So süffig arbeitet sich dänische Popkultur an Donald Trump ab.
Dänemark ist Deutschland in hübsch und entspannt: Die Läden in den Innenstädten heißen Flying Tiger Copenhagen oder haben mindestens einen ulkigen Strich durch den Vokal o und führen Stil statt Schund. Und während sich das Rückgrat der deutschen Gesellschaft beim Helene-Fischer-Konzert atemlos darüber beschwert, dass das Schwein im VIP-Bereich viel zu früh ausgegangen ist, schneidet der dänische Mittelbau am Wochenende im Sommerhäuschen die Blumen zurecht.
Auch bei der Bier-Namensfindung geben sich die Dänen mehr Mühe als ihre Nachbarn im Süden. Aktuell interessantestes Zusammenspiel aus Name, Gestaltung und Geschmack: der Mango Mussolini der kleinen Brauerei Fano Bryghus – ein Pale-Ale mit dem Konterfei des in Selbstbräuner geölten amerikanischen Ex-Präsidenten Trump.
Erst Präsident, dann reich
Bei einem Schluck des Bieres, das einen kartoffeldeutschen Gaumen mit Leichtigkeit, Zitrus- und Mango-Aromen überrascht, träumt man im Urlaub in Dänemark von längst vergangenen Besuchen in den USA und der Frage: Wie kann es sein, dass Donald Trump immun scheint gegen FBI-Durchsuchungen und Gerichtsverfahren?
Das amerikanische Präsidentenamt bringt traditionell eine Lizenz zum Geldverdienen mit sich. Normalerweise fließen die Dollars aber erst nach dem Ende der jeweiligen Amtszeit, durch Vorträge oder die Veröffentlichung von Büchern. So sollen die Obamas für ihre Memoiren mehr als 60 Millionen Dollar erhalten haben.
Trump wollte mit dem Geldverdienen nicht so lange warten. Seinen Wahlsieg feierte er 2016 im Trump International Hotel in Washington und ließ sich anschließend von seiner eigenen, der Republikanischen Partei eine Million Dollar als Miete für die Räume überweisen. Später quartierten sich Staatsgäste in dem Hotel ein, das ein Architekturkritiker als ein „Kunstwerk aus Geschmacklosigkeit“ bezeichnet hat. Vor Kurzem hat die Trump Group die Herberge an die Hotelkette Hilton verkauft – für 375 Millionen Dollar.
Man stelle sich einmal vor, Olaf Scholz hätte zu Beginn seiner Kanzlerschaft das wunderschöne Park Hyatt in Hamburg übernommen, hätte dort seinen Wahlsieg gefeiert und von der SPD anschließend Miete für die Sause verlangt. Später hätte er dann Staatsgäste ganz sanft dazu gebracht, im Scholz Inn zu nächtigen. Auch nach dem Genuss einiger dänischer Biere undenkbar.
Es ist nichts faul im Staate Dänemark
Beim Begriff des „Mango Mussolini“ handelt sich übrigens um Slang, der sich an der orangenen Gesichtsfarbe von Trump und seinem Nationalismus abarbeitet, den Kritiker in der Nähe des Faschisten Benito Mussolini verorten. Es gibt T-Shirts, Poster und Lieder, die dem Mango Mussolini gewidmet sind. Und eben Bier. Was lernen wir? Trotz anderslautender Gerüchte: Es ist nichts faul im Staate Dänemark. Der nächste Urlaub findet wieder dort und nicht in den USA statt.