Klimaschutz Viele alte Heizungen trüben Ökobilanz

Von Thomas Faltin 

60 Prozent der Öl- und Gasheizungen sind älter als 20 Jahre. Foto: www.mauritius-images.com
60 Prozent der Öl- und Gasheizungen sind älter als 20 Jahre. Foto: www.mauritius-images.com

Nur zwölf Prozent aller Geräte sind auf dem neuesten Stand der Technik. Der Austausch erfolgt zu langsam, was schlecht für den Klimaschutz ist.

Stuttgart - In vielen Kellern Stuttgarts und Baden-Württembergs sieht es düster aus – und das gilt, unabhängig von der kellertypischen Beleuchtungslage, auch im übertragenen Sinne: Nur zwölf Prozent der Heizungen im Land sind laut dem Fachverband für Sanitär, Heizung und Klima auf dem neuesten Stand der Technik; bei Öl- und Gasheizungen sind 60 Prozent älter als 20 Jahre und gehören eigentlich ausgetauscht. Da durch effiziente Heizungen und gut gedämmte Häuser viel Energie und Wärme eingespart werden könnte, liegt in den Kellern des Landes also unter dem Aspekt des Klimaschutzes vieles im Argen.

Betrachtet man die Art der Heizungen, so ist diese überalterte Struktur ebenfalls zu erkennen – noch immer steht in jedem vierten Haus eine Ölheizung, daneben laufen weiterhin Millionen alte Kessel in Deutschland, die noch nicht die neuere Brennwerttechnik besitzen. Allerdings wandelt sich das Bild, wenn man nur auf die Neubauten blickt: Dort bleibt Gas der Renner mit einem Anteil von rund 50 Prozent, doch die Wärmepumpen, die Energie aus dem Boden, dem Wasser oder der Luft gewinnen, sind mit mehr als 20 Prozent mittlerweile sehr beliebt. Pelletheizungen sind dagegen bis heute die Ausnahme in Deutschland, auch wenn ihr Anteil in Baden-Württemberg höher sein dürfte als im Bundesschnitt, wie Dietmar Zahn vom Heizungs-Fachverband sagt.

Das Land hat vor einem Jahr das Energiewärmegesetz geändert, um die Modernisierungsmuffel etwas anzutreiben und den Klimaschutz zu verstärken: Seither müssen, wenn die Heizung erneuert wird, 15 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen stammen. Es gibt viele Möglichkeiten, diese Vorgabe zu erfüllen. Eine einfache und günstige Variante ist, einen herkömmlichen Gasbrennwertkessel zu installieren, dem Brennstoff zehn Prozent Biogas beizumischen und eine Solaranlage aufs Dach zu setzen.

Öl ist nach wie vor der günstigste Brennstoff

„Das ist eine vernünftige Heizung für wenig Geld“, sagt Dietmar Zahn. Ulrich König, der Leiter des Energieberatungszentrums in Stuttgart, empfiehlt Gas dagegen nicht mehr so gerne – es ist eben ein fossiler Brennstoff. Um die Vorgaben zu erfüllen, ist auch der Einbau einer Pelletheizung möglich oder die Kombination mit der Dämmung des Hauses.

Doch so richtig groß ist die Bereitschaft der Hausbesitzer nicht, die Heizung auszutauschen – da sind sich der Energieberater König und der Heizungsexperte Zahn einig. Das hat viele Gründe. Erstens ist Öl, trotz aller ökologischen Bedenken, immer noch der günstigste Brennstoff. Zweitens ist die Mietsituation gerade in Stuttgart so schwierig, dass viele Suchende auch unsanierte Wohnungen nehmen; der Hauseigentümer hat wenig Grund, viel Geld zu investieren. Drittens seien die Handwerkerpreise derzeit hoch, sagt Ulrich König, weil die Auftragslage so blendend sei. Viertens haben alternative Heizungen nicht nur Vorteile. Und fünftens, so behauptet zumindest der Heizungs-Fachverband, schlage auch das neue Gesetz kräftig ins Kontor. „Der Sanierungsstau hat auch damit zu tun“, sagt Dietmar Zahn.

