Alter Lappen Foto: Decksmann

Der Verlust des Führerscheins, früher lapidar Lappen genannt, wiegt schwer. Nicht nur, das man ohne kein Kraftfahrzeug mehr führen darf. Womöglich kann man ohne auch keine Fußballnationalmannschaft zum WM-Titel führen.

Stuttgart/Flensburg - Ich bin Besitzer eines alten, grauen Führerscheins aus den siebziger Jahren. Diese Art von Führerschein nannte man früher Lappen oder Pappendeckel. Das Bild in dem Führerschein hat nichts mehr mit dem Besitzer des Führerscheins zu tun. Vermutlich liegt das daran, dass das Foto, anders als der darauf abgebildete Herr, im Lauf der Jahre gealtert ist.

Wenn früher jemand der Führerschein eingezogen wurde, sagten die Leute, sie haben ihm den Pappendeckel abgenommen. Das Wort Pappendeckel klingt lapidar und sollte vermutlich die bittere Tatsache herunterspielen, dass sich jemand eine gewisse Zeit nicht mehr hinters Steuer eines Autos setzen darf.

Diese Woche wurde bekannt, dass die Deutsche Nationalelf künftig von einem Mann ohne Führerschein trainiert wird. Ich kenne mich nicht aus im Fußball, ­insofern weiß ich nicht, ob man zum Trainieren einer Nationalmannschaft eine gültige Fahrerlaubnis braucht. Etliche Experten glauben, dass es da eine gewisse Verbindung gibt; mehrfach habe ich diese Woche gelesen, dass ein Bundestrainer für die Mannschaft Vorbild sein müsse. Ein Bundestrainer ohne Führerschein, wurde behauptet, könne kein Vorbild sein.

Wenn dies stimmt, dann würde das bedeuten, dass ein Mensch, der meint, ohne Führerschein durchs Leben kommen zu können, niemals Bundestrainer werden kann. Die Causa Löw erinnert mich an einen Cartoon des Zeichners Brösel. Zu sehen ist ein Männchen mit Schnäuzer, das im Fond eines offenen Wagens sitzt. Darunter steht: „Der Führer war ein ­armes Schwein. Er hatte keinen Führerschein.“

Joachim Löw musste seinen Führerschein abgeben, weil er in Flensburg 18 Punkte erreicht hat. Das sei, sagte der Verkehrssoziologe Alfred Fuhr auf ­„Spiegel Online“, „schon eine beachtliche Negativleistung“. Joachim Löw sieht das vermutlich anders. Aus Sicht von Fußballern sind 18 Punkte nicht viel. Eintracht Braunschweig ist in der zurückliegenden Saison abgestiegen, obwohl der Verein am Ende auf 25 Punkte kam.

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