Das Kirchheimer Badewannenrennen zieht Jahr für Jahr mehr Zuschauer in den Bann. Für sie, wie auch für die Teilnehmer gilt die Devise: Dabeisein ist alles. Foto: Horst Rudel

Das Kirchheimer Badewannenrennen ist eine spritzige Angelegenheit. Meist geht es nicht um den Sieg, sondern um das Ankommen.

Kirchheim - Nicht, dass Udo Kälberer in die Badewanne hineingeboren wäre. Dagegen spricht schon seine Statur. Der Wirt des Kirchheimer Teckkellers hat, vorsichtig ausgedrückt, zu viel Tiefgang für die noch junge Disziplin des Badewannenrennsports. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, ein inniges Verhältnis zur Wanne zu pflegen. Leider beruht die Leidenschaft nicht auf Gegenseitigkeit. „Wir werden mit einiger Sicherheit wieder untergehen“, sagt Kälberer. Am Sonntag, 6. August, wurden im 50-Meter-Becken des Kirchheimer Freibades in der Jesinger Straße die Wannen ins Wasser gelassen. Für die Zweiermannschaften ging es darum, so schnell wie möglich den anderen Beckenrand zu erreichen. Gepaddelt wird mit den Händen.

Auch wenn er wieder untergeht – Udo Kälberer ist obenauf. Das von ihm ins Leben gerufene Spektakel zieht jedes Jahr noch mehr Zuschauer und noch mehr Teilnehmer an. „Die Premiere war total verregnet. Da waren nur 200 Leute im Bad, aber die hatten eine Mordsgaudi“, erinnert sich Kälberer.

Mehr als 1000 Zuschauer

Um die Gaudi geht es – und um das olympische Ideal: Dabei sein ist alles. Wer als Teilnehmer dabei ist, merkt ziemlich schnell, dass es noch um etwas anderes geht. Es geht darum, mit Haltung zu scheitern. Badengehen vor mehr als 1000 Zuschauer – das gehört zum Rennen wie das Wasser in die Wanne. „So einfach, wie es scheint, ist es nicht. Das fängt schon beim Einsteigen an. Die Wannen sind wahnsinnig kippelig“, sagt Kälberer, der Badenwannen-Kapitän, aus leidvoller Erfahrung. An seinem Matrosen kann es nicht liegen. Der heißt Steffen Meckes und geht von der Statur laut Kälberer eher als Leichtmatrose durch.

Der Rat des Organisators an die Teilnehmer lautet deshalb: Vorsicht ist die Mutter der Badewanne. Hat das Wasserlassen erst einmal geklappt, dann beginnt die eigentliche Herausforderung. Es gilt, am anderen Ende anzukommen und unterwegs möglichst wenig Wasser zu fassen. Die Techniken sind so vielfältig, wie die Regeln einfach. „Alles ist erlaubt“, sagt Kälberer. Vorwärts, rückwärts, seitwärts – soweit die Wanne trägt. Meist geht es auf den ersten Metern noch zielgerichtet zu. Kommt die Wanne ins Trudeln, dann wird die Besatzung meist hektisch. Und irgendwann geht es nur noch ums Überleben für die Mannschaften, die auf Namen wie Hohlwegrutscher, Froschkönige und Teckpiraten hören.

Die Fantasienamen sind Pflicht. Sie müssen bei der Anmeldung ebenso angegeben werden wie die Schlachtrufe. Nicht Pflicht, aber gern gesehen sind Verkleidungen. Jenseits des reinen Wettrennens gibt es noch eine Kostümwertung. Eine unabhängige, spontan zusammengestellte Jury entscheidet über die B-Note für den künstlerischen Wert. Für Künstler wie auch für Sportler gibt es Sachpreise. Das schnellste Team kann sich über eine Jahreskarte freuen, dem schönsten winkt immerhin noch ein leckerer Eisbecher.

Die Badewannen werden gestellt

Für alle Teilnehmer ist der Start jedes Jahr wieder ein Sprung in das kalte Wasser. „Die konnten ja zuvor nicht üben“, sagt Kälberer. Die Sportler dürfen nicht einmal ihre eigenen Wannen mitbringen. Aus gutem Grund. „Die Sportgeräte werden gestellt. Wir haben die Rennwannen zuvor rundherum mit Styropor verkleidet, damit das Edelstahlbecken des Bades nicht beschädigt werden kann“, sagt Kälberer.

Er selbst hätte zumindest auf dem Trockenen üben können, wenn er sich einen Wettbewerbsvorteil hätte verschaffen wollen. Die Rennbadewannen haben im Keller seines Gasthauses überwintert. „Als wir zur Premiere bei Repabad, einem Bad- und Sanitärausstatter in Wendlingen, erstmals vorstellig geworden sind, haben die gedacht, wir wollten günstige Wannen abstauben, um sie selbst einbauen“, erinnert sich Kälberer. Das Misstrauen ist schnell gewichen und inzwischen weiß der Betrieb zu schätzen, dass seine Wannen in aller Öffentlichkeit so hohe Wellen schlagen.

Geht es nach Kälberer, so könnte das Rennen durchaus noch höhere Beliebtheitswellen schlagen. „Es wäre toll, wenn die Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, die restliche Rathausspitze oder die Fraktionen im Gemeinderat mal in einem Boot sitzen würden. Die sind es doch gewohnt, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steht“, sagt er.

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