Frank Lorho, der Sprecher des Umweltministeriums in Stuttgart, will das nicht so stehen lassen. „Es wurden uns noch nie belastbare Zahlen für diese Behauptung vorgelegt“, sagt Lorho. Man habe aber mit dem neuen Energiewärmegesetz auch festgelegt, im Jahr 2018 genau zu überprüfen, wie sich der Wärmemarkt verändert und welchen Beitrag die verschärften Richtlinien leisten. Der Ministeriumssprecher ist überzeugt: die bisherige positive Entwicklung beruhe auch auf dem Gesetz – seit dem Jahr 2000 hat der Anteil der Wärme, die mit erneuerbaren Quellen produziert wurde, in Baden-Württemberg um mehr als das Doppelte zugenommen, von 15 500 auf 38000 Gigawattstunden pro Jahr.

Der Austausch von Heizungen wird gefördert

Im Übrigen verweist Lorho darauf, dass in der Regel jeder Austausch einer Heizung gefördert werde. Während bei Maßnahmen am Haus ein bestimmter Standard erreicht werden muss, um einen Zuschuss zu erhalten, genügt es bei der Heizung, eines der üblichen Geräte zu kaufen und die genannten 15 Prozent an erneuerbaren Quellen einzuhalten. In Stuttgart, wo es laut Ulrich König „das beste Förderprogramm zwischen Hamburg und Bodensee gibt“, komme man häufig auf einen Gesamtzuschuss von 20 bis 25 Prozent der Investitionskosten. Für Hausbesitzer außerhalb Stuttgarts gibt es auf jeden Fall Fördergelder von der Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) und von der Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). König empfiehlt daher, ein Gespräch mit einem Energieberater zu vereinbaren.

Vor- und Nachteile bestimmter Heizungssysteme

Grundsätze:
Jedes Haus ist anders, pauschale Empfehlungen für ein Heizsystem sind nicht möglich. Bei der Planung sind unter anderem der Dämmstandard, das Nutzerverhalten und der Umweltaspekt zu berücksichtigen. Bei der Kalkulation sollte man nicht nur die Investitions-, sondern auch die Verbrauchs- und Betriebskosten rechnen.

Gas und Öl:
Heizungen auf Basis von Öl spielen im Neubau keine Rolle mehr. Gas ist in der Anschaffung verhältnismäßig günstig; man muss mit 8000 bis 11 000 Euro rechnen. Gas bleibt aber ein fossiler Brennstoff. Für Mehrfamilienhäuser können auch gasbetriebene Blockheizkraftwerke interessant sein, da sie Wärme und Strom produzieren.

Wärmepumpen:
Experten halten Wärmepumpen nur für geeignet, wenn das Haus gut gedämmt ist; ansonsten seien die Stromkosten zu hoch. Der Anschaffungspreis ist je nach Art der Wärmepumpe sehr unterschiedlich. Diese Heizung gilt als umweltfreundlich, Ulrich König bleibt aber skeptisch: „Es gibt Zeiten im Jahr, da holt man den Strom direkt aus der Steckdose.“

Fernwärme: Wegen der zentralen Erzeugung in einem Kraftwerk ist Fernwärme sehr ökologisch und für den Nutzer sehr bequem. Laut einer Untersuchung des Instituts für Technische Gebäudeausrüstung Dresden ist Fernwärme aber im Betrieb meist teurer als eine eigene Heizung.

Pelletheizung: Die Geräte sind recht teuer in der Anschaffung und bedürfen einer gewissen Pflege; so muss die Asche regelmäßig entfernt werden. Wegen der CO2-neutralen Verbrennung sind sie aus Umweltgründen zu empfehlen.

Preiskalkulation: Auf der Internetseite der Verbraucherzentrale www.verbraucherzentrale.de/heizsystemvergleich kann man die Preise der jeweiligen Heizungssysteme vergleichen.

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