Navi der ersten Stunde von Bosch Foto: Bosch

Was wäre die Welt und was wäre der Mensch ohne Navi? Gerade mal 25 Jahre ist es her, dass die ersten digitalen Pfadfinder uns den Weg wiesen. Ohne Navi, behauptet StN-Kolumnist Tom Hörner, hätte es die Wende nie gegeben.

Stuttgart/Schwäbisch Gmünd - 25 Jahre Navi. Ein Grund, zu den Anfängen der wundersamen Apparate zurückzugehen (mit unserem navigationsgestützten Redaktionssystem). Der erste Satz, den ein Navi jemals von sich gab, war: „Wenn möglich, bitte wenden.“ ­Daraufhin kam 1989 ein gesellschaftlicher Prozess in Gang, in dessen Verlauf eine Mauer fiel und der als Wende in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Schon damals verstand sich diese ­Redaktion als Speerspitze der Bewegung. Zu Testzwecken machten wir uns mit einem geliehenen, mit Navi bestückten Luxusschlitten aus Bayern auf den Weg Richtung Ostalb, wobei Sie das Wir jetzt bitte nicht wörtlich nehmen. Wir starteten als Wir, unterwegs setzten wir die Beifahrerin aus, weil wir schon nach wenigen ­Kilometern erkannten, dass die digitale Pfadfinderin ausreicht.

Die weibliche Form ist deshalb angemessen, weil wir die Wahl zwischen zwei Frauen- und einer Männerstimme hatten. Wir entschieden uns für Susanne.

Die Fahrt mit Susanne verlief tadellos, sie sagte nur das Nötigste, Kommentare wie „Musst du immer so rasen!“ oder „Fahr nicht so dicht auf!“ waren ihr fremd. Nur kurz hinter Schwäbisch Gmünd sorgte sie mit „Sie verlassen den digitalisierten Sektor“ für Irritation. Das klang wie eine Nachwehe aus den Zeiten des Kalten Krieges.

Auf dem Rückweg gerieten wir in eine Art Endlosschleife, in der wir uns heute noch befinden würden, hätten wir uns nicht irgendwann über die Anweisungen von Susanne hinweggesetzt. Kaum auszudenken, was passiert wäre, wenn wir so mit einer Beifahrerin aus Fleisch und Blut verfahren wären. Nach Minuten des Schweigens sprach Susanne wieder mit uns. Susanne war nicht nachtragend.

Nach vierzehn Tagen mussten wir den Wagen samt Navi zurückbringen. Es fiel nicht leicht, von der Oberklasse aus München in die untere Mittelklasse aus Köln umzusteigen. Aber noch schwerer fiel der Abschied von Susanne. Auf dem Heimweg hörte ich immer wieder ihre Stimme: „Wenn möglich, bitte wenden.“

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