Wer darf ab Montag wieder in die Kindertagesstätten? Das fragen sich Träger und Eltern derzeit. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Ab 18. Mai sollten die Kitas schrittweise wieder für bis zu 50 Prozent aller Kinder öffnen können. So die Ankündigung des Kultusministeriums. Seither warten Träger und Eltern auf weitere Informationen. Stattdessen stiftet die aktuelle Corona-Verordnung Verwirrung.

Stuttgart - Es war eine Ankündigung, die viele Eltern aufatmen ließ: „Unser Plan sieht vor, dass wir ab dem 18. Mai die Betreuung an den Kitas in Richtung eines reduzierten Regelbetriebs in Absprache mit den Trägern schrittweise auf bis zu 50 Prozent der Kinder ausweiten.“ So stand es in der Mitteilung, die das Kultusministerium am 6. Mai veröffentlicht hat. Anders gesagt: Ab Mitte Mai sollten die Kitas nicht nur Kindern offen stehen, deren Eltern Anspruch auf eine Notbetreuung haben, sondern theoretisch allen. Seither allerdings ließen genauere Informationen, wie diese schrittweise Öffnung in den Einrichtungen umgesetzt werden sollte, auf sich warten.

Umso überraschter waren viele Träger, als sie die aktuelle Corona-Verordnung Anfang dieser Woche zugeschickt bekamen. Denn darin steht von den Ankündigungen der Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) kein Wort. Stattdessen ist weiterhin nur von der „erweiterten Notbetreuung“ bis zum 15. Juni die Rede. Die erweiterte Notbetreuung macht es bislang unter anderem Eltern mit Berufen aus der so genannten kritischen Infrastruktur sowie Eltern mit Präsenzpflicht am Arbeitsplatz möglich, ihr Kind in einer Kita unterzubringen.

Unsicherheit steigt von Tag zu Tag

„Wo bleibt der reduzierte Regelbetrieb“, fragt deshalb der Landesverband des Deutschen Kitaverbandes in einer Pressemitteilung. Der Verband, der freie Träger vertritt, wirft der Kultusministerin vor „nicht ordentlich zu kommunizieren“. Die Unsicherheit bei den Trägern und Eltern steige „von Tag zu Tag“. „Abgesehen von dieser widersprüchlichen Kommunikation im Fall der Kita-Öffnungen, gibt es insgesamt keinen verlässlichen Informationsfluss zwischen dem Ministerium und allen Träger-Gruppen.“

Auch bei anderen Trägern herrscht nach wie vor Unklarheit, wie denn nun der Betrieb ab dem 18. Mai aussehen soll. „Wir warten auf klare die Vorgaben von Seiten des Kultusministeriums zur Umsetzung der nächsten Schritte. Die Träger und Einrichtungen brauchen genügend Vorlauf, um die weiteren Öffnungen hinsichtlich der Hygienemaßnahmen und Personalplanung vorzubereiten.“, sagt Bettina Stäb vom Evangelischen Landesverband – Tageseinrichtungen für Kinder in Württemberg. Vor allem die Familien bräuchten schnell Klarheit, ab wann und in welchem Umfang ihre Kinder wieder betreut würden.

Betreiber erarbeitet ein Wechselmodell

Auch ohne konkrete Informationen versuchen manche Träger sich allerdings bereits auf eine erweiterte Betreuung einzurichten. So hat zum Beispiel der Kitabetreiber Konzept-e, der rund 40 Einrichtungen unter anderem in Baden-Württemberg betreibt, ein so genanntes Wechselmodell entwickelt, das es in einer Art „Schichtbetrieb“ oder einem rollierenden System allen Kindern erlaubt, zeitweise die Einrichtung zu besuchen.

Auch in den katholischen Einrichtungen in Stuttgart laufen Vorbereitungen. Unter anderem würden bereits Dienstpläne erstellt, so Nicole Höfle, Sprecherin des katholischen Stadtdekanats. Unsicherheit herrsche vor allem bei den Eltern, die nach den Ankündigungen der Ministerin in Wartestellung seien. „Es gibt viele Nachfragen bei unseren Einrichtungen, die wir leider nicht beantworten können, weil uns die Informationen fehlen“, so Höfle.

Kultusministerium will bald Kitabrief verschicken

Eine Unsicherheit kann das Kultusministerium allerdings schon nehmen: „Es gibt keine Abkehr von der Ankündigung des reduzierten Regelbetriebs“, betont ein Sprecher des Kultusministeriums auf Anfrage unserer Zeitung. Nach wie vor solle den Einrichtungen möglich gemacht werden, ab dem 18. Mai schrittweise bis zu 50 Prozent der Kinder wieder aufzunehmen. Dass das in der jüngsten Verordnung noch nicht stehe, sei ein Zeitproblem gewesen. Man arbeite aber mit Hochdruck an einer neuen Verordnung, die den Regelbetrieb behandle und vor dem 18. Mai veröffentlicht werden soll. Außerdem soll es einen „Kitabrief“ mit genaueren Informationen für die Einrichtungen geben.

Einige Träger bezweifeln allerdings, dass sie die neuen Konzepte dann pünktlich für Montag noch umsetzen können.

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