Spät eingewechselt, kann Simon Terodde in Hannover keine Akzente mehr setzen Foto: Baumann

In Hannover fehlte Simon Terodde trotz vieler verletzter Kollegen wieder in der Startelf. Doch der Sportchef Michael Reschke stellt klar: „Simon ist ein ganz wichtiger Spieler des VfB.“

Stuttgart - Der Handyempfang ist ziemlich mies, doch die Botschaft des Michael Reschke ist klar und deutlich vernehmbar. „Simon Terodde ist in der Bundesliga angekommen und ganz weit weg davon, sich einen neuen Verein zu suchen. Er ist ein ganz wichtiger Spieler des VfB“, sagt der Sportvorstand am Sonntag. Am Freitagabend war Michael Reschke beim 1:1 des Aufsteigers durch ein Tor von Takuma Asano (24.) sowie den Ausgleich durch den 96er Niclas Füllkrug (76. per Foulelfmeter) in der HDI-Arena von Hannover nicht vor Ort gewesen. Es tut sich also dennoch etwas auf dem Winter-Transfermarkt – auch ohne die Causa Terodde. Was Reschke vorhat, das will der 60-Jährige aber nicht verraten. Dass er aber auf gar keinen Fall unterwegs ist, um einen Stürmer-Ersatz für Terodde zu suchen, das macht der ehemalige Kaderplaner des FC Bayern unmissverständlich klar. Sollte Reschke dennoch einen Stürmer verpflichten, wäre dieser allein als Ergänzung zum vorhandenen Personal gedacht.

Spekulationen um Teroddes Zukunft

Diese Ansage war auch nötig. Schließlich hatten die Spekulationen über die Zukunft des zweifachen Zweitliga-Torschützenkönigs Terodde, der aktuell bei zwei Saisontoren steht, nach dem Hannover-Spiel bereits ziemlich an Fahrt gewonnen. „Ob Terodde auch über den Winter hinaus ein Teil des Projekts VfB bleibt, wird abzuwarten sein“, so hieß es etwa in dem Bericht der Deutschen Presse-Agentur. Völlig absurd war dieser Gedanke ja nicht. Vor allem nach der Partie vom Freitagabend, als Simon Terodde, der beim großen 2:1-Sieg über den BVB erstmals gar nicht gespielt hatte, nun wieder bis zur 73. Spielminute auf der Bank schmorte. Was die Sache nicht besser machte: In Daniel Ginczek, Anastasios Donis und Chadrac Akolo waren gegen die 96er drei Angreifer gar nicht spielfähig gewesen. Und Terodde, der in den vergangenen Spielzeiten zusammengerechnet 50 Zweitligatore erzielt hatte, der war trotzdem nur Ersatz.

Vom Torjäger zum Bankdrücker – Terodde hatte von seinem Trainer Hannes Wolf also einen herben Nackenschlag einkassiert. „Simons große Fähigkeiten als Teamplayer werden schon arg strapaziert“, räumte Hannes Wolf ein, bei dem der Leistungsgedanke eben über allem thront. Der Coach hatte sich im Angriff für die beiden Leichtgewichte Josip Brekalo und Takuma Asano entschieden. Das war kein schlechter Zug, und das nicht nur, weil der „Jaguar“ Asano sein erstes Bundesliga-Tor erzielte. „Meine Wertschätzung gegenüber Simon hängt nicht davon ab, ob er von Anfang an spielt oder nicht“, relativierte Wolf nun: „Simon kann sich wieder reinbeißen. Alles kann sich schnell ändern.“ Und dennoch wird der 1,92-Meter-Mann vorerst weiter von dem hartnäckigen Gerücht umschwirrt, ein zwar gigantischer Zweitliga-Torjäger, aber eben kein allzu großer Erstliga-Knipser zu sein.

Während sich der von seinem Charakter eigentlich sehr offene Terodde aktuell ein Schweigegelübde auferlegt hat und daher in Hannover nach Spielschluss wortlos im Mannschaftsbus verschwand, rückt Michael Reschke die Dinge für den großen Blonden gerade. Ja, leichte Selbstzweifel hätten den verhinderten Torjäger des VfB, den als Aufstiegshelden und Kanonier vom Dienst in der Sommerpause von Borussia Mönchengladbach heftig umworbenen Stürmer zu Saisonbeginn schon geplagt, erklärt Reschke. Schließlich war Terodde nicht gut in die Saison gestartet, wartete bis zum siebten Spieltag in Frankfurt auf sein erstes Erstligator. „Er hatte aber auch eine sehr gute Phase. Da hat Simon gemerkt, dass er mithalten kann“, sagt Reschke, der sich vor Wochen mit Terodde zum Essen getroffen hatte, um seine Lage zurückgelehnt zu erörtern.

Die nächste Chance heißt Werder Bremen

Tatsächlich lief Terodde im Spiel gegen Köln, wo ihm beim 2:1 ein Assist gelang, sowie in Leipzig gar als Kapitän auf. Gegen Freiburg eingewechselt, gelang ihm ein Treffer beim 3:0-Sieg. „Ich finde es jetzt sehr gut, mit welcher Lust Simon die neue Herausforderung annimmt“, erklärt Reschke. Eine Aufgabe, die darin besteht, sich in einer neuen Rolle zurechtzufinden. Denn die Zeiten als unangefochtener Chef der Abteilung ­Attacke wie in der Vorsaison, auch das ist ein Teil der Wahrheit, die scheinen für Simon Terodde vorbei zu sein. „Er ist ein ganz wichtiger Kaderspieler“, sagt Reschke. Aber eben nur einer von 20 Profis. Positiv darf ­Terodde stimmen, dass die taktischen Dinge beim VfB jetzt anders liegen als zu Saisonstart, wo er als Kilometerfresser gefragt war. Der VfB spielt auch auswärts offensiver, was Terodde reinläuft. Am Samstag heißt die nächste Chance daher Werder Bremen.

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