FIndet der Landrat bestimmt passend: das neue Logo über dem Landrat amt. Foto: factum/Simon Granville

Aufgelesen im Kreis: Süßes und Saures. Diese Woche schlägt die Kreissparkasse Alarm, weil die Kreisbewohner Geld verlieren – und die Kreisbehörde leistet sich ein neues Logo, aber spart vorerst das S ein.

Böblingen - Überraschung! Auch in Geldangelegenheiten ist der Bewohner des Kreises Böblingen konservativ. Und zwar so konservativ, dass die Kreissparkasse schon Alarm schlagen muss. Laut einer Berechnung parkt nämlich jeder knapp 36 000 Euro seines Geldvermögens in niedrig bis null verzinsten Einlagen. Das bedeutet, dass die Menschen im Jahr durchschnittlich 536 Euro verlieren, obwohl sie denken, dass sie sparen würden, rechnet die Kreissparkasse vor. Dass sie trotzdem nicht arm sind in der Mehrheit, lässt sich an den vielen Mercedes-Sternen auf der Straße sehen. Aber wenn man bedenkt, wie viel schönere Alufelgen an die Autos gehängt werden könnten, wenn die Anlage ein bisschen mehr als null Zinsen abwerfen würde, birgt die Geschichte schon eine gewisse Tragik.

Aktien aus dem Großraum Stuttgart

Die Kreissparkasse empfiehlt deshalb Aktien. Ja, richtig: Aktien. Die Geschichte mit dem Einbruch der Telekom-Aktie ist jetzt auch schon 20 Jahre her. Und tatsächlich war die Wertentwicklung an der Börse seither auf lange Sicht nur positiv. Das Böblinger Geldinstitut empfiehlt auch keine Bonner Papiere: „Gerade im Großraum Stuttgart gibt es ja etliche Aktiengesellschaften, an denen man sich beteiligen kann“, teilt sie mit. Vielleicht nicht unbedingt empfehlenswert ist im Moment die Daimler-Aktie: Die Mercedes-Dichte auf den Straßen im Kreis Böblingen reicht leider nicht, um den Kurs hoch zu halten – nicht einmal mit 536 Euro zusätzlich.

Nicht umsonst gibt es den Spruch „wie der Herr so’s Gscherr“: In der Mitte seiner zweiten Amtszeit angekommen, zeigt der Landrat Flagge, wie es schon vor Sparbuchzeiten üblich war. Seit drei Wochen wehen vor dem Böblinger Landratsamt dauerhaft die Fahnen für die Europäische Union, Deutschland, Baden-Württemberg und den Landkreis Böblingen. „Wir wollen die Identifikation mit den staatlichen und überstaatlichen Institutionen stärken“, heißt es dazu aus der Kreisbehörde. Aber man hätte auch einfach sagen können: Könige machen es genau so. Wenn der Chef im Haus ist, weht die Fahne auf dem Dach oder auf der grünen Wiese davor. „Was man hat, soll man nutzen“, sagt der Landratsamt-Sprecher über die vier Masten.

Neue Praxis nicht ganz geheuer

Anderen Mitarbeitern von Roland Bernhard war die neue Praxis des Fahnenschwingens dagegen nicht ganz geheuer. Sie wiesen den Behördenchef darauf hin, dass es eine landesweite Verwaltungsvorschrift des Staatsministeriums zum Hissen von Fahnen an Dienstgebäuden gibt. Danach ist geregelt, dass eine Beflaggung bei örtlichen Anlässen auf Fälle zu beschränken sei, die nach ihrer besonderen Bedeutung eine amtliche Anteilnahme rechtfertigen. Nun kann der Landrat natürlich argumentieren, dass jeder Tag im Landkreis ein großartiger ist und die amtliche Anteilnahme rechtfertigt – außer es weht ein Sturm, weshalb die Stoffbahnen vorsorglich und vorübergehend eingeholt werden mussten.

Gegen jedes Wetter gewappnet ist dagegen das neue Logo, das just in dieser Phase am Turm des Landratsamts angebracht wurde. Weil angeblich ein Kamin baufällig und wegen der Nutzung der kreiseigenen Fernwärme überflüssig war, hat Roland Bernhard die Gelegenheit und das Gerüst genutzt, ein neues Logo anbringen zu lassen. Das Wappen wurde abgehängt, stattdessen das neue Logo aufgehängt. Die Kosten dafür lieferte das Landratsamt trotz Nachfrage nicht. Es bleibt zu hoffen, dass das Kreisgeld besser angelegt ist als das der Kreisbewohner. Was wirklich beunruhigend ist: Die Bauarbeiter schauten nicht auf die Zinsen und sparten ein S ein. Dadurch machten sie aus dem Landratsamt ein Landrat-Amt.

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