Der Teamchef: Rahil Rathod vom Culinary Team Canada bereitet Rinderbäckchen zu. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth/Achim Zweygarth

Die Weltelite der Köche ist in den nächsten Tagen zu Gast in Stuttgart: Über 2000 Meister ihres Fachs aus über 40 Nationen brutzeln während der Messe Intergastra bei der Olympiade der Köche um die Wette. Hier geht’s um Medaillen, aber in erster Linie um Respekt und Völkerverständigung, wie das Team Canada klarstellt.

Stuttgart - Zwei junge Köche schnippeln bereits an Karotten für den Sonntag, das Menü muss vorbereitet werden. Ryan Marquis schaut derweil aus dem Fenster und zeigt auf das Gebäude gegenüber – die Landesmesse. „Dort geht’s dann rund“, sagt der Manager der kanadischen Nationalmannschaft der Köche. Für die Olympiade während der Intergastra hat sein Team direkt neben der Messe im neuen Mövenpick-Hotel Quartier bezogen: „Besser geht’s von den Wegen her sicher nicht“, sagt der 44-jährige Marquis.

Und dies ist nur ein kleiner Mosaikstein im Puzzle, immerhin sind die Kanadier mit einem 17 Leute starken Tross nach Stuttgart gereist, seit einer Woche trainiert die Truppe. Acht Köche stehen pro Nation in einer Mannschaft, aber damit alles rund läuft, braucht es neben dem Manager noch ein paar weitere Zutaten: Wir haben für alles vorgesorgt, sagt Ryan Marquis. Ein Mitglied kümmert sich um die Logistik, ein anderes um die Zutaten, für jeden Aspekt gibt es einen eigenen Experten.

In erster Linie geht es um Respekt

Entsprechend groß sind dann die Erwartungen? Go für Gold, Canada? Gibt’s Gold für Kanada? Ryan Marquis lächelt nur und winkt ab. Gewinnen wolle bei diesem Wettbewerb natürlich jede Nation, „da denken alle in die gleiche Richtung“. Aber darum gehe es bei seiner Mannschaft nur am Rande, so unglaublich dies auch klinge. Ziel sei es, bei dem Wettbewerb alles zu geben, seine beste Leistung abzurufen, „aber vor allem auch, allen Mannschaften den nötigen Respekt zu zollen“. Der Ehrgeiz in Ehren, aber eine gute Vorstellung sei wichtiger: „In erster Linie geht es um Respekt, wir repräsentieren schließlich unser Land.“

Das bedeutet für die Kanadier eine Menge. Kanada sei als Einwanderungsland ja total bunt, „und wir sind sehr stolz, Kanadier zu sein“, sagt Marquis. Aber die Botschaft stehe über allem: Am Ende des Tages seien alle Teilnehmer an der Olympiade doch einfach nur Köche, die ihren Job lieben würden.

Verdienen können die Köche nichts

Das müssen sie auch, denn eine solche Teilnahme erfordert ziemlich viel selbstlosen Einsatz und eine Menge Aufwand. Vor allem in einem Land wie Kanada, das zu den größten der Erde zählt. Alle sechs Wochen haben sie die Mitglieder zum Training getroffen, dazu mussten alle nach Toronto fliegen. Geld gab’s dafür natürlich nicht, auch der Staat helfe da nicht. Im Prinzip bezahlen die Enthusiasten den ganzen Spaß allein, für das Training werden sie im besten Fall vom Arbeitgeber frei gestellt.

Zu finanzieren sei dies alles allein mit Sponsoren, sagt der Teammanager. Insgesamt hätten sie so 250 000 Dollar aufgetrieben, unter anderem zählt zum Beispiel die Esslinger Messerschmiede Dick zu den Unterstützern. Letzten Endes sei das ganze Unternehmen allerdings nur der Begeisterung der jungen Mannschaft zuzuschreiben.

Was diese auf den Teller zaubert? Natürlich kanadische Spezialitäten. Chefkoch Rahil Rathod präsentiert zum Beispiel stolz einen Teller mit Rinderbäckchen und Pilzen, „wir verwenden möglichst schon Dinge aus Kanada“, sagt Rathod. Lobster, also Hummer, und natürlich auch Ahornsirup. Selbstverständlich, bei so viel Nationalstolz.

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