Auch im Fellbacher Zwergenzügle dürfen die Kinder für Muttertag kreativ werden – so wie hier beim Fingerfarben malen mit den Erziehern Albana Abazi und Christian Weisgerber. Foto: Herrmann

Neben Vater-Mutter-Kind-Modellen gibt es heute viele weitere Konstellationen. Doch was heißt das für Mutter- oder Vatertag? Dürfen Kinder trotz Diversität noch Geschenke für die Familie machen? Kitas im Rems-Murr-Kreis haben eine klare Meinung.

Ein Tag im Kindergarten ist prall gefüllt und hält für die Kleinen jede Menge aufregende Aktivitäten bereit. Gestartet wird meist mit Gesang im Morgenkreis. Daneben wird natürlich jede Menge gespielt, gepuzzelt oder es geht auf einen Ausflug. Regelmäßig dürfen Kitakinder auch mit Farbe und Kleber kreativ werden und etwas malen oder basteln – besonders dann, wenn im Jahreskalender ein Fest ansteht und ein liebevolles Präsent gefragt ist. Nun ist am Sonntag Muttertag, an dem Kinder ihre Mamas traditionell mit Selbstgebasteltem und – meist mit dem Papa – noch mit Blumen und einem Frühstück verwöhnen. Eine Kita in Hessen hat sich nun gegen Mutter- und Vatertagsgeschenke ausgesprochen und damit – obwohl sich das Bistum Fulda mittlerweile dafür entschuldigt hat – für viele Irritationen gesorgt. Wie gehen Kitas im Kreis mit Muttertag um, und was halten sie davon?

 

Gebasteltes passt nicht zur Diversität

Weil in der heutigen Zeit die Diversität immer wichtiger werde und man keinen Menschen ausschließen wolle, sollen laut der Kita im Raum Hessen keine Mutter- und Vatertagsgeschenke mehr entstehen. Das hat die katholische Einrichtung den Eltern per Brief mitgeteilt. In dem Schreiben hieß es, dass die Konstellation Vater, Mutter, Kind nicht mehr die Norm in heutigen Familien sei. Daher wolle man von stereotypischen Geschenken für Väter und Mütter absehen. Auch, um Kinder zu schützen, die aus Alleinerzieher-Haushalten stammen.

Herzensmenschen eine Freude machen

Ingrid Philp aus dem Kinderhaus Purzelbaum Schorndorf sieht keinen Widerspruch zwischen neuen Familienkonstellationen und Geschenken zum Mutter- und Vatertag. „Die Kinder haben große Freude daran, ihren Herzensmenschen ein Geschenk zu machen. Welche Bezugspersonen das im Einzelfall sind, greifen wir im Gespräch auf und machen Vielfalt zum Thema“, sagt die Leiterin. Ob das dann ein Kind aus einer Patchwork- oder einer gleichgeschlechtlichen Familie ist, sei nicht von Bedeutung, sagt sie und fügt hinzu, dass es durchaus Sinn machen könne, mit alten Traditionen zu brechen, wenn sie überholt seien. „Beim Muttertag ist das aber nicht der Fall. Die Kinder wollen ihren Lieben was Gutes tun, deshalb darf man ihnen das Basteln auch nicht wegnehmen“, sagt sie und hat gleich noch ein Beispiel für eine Bastelarbeit parat: So haben Kinder auf eine Holzscheibe ein Herz genagelt. „Das wird mit Schnüren verbunden, und zwar so viele wie Bezugspersonen da sind.“

Der Papa freut sich auch zwei Wochen später

Michael Faltis, Einrichtungsleiter im Fellbacher Kinderhaus Zwergenzügle, versteht die Aufregung nicht. Selbst wenn sich die Situationen der Kinder geändert hätten und es längst auch gleichgeschlechtliche und Patchworkfamilien oder Scheidungskinder gebe, komme es doch auf die Geste an sich an. „Deshalb muss man doch nicht Geschlechterstereotypen hinterfragen und Basteln nicht mehr erlauben. Auch der Papa, den das Kind vielleicht nur alle zwei Wochen sieht, freut sich über eine Bastelei. Und das Kind freut sich, etwas zu erschaffen“, sagt Faltis. Diese jährliche Besonderheit dürfe nicht veränderten Zeiten zum Opfer fallen. In Fellbach wurde mit Schrumpffolie gewerkelt, es wurden Töpfe bemalt und eingesät sowie Lesezeichen mit Blumen einlaminiert.

Notfalls werden Oma und Opa beschenkt

Für Aufregung hat der Vorfall in Hessen auch im Kinderhaus Zipfelbach in Winnenden gesorgt. „Wir haben die Gruppen entscheiden lassen. Und alle wollten basteln. Wir sind da auch relativ flexibel, notfalls werden Oma und Opa beschenkt“, sagt Einrichtungsleiter Michael Kalla. Auch beim traditionellen Muttertags- oder Vatertagsfrühstück dürfe von den Bezugspersonen kommen, wer wolle. „Wir werben dafür, für alle offen zu sein und das sind wir auch. Das schließe aber nicht aus, dass die Kinder den Tag mit einer Bastelei – so werden zum Beispiel Socken bunt bemalt – vorbereiten. Ein paar Traditionen kann man bei aller Modernität wahren.“

Es geht einfach um die Wertschätzung

Auch im Kindergarten „Sternschnuppe“ in Waiblingen dürfen die Kinder weiterhin basteln. Zudem wurde dieses Jahr auch ein Elternnachmittag veranstaltet. „Das ist eine schöne Tradition, und es geht um Wertschätzung. Wie sich die Familien unserer Kinder zusammensetzen, spielt dafür keine Rolle“, sagt die dortige Leiterin Alexandra Hügler.