Hans-Jörg Schnitzer in seinem Kolb-Lollipop-Museum – dem Ergebnis von mehr als 40 Jahren Sammelleidenschaft. Foto: Chris Lederer

Der Zuffenhäuser Hans-Jörg Schnitzer lässt in seinem privaten Kolb-Lollipop-Museum vor allem die Zeiten der 50er-, 60er- und 70er Jahre aufleben. Besucher können bei mehr als Tausend Exponaten viel über Industriegeschichte erfahren und in alten Zeiten schwelgen.

Korntal/Zuffenhausen - Hinter den schlichten Eingangstüren an der Lilienthalstraße 11 in Korntal lagern Schnitzers Schätze: Historische Werkzeuge und mechanische Büromaschinen, alte Kameras, Filmposter und Fotos, bunte Emailleschilder, handgefertigte Puppen und anderes Spielzeug. Daneben mobile Klassiker mit vier und zwei Rädern: rund ein Dutzend Kleinmotorräder der Marke Kreidler, die einst den Grundstock für die Sammlung des Zuffenhäusers bildeten. Zu sehen ist auch der Originalkolben der Kreidler-Weltrekordmaschine, die es 1965 mit einem nur 50-ccm-Motor auf stolze 210 Stundenkilometer schaffte. Hans-Jörg Schnitzers Herz hängt nicht nur an den Zweirädern, auch die VW-Käfer, von denen er in seinem Kolb-Lollipop-Museum ebenfalls einige ausgefallene Modelle präsentiert, haben es ihm angetan. Beispielsweise der „Brezelkäfer“ mit geteiltem Heckfenster aus dem Jahre 1951 oder ein breiter und tiefergelegter VW-Käfer zur Rennsemmel mit Porsche-Motor umgebaut und seinerzeit bis an die Leistungsgrenze gebracht.

Nur 33 Liter auf 100 Kilometer

Ein besonderer Blickfang sind die schweren US-Straßenkreuzer von Cadillac und Lincoln, für die der Sammler ein besonderes Faible hat. Gefährte aus Zeiten, als der Spritpreis noch keine Rolle spielte. „Der Lincoln mit seinem 7,2-Liter-Motor“, sagt der Zuffenhäuser Hans-Jörg Schnitzer lachend, „brauchte 33 Liter auf 100 Kilometer – wenn man ihn sparsam fuhr.“

In mehr als 40 Jahren „Sammelwut“ hat der Inhaber und Geschäftsführer der Firma „Friedrich Kolb GmbH Feinmechanik und Apparatebau“ eine beachtliche private Sammlung besonderer Exponate zusammengetragen. Seit sieben Jahren bietet er im Kolb-Lollipop-Museum interessierten Gästen einen detailreichen Einblick in die Firmen- und die Industriegeschichte. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den 50er-, 60er- und 70er-Jahren. Die Exponate ermöglichen Nostalgie- und Technikfans eine Reise in die Zeit des Wirtschaftswunders. „Es ging in dieser Zeit immer aufwärts“, sagt Schnitzer. „Es herrschte eine positive Stimmung, das geht jüngeren Leuten heute leider nicht mehr so.“

Drehpolster für ein angenehmes Pogefühl

Aufwärts geht es allerdings nach wie vor mit seiner Sammlung. Neueste Anschaffungen in seinem Museum sind neben einem Dutzend Annette-Himstedt-Puppen mit Echthaar und authentischen Stoffen eine komplette Einrichtung eines Friseursalons. Spiegelschrank, Scheren, Rasiermesser, elektrische Haarschneidemaschine, Flakons und andere typische Utensilien dürfen da nicht fehlen. Etwas besonderes ist ein spezieller Friseursessel, bei dem sich das Sitzpolster über eine Achse um 180 Grad drehen lässt. „Da konnte der Friseur nach jedem Kunden das Polster umdrehen, damit niemand auf einem vom Vorgänger aufgewärmten Sitz Platz nehmen musste.“

Platz nehmen kann man vor einem Rundgang durchs Museum auch im hauseigenen Kino mit Plüschsesseln. Die hat Schnitzer aus einem Lichtspieltheater in Leonberg gerettet. Nach einem Rundgang wartet auf die Gäste ein Besuch in der „Bar 66“, aufgemacht im Westernstil mit Jukebox, Filmpostern und Grammophon.

Schnitzers liebstes Ausstellungsstück ist neben dem Lincoln übrigens ein Hochrad aus dem Jahre 1896 – „Von mir selbst gefahren und saugefährlich.“

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