung demonstrierten, erkennen würden, dass hier eine unabhängige Justiz geurteilt hat, wie es sie gemäß ihrer fundamentalistischen Weltordnung nie und nimmer geben dürfte. Auf so viel Vernunft muss man nicht rechnen.

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