In Stuttgart wurden am Dienstag bereits zum zweiten Mal in dieser Woche insbesondere Kitas und Schülerhäuser bestreikt. Betroffene Eltern waren wenig erbaut, aber solidarisch mit den Streikenden. Die Beteiligung der Beschäftigten war laut Stadt etwas geringer als am Montag.
Nach dem Montag hatte die Gewerkschaft Verdi auch am Dienstag die Beschäftigten im städtischen Sozial- und Erziehungsdienst zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Ziel der Aktion: die Neuregelung der Altersteilzeit. Da der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats die Themen, welche die Beschäftigten betreffen, nach Ansicht der Gewerkschaft „bewusst“ erst am Dienstag aufgerufen habe, hatte Verdi den Warnstreik verlängert. Auch in anderen Ämtern, etwa im Sozialamt, im Gesundheitsamt und bei der städtischen Abfallwirtschaft (AWS), waren die Beschäftigten zum Streik aufgerufen, ebenso in den Bädern.
64 von 176 Kitas waren ganz geschlossen
Während am Montag nach Angaben der Stadt 2227 Streikende gezählt wurden, meldete die Verwaltung für den Dienstag 1998 Personen im Ausstand, darunter 35 Auszubildende. Die meisten Streikenden kamen mit 1420 Personen aus dem Bereich des Jugendamts. Dadurch seien von 176 städtischen Kitas 64 geschlossen und 26 nur teilgeöffnet gewesen. Von den 16 Ganztagsschulen blieben vier geschlossen, sieben konnten nur teilgeöffnet werden. Von den neun Schülerhäusern waren sieben zu, eines teilgeöffnet. Die Stadt hatte den Beschäftigten für Dienstag erlaubt, ihre Kinder an den Arbeitsplatz mitzubringen, sofern sonst keine Betreuung möglich sei. Eine Notbetreuung wurde nicht eingerichtet.
Beim Abfallwirtschaftsbetrieb haben am Dienstag 265 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Daher hätten „nicht alle üblichen Fuhren“ erledigt werden können, so die Stadt. Der AWS werde den nicht abgeholten Abfall schrittweise beseitigen. Bei den Bäderbetrieben streikten 56 Beschäftigte. Das Schul- und Vereinsschwimmen sei möglich gewesen, der öffentliche Badebetrieb jedoch nur teilweise. Unter den übrigen Ämtern verzeichneten die meisten Streikenden das Garten- und Friedhofsamt mit 81 Personen.
Eltern sind „genervter“ als am Montag
„Jetzt, am zweiten Streiktag, sind die Eltern etwas genervter, das merkt man in den Whatsapp-Gruppen“, erzählt eine Mutter, deren Kinder ein Schülerhaus besuchen. Ihr Ehemann arbeite bis abends im Büro, sie selbst sei bei einer Schulung, erzählt sie. Opa und Onkel mussten einspringen, um die Kinderbetreuung zu gewährleisten. Für den Opa habe das eine Stunde Fahrzeit bedeutet, der Onkel habe freinehmen müssen. „Irgendwie kriegt man es hin, aber mit Stress“, erzählt die Mutter. Sie hat zwar Verständnis für die Anliegen der Streikenden, macht aber auch keinen Hehl aus ihrem Ärger.
Lena Conrad von der Initiative „Kitastrophe“ stellt sich hinter die Streikenden: „Wir verstehen verärgerte Eltern, aber wir stehen total hinter dem Streik.“ Die Initiative besteht aus Kitabeschäftigten und Eltern, die sich für eine bessere Betreuung engagieren.
Verdi begründet den Warnstreik
Streit über die Altersteilzeit
Im Streit zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Kommunalen Arbeitgeberverband Baden-Württemberg (KAV) geht es in erster Linie um die Fortsetzung der Altersteilzeit. Der „Tarifvertrag zu flexiblen Arbeitszeitregelungen für ältere Beschäftigte“ war im Frühjahr nicht verlängert worden, weshalb der Rechtsanspruch für Beschäftigte auf Alterszeit entfallen ist. Dem will die Gewerkschaft mit den Warnstreiks entgegentreten und eine neue Vereinbarung erzwingen.