Er hätte sich wohl gefühlt im Regionalexpress Foto: dpa

Regionalexpress auf dem Weg nach Stuttgart bei 15 Grad Außentemperatur zusätzlich gekühlt.

Horb a.N. - Samstagabend, Bahnhof Horb am Neckar. Regenschauer haben die Hitze am Rande des Nordschwarzwalds fürs Erste aufgelöst. Das Thermometer zeigt kühle 15 Grad. Nass und fröstelnd sitzen die Ausflügler auf dem Bahnsteig und warten auf den Regionalexpress nach Stuttgart. Die meisten haben nur kurze Sachen an, die Kälte kam ziemlich unerwartet. Erst mal aufwärmen, denken sie sich, und eilen zum pünktlich einfahrenden Zug.

Doch wer in dem Doppelstockwagen nun ein mollig warmes Großraumabteil erwartet hatte, wurde enttäuscht. Drinnen war es noch viel schattiger als draußen. Zumindest der gefühlten Temperatur nach, die dank eines steten gepressten Luftzugs im einstelligen Bereich gelegen haben muss. Die Klimaanlage! Sind die nicht alle kaputt? Offenbar nicht, jedenfalls zeigte sich das Exemplar im RE 19618 durch den Kälteeinbruch gut erholt. Und als ob die Bahn eben das ihren Kunden beweisen wollte, holte der Zugführer die volle Leistung aus den vielgescholtenen Luftkühlern heraus.

Gut, Amerikaner hätten sich pudelwohl gefühlt, Briten sich an dieser coolen Zugfahrt zumindest nicht gestört. Doch die waren leider nicht an Bord. Nur Badener und Schwaben. Und die froren. So richtig. Zum Schutz vor der Kälte musste alles herhalten, was im Gepäck zu finden war: Pullover, ein zweites Paar Socken, Badetücher zum Zudecken.

"Hat jemand einen Tee?" Die einen nahmen's mit Humor, andere grummelten und verlangten nach dem "Schaffner". Doch den gibt's schon lange nicht mehr. Erstens heißt der Schaffner im Bahn-Deutsch heute Zugbegleiter. Und zweitens kommt er im Nahverkehr nur noch sporadisch zum Einsatz. Einige Frostbeulen haben sich trotzdem auf die Suche nach einem uniformierten Helfer gemacht - vergebens. Also half nur eins: Augen zu und, falls gewünscht, aneinanderkuscheln. Um es vorwegzunehmen: Alle Fahrgäste sind in Stuttgart ohne erkennbare Kälteschäden ausgestiegen. Unter dem Dach des Hauptbahnhofs hatte sich die Hitze etwas länger gestaut - so dass allen schnell wieder warm wurde.

Die Deutsche Bahn äußerte sich am Montag nicht zu dem Vorfall.

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