Philipp Lahm (li.) gegen US-Spieler Michael Bradley Foto: dpa

Wenn Fußballprofis nicht auf ihrem angestammten Platz spielen dürfen, murren die Fans. StN-Autor Tom Hörner fordert gleiches Recht für alle: Auch der gemeine Arbeitnehmer sollte auf seiner Lieblingsposition eingesetzt werden.

Stuttgart/Recife - Wieder eine Woche geschafft, in der eine brennende Menschheitsfrage beantwortet wurde. Jetzt wissen wir, dass auch der Fußball, dieser heitere, einzig und allein vom Applaus lebende Rasensport, gesellschaftliche Debatten voranbringen kann.

Seit Uruguays Stürmer Luis Suárez an der Schulter seines Gegenspielers Giorgio Chiellini geknabbert hat, ist Erziehungsberechtigten klar, wie problematisch es ist, seinen Schützlingen einen Satz wie „Manchmal muss man sich auch durchbeißen“ mit auf den ­Lebensweg zu geben.

Schön auch, wie sich die Menschen in unserem Land Gedanken darüber machen, ob der Herr Löw den Herrn Lahm auf der richtigen Position spielen lässt, ob also der geborene Außenverteidiger im defensiven Mittelfeld wirklich gut aufgehoben ist. Schon klar, im Fußball geht es um das Wohl und Wehe einer Nation, aber abgesehen davon, hat schon jemals jemand einen Gedanken darauf verwendet, ob wir auf unserer Lieblingsposition eingesetzt werden?

Mein Chef jedenfalls nicht. Der meint, mit Geld sei alles getan. Zwar spielt das Monetäre bei der Lohnarbeit schon eine gewisse Rolle, aber der Kuschelfaktor am Arbeitsplatz sollte nicht zu kurz ­kommen – und dazu gehört, ob man auf seiner Lieblingsposition eingesetzt wird. Ich für meinen Fall muss sagen: Nein, dass bin ich nicht. Schon rein räumlich nicht. Wenn ich zwischen den Jalousien hindurch aus dem Fenster linse, blicke ich auf einen benachbarten Büroblock, ein nicht gerade ansehnliches Betonmonument aus den siebziger Jahren. Viel lieber würde ich meine Texte von der Pool-Position aus schreiben, bei der ich die Füße in ein ­Bassin hängen könnte und ab und zu eine nette, junge Dame vorbeikäme, um mir den Nacken zu massieren.

Gestern Morgen habe ich auf dem Weg zur Arbeit in einem Weinberg zwei Hasen beobachtet, die, so hatte ich den Eindruck, gerade dabei waren, ihre Lieblingsposition einzunehmen, die man durchaus auch als Liebesposition bezeichnen kann. Ich weiß nicht, ob es artgerecht ist, wenn Hasen im Sommer rammeln. Mich hat der Anblick gefreut, und ich rief ihnen zu: „Haltet die Ohren steif!“

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