Angelika Matt-Heidecker und Pascal Bader auf dem Podium. Am Sonntag werden die Kirchheimer Wählerinnen und Wähler entscheiden, wer zuletzt lacht. Foto: Horst Rudel

Die Oberbürgermeisterwahl in Kirchheim wird zur Weichenstellung. Hier Angelika Matt-Heidecker, die erfahrene Amtsinhaberin, dort der unverbrauchte Herausforderer, Pascal Bader.

Kirchheim - Läuft in Kirchheim, ist man, in Anlehnung an das Jugendwort des Jahres 2014, geneigt zu sagen. Weitgehend schuldenfrei, 1300 neue Wohnungen in der Pipeline, Millionen von Euro in die Schulen gesteckt – die Stadt hat es drauf. Dumm nur, dass der Jugendsprech so gar nicht zur Person und zum Alter der Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker passen will.

Die SPD-Politikerin hat den 66. Geburtstag hinter sich und kandidiert am Sonntag, 1. Dezember, für eine weitere, die dritte Amtsperiode. Weil es der Gesetzgeber so will, würde die altershalber schon nach sechseinhalb Jahren enden. Wenn es der Wähler so will, dann könnte die dritte Amtszeit der Ratschefin gleich gar nicht beginnen – auch das altershalber. Durch die Teckstadt weht ein Wind des Wechsels. Ob er stark genug ist, den parteilosen Last-Minute-Herausforderer Pascal Bader in den Chefsessel im Rathaus zu lupfen, ist nicht ausgemacht. Fünf Kandidatenvorstellungen und die abschließende Podiumsdiskussion in der Kirchheimer Stadthalle aber haben gezeigt: Sein größtes Plus ist ihr Alter.

Läuft in Kirchheim

Die Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker will den Chefsessel im Rathaus nicht kampflos räumen. Sie appelliert an den Kopf: Der Stadt gehe es gut. Ihr Kontrahent bedient das Bauchgefühl: Nach 16 Jahren müsse sich etwas ändern in der 40 000 Einwohner zählenden Teckstadt, so lautet seine Kernbotschaft. Was genau, ist nicht so klar auszumachen. Wie gesagt: Läuft in Kirchheim.

In der Podiumsdiskussion, zu der die Lokalzeitung am Dienstag eingeladen hatte, ist es allerdings weniger um die großen Linien, als vielmehr um die kleinteiligen Problemlagen in der Stadt gegangen. Die Fragen, mit denen der Diskussionsleiter Andreas Volz die Kandidatin und den Kandidaten auf dem Podium in der nahezu vollbesetzten Stadthalle konfrontierte, waren aus Leserzuschriften herausgefiltert worden. Die Antworten – Zeitlimit: zwei Minuten – haben sich in der Sache nur wenig unterschieden.

Genau so, nur anders

Zugespitzt könnte man sagen: Pascal Bader würde alles ziemlich genauso machen wie die Amtsinhaberin, nur eben anders. Dafür hat er viel Beifall bekommen, gleichgültig, ob beim Verkehr, bei der Wirtschaftsförderung, bei der Beibehaltung der Teilortswahl, bei der Wahrung der historischen Bausubstanz in der Altstadt, bei der Förderung des Breitensports oder bei der Frage, wie den hartnäckigen Legionellen in der Turnhallendusche beizukommen sei.

Nur einmal ist es auffallend ruhig geblieben im Rund der ihm Wohlgesonnenen. Wie er denn begründen wolle, dass er trotz der auch von ihm beklagten Wohnungsnot in Kirchheim seine eigene Einliegerwohnung nicht dem angespannten Markt zur Verfügung stelle, sondern sie als Ferienwohnung vermiete? Baders Einlassung, da könne man auch Hoteliers angehen und fragen, weshalb sie ihre Zimmer nicht den Wohnungssuchenden anbieten würden, fällt wohl unter Notwehr und will nicht ernsthaft als zielführender Vorschlag verstanden werden, wie man der Wohnungsknappheit in der Stadt Herr werden könnte.

Aber auch Angelika Matt-Heidecker ist kurz in die Bredouille gekommen, und auch sie war sichtlich froh, dass der Vorwurf, sie habe mehr Wahlplakate aufgestellt als zulässig, nach den obligatorischen zwei Minuten und der Entschuldigung abgehakt war. Mehr als zwei Minuten lang ist es um das vor Jahren wegen Unrentabilität abgerissene Hallenbad gegangen. Bei jeder Gelegenheit hat Pascal Bader den Finger in die Wunde gelegt und das kollektive Trauma neu thematisiert.

Wohl der Stadt, die diese Auswahl hat

„Schade, dass in diesem Wahlkampf nur über Sachen geredet worden ist, die entweder schon durch oder schon ins Laufen gebracht sind“, hat eine Zuhörerin in der abschließenden Publikumsrunde deshalb nicht umsonst geklagt. Noch nicht durch ist die Wiederwahl von Angelika Matt-Heidecker. „Nach 16 Jahren ist Zeit für einen frischen Wind“, sagt Pascal Bader und beruft sich auf das auf zwei Amtsperioden begrenzte amerikanische Präsidentschaftswahlrecht ebenso wie auf die Kanzlerinnendämmerung in Deutschland. Angelika Matt-Heidecker hält mit dem Landesvater Winfried Kretschmann dagegen, der sich, obwohl wesentlich älter als sie, noch fit genug für eine weitere Amtsperiode fühlt.

Hier die mit allen Wassern gewaschene und über die Stadt hinaus gut vernetzte Lokalpolitikerin, dort der unverbrauchte, kenntnisreiche Referatsleiter aus dem baden-württembergischen Umweltministerium. Wohl der Stadt die diese Auswahl hat. Läuft in Kirchheim!

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