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Das erlösende 2:0 im Champions-League-Gruppenspiel gegen die Glasgow Rangers hat dem VfB Stuttgart neues Selbstvertrauen geschenkt. Und neue Erkenntnisse.

Stuttgart - Das erlösende 2:0 im Champions-League-Gruppenspiel gegen die Glasgow Rangers hat dem VfB Stuttgart neues Selbstvertrauen geschenkt. Und neue Erkenntnisse; die wichtigste für die Spieler: „Sie wissen endlich wieder, dass sie doch noch guten Fußball spielen und auch noch gewinnen können“, sagte Markus Babbel. Für das schwere Auswärtsspiel beim Tabellenführer Bayer Leverkusen an diesem Sonntag (15.30 Uhr/live auf Sky und Liga Total) ist das psychologisch besonders wertvoll. „Genau diese Überzeugung brauchen wir“, betonte der VfB-Teamchef.

Denn nicht nur Markus Babbel weiß genau, was auf sein Team zukommt: die ungeschlagene Werkself, die in 13 Spielen 26 Tore geschossen hat und nur neun Gegentreffer zuließ. "Leverkusen ist meiner Meinung nach derzeit das spielstärkste Team der Liga", sagte er. Und deshalb müsse seine Mannschaft auf die Tugenden setzen, die sie gegen die Rangers so stark gemacht hat. "Laufbereitschaft, Zweikampfstärke, Kompaktheit. Sonst können wir in Leverkusen nicht bestehen", erklärte Babbel.

Dabei wird der Teamchef auch an diesem Sonntag wieder auf den jungen Sebastian Rudy (19) setzen. Der hat in Glasgow ein starkes Spiel gemacht (ein Tor, eine Torvorlage) und wurde dafür mit Anerkennung überhäuft. In den Lobeshymnen auf das Mittelfeldtalent sieht Markus Babbel kein Problem ("Er ist nicht der Typ, der zu Starallüren neigt"). Manager Horst Heldt dagegen schon. "Mich regt das wirklich sehr auf", sagte der VfB-Manager und fügte auf Nachfrage hinzu: "Er kann diese Erwartungen nicht erfüllen."

Warum Horst Heldt derzeit so allergisch darauf reagiert, dass einzelne Spieler hervorgehoben werden, während andere (Pogrebnjak, Hleb) auch nach dem ersten Erfolgserlebnis seit zwei Monaten schlecht wegkommen, weiß wohl nur er selbst. Gut möglich aber, dass der Manager fürchtet, ein Starkult um einzelne Spieler könne wieder neue Unruhe, Neid und Missstimmung in die Mannschaft bringen. Und das wäre tödlich für ein Team, das sich "absolut im Kampf gegen den Abstieg befindet" (Heldt). Für den Manager zählt das Kollektiv.

Das zeigt sich auch am Beispiel Zdravko Kuzmanovic. Der Rummel um den Neuzugang, der sich in kürzester Zeit zum Führungsspieler entwickelt hat, scheint Heldt nicht besonders zu schmecken. Vor dem Spiel im Ibrox Park von Glasgow hatte er den serbischen Nationalspieler aufgrund seiner klaren Aussagen und Forderungen an die Mannschaft als "Waschweib" bezeichnet. Eine Formulierung, die trotz des scherzhaften Untertons tief blicken lässt.

Zumindest an diesem Sonntag wird sich der Rummel um Kuzmanovic aber nicht vergrößern. Der Mittelfeldspieler ist gesperrt. "Das ist bitter, man nennt ihn ja schließlich schon den Babbel-Retter", sagte der Teamchef mit etwas Galgenhumor. Jetzt müssen es die anderen richten. Dem Tabellen-16. hilft in Leverkusen nur ein Sieg, um zumindest einen kleinen Schritt nach vorne zu machen - und sich das frisch gewonnene Selbstvertrauen zu bewahren. Ob am Ende die gesamte Mannschaft überzeugt oder wieder ein Einzelner das Spiel entscheidet, dürfte dann auch Horst Heldt ziemlich egal sein.

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