Die Martinskirche soll dauerhaft Bleibe für die Jugendkirche werden. Foto: Eva Funke

Der evangelische Kirchenkreisausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung die Sanierung und den Umbau der Martinskirche befürwortet. In dem Gotteshaus soll die Jugendkirche dauerhaft einen Standort haben. Die Kosten liegen bei rund 5,7 Millionen Euro, sollen aber noch runter gerechnet werden

S-Nord - Die evangelische Jugendkirche gibt es bereits seit 15 Jahren. Seither hat sie ihren Standort in der Martinskirche an der Eckartstraße. Weil die Kirche marode ist und dringend saniert werden muss, gibt es derzeit dort derzeit nur noch eine Veranstaltung: das gemeinsame interkulturelle kochen auch mit jungen Flüchtlingen. „Eine eigene Gemeinde ist die Jugendkirche nicht. Geboten wird ein Programm von Jugendlichen für Jugendliche im Alter von 13 bis 27 Jahren“, sagt Jugendpfarrer Matthias Rumm.

Die Kosten für die geplante Sanierung und den Umbau sind enorm: Insgesamt sollen sie sich auf 5, 7 Millionen Euro belaufen. Am kostspieligsten ist die Instandsetzung der Fassade, der tragenden Elemente und des Dachs mit rund 4,5 Millionen Euro. Diese Kosten trägt der Eigentümer der Kirche, die Kirchengemeinde Stuttgart. Ausstattung und Mobiliar sind mit rund 900 000 Euro veranschlagt, die Installation der Medientechnik bislang mit rund 300 000 Euro. Diese beiden Posten sollen vom Nutzer der Kirche getragen werden. Belegt wird die Martinskirche aktuell von der Kirchengemeinde Nord zu 18 Prozent sowie von der Jugendkirche Stuttgart und dem Jesustreff zu jeweils 41 Prozent. Die Aufteilung der Kosten beträgt danach jeweils 492 000 Euro für Jugendkirche und Jesustreff sowie 216 000 Euro für die Nordgemeinde.

Die Jugendkirche ist eine Gemeinde auf Zeit

Ernst-Martin Lieb, