Foto: Kraufmann

Es geht nichts über universelle Demo-Sprüche, meint unser Kolumnist - einfach geilomat.

Stuttgart - Was wäre so eine zünftige Demo ohne Sprüche. Kennen Sie den? „Theorie ist Marx. Praxis ist Murks.“ Oder den? „Stell’ Dir vor, es ist Sozialismus, und keiner geht weg.“

Falls Ihnen die Sprüche nicht geläufig sind, dann sind Sie vermutlich bei den Leipziger Montagsdemonstrationen in den Jahren 1989 und 1990 nicht mitmarschiert. KNITZ war auch nicht dabei, aber er ist am Wochenende bei Aufräumarbeiten auf ein Büchlein mit dem Titel „Egon, reiß die Mauer ein ...“ gestoßen – eine Sammlung von Parolen aus der Zeit, als die DDR in den letzten Zügen lag.

Gut gefallen hat KNITZ jener Satz, der dem Band den Titel gab und der an die Adresse des Genossen Staatsratsvorsitzenden Krenz gerichtet war: „Egon, reiß die Mauer ein, unser Staat braucht jeden Stein“.

Doch so witzig und wahr diese Aussage sein möchte, sie hat – wie die beiden zuvor genannten auch – einen Nachteil: Ihr Haltbarkeitsdatum ist abgelaufen. Für den Straßeneinsatz taugt „Egon, reiß die Mauer ein...“ nicht mehr.

Wie man heutzutage demonstriert, haben Jünger der Umweltorganisation Robin Wood gestern vorgemacht, als sie in aller Herrgottsfrühe einen Bagger vor dem Nordausgang des Hauptbahnhofs bestiegen. Sie machten es sich fünf, sechs Meter über dem Boden in Hängematten gemütlich und entrollten ein Transparent mit folgender Botschaft: „Hallo...?! Geht’s noch?“

„Hallo...?! Geht’s noch?“ war KNITZ vertraut. Er hat die Floskel erst neulich zu höre bekommen, als er beim H&M einer jungen Dame ein Leibchen vor der Nase weggeschnappt hat Auf einer Demo war KNITZ „Hallo...?! Geht’s noch?“ noch nie begegnet – dabei ist der Spruch bestens für Demonstrationszwecke geeignet. Egal ob man gegen Nazis oder für einen freien Blick aufs Mittelmeer protestiert: „Hallo...?! Geht’s noch?“ geht immer.

Wie kann man mehr für Nachhaltigkeit eintreten, als mit einem universell einsetzbaren Spruch? „Hallo...?! Geht’s noch?“ passt sogar, wenn der VfB ein Heimspiel versiebt.

„Hallo...?! Geht’s noch?“, liebe Leserinnen und Leser, gehört zur Kategorie „Geilomat“. Auf „Geilomat“ ist KNITZ bei einer Demo gegen Studiengebühren gestoßen. Als älterer Mensch ist man bei so einem Wort irritiert, zumal der Duden nicht weiterhelfen kann. Aber ein Blick ins Internet klärt auf: „Geilomat ist die Steigerung von geil und absolut oberkrass. Geilomat kann so ziemlich alles sein, was fett ist.“

Aus Demonstrantensicht ist „Hallo...?! Geht’s noch?“ geilomat.

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