Robert Ruthenberg, Baubürgermeister Günter Riemer und die Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker (von links) geben dem Waldhorn keine Zukunft. Foto:  

Die Kirchheimer Traditionsgaststätte Waldhorn ist nicht mehr zu retten. Davon hat sich der Gestaltungsbeirat der Teckstadt im Rahmen eines Ortstermins überzeugen lassen müssen.

Kirchheim - Es trägt die Gemütlichkeit und die Gastlichkeit geradezu nach außen, das gedrungen wirkende Waldhorn an der Schmalseite des Kirchheimer Marktplatzes. Seit 317 Jahren schließt das so sympathisch behäbig daherkommende Fachwerkhaus den Platz gen Westen hin ab. Jetzt scheint es, als sei seine Zeit abgelaufen. Der Gestaltungsbeirat der Teckstadt hat nach einer Ortsbesichtigung einvernehmlich den Daumen gesenkt.

Außen hui, innen pfui

„Außen hui, innen pfui“, so lautete das Urteil nach der Begehung des ausgebeinten Gebäudes. Das Gremium, das der Stadtverwaltung bei wichtigen Bauvorhaben und städtebaulichen Veränderungen beratend zur Seite steht, hält den erforderlichen Aufwand für eine Sanierung des Gasthauses für unzumutbar.

Das Votum des Gestaltungsbeirats, dem der letztlich entscheidende Gemeinderat aller Voraussicht nach folgen wird, gibt dem Investor Robert Ruthenberg nun die Möglichkeit, anstelle des Waldhorns einen Neubau zu erstellen. Freie Hand hat der Gastronom dabei allerdings nicht. Wille und Wunsch des Kirchheimer Gestaltungsbeirats ist es, zumindest die äußere Hülle des Waldhorn-Nachfolgers so zu gestalten, dass der Charakter des Marktplatzes an dieser Stelle erhalten bleibt.

Er solle einen „historisierenden Neubau“ planen, der sich stimmig in das Stadtbild einfüge, so lautet die Hausaufgabe, die Ruthenberg mit auf den Weg gegeben worden ist. Besonderen Wert legte der Beirat, in dem neben Stadträten und Vertretern der Bürgerschaft auch Fachleute aus den Bereichen Freiraumplanung, Architektur und Städtebau vertreten sind, nicht nur auf die Erhaltung der Fassade, sondern auch auf die Beibehaltung der Quadratur des Gebäudes.

Das neue Waldhorn soll wie das alte Waldhorn aussehen

Vor allem kommt es den Kirchheimern dabei auf den Wiedererkennungswert an. „Ein Neubau muss die Wertigkeit, die dem Waldhorn im Herzen der Stadt und der Bürgerschaft zukommt, aufnehmen“, schreibt die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker dem Investor ins emotionale Pflichtenheft. Architektonisch übersetzt heißt das: Am Marktplatz  8 soll ein neues Haus entstehen, das sich in Form und Gestalt eng an den Vorgängerbau anlehnt. Darauf verständigte sich der Gestaltungsbeirat in der Würdigung des „stimmigen Ensembles von eigenem städtebaulichen Wert“.

Dass der formale Spagat zwischen dem umgebenden Bestand und einem geplanten Neubau gelingen kann, steht für die Vorsitzende des Gestaltungsbeirats, Sophie Wolfram, außer Frage. „Gerade der Holzbau besetzt derzeit die Spitzenposition bei den architektonischen Innovationen“, sagte die Fachfrau, die an der Technischen Universität München Städtebau und Regionalplanung lehrt.

Bei Robert Ruthenberg scheint der Gestaltungsbeirat mit seinen Wünschen offene Tore einzurennen. „Ich hatte nie vor, einen dreistöckigen Glaspalast auf den Marktplatz zu stellen. Ich habe das Fachwerkhaus ja gekauft, weil ich Fachwerk toll finde und dachte, ich könnte es so erhalten“, sagte Ruthenberg. Allerdings habe sich herausgestellt, dass von der ursprünglichen Bausubstanz nur noch wenig erhalten sei, nachdem das Gebäude in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts offensichtlich schon einmal auf neue Beine gestellt worden war, sagt Ruthenberg unter Berufung auf eine Reihe von Statikern, die in seinem Auftrag das Gebäude in der Vergangenheit schon mehrfach in Augenschein genommen hatten.

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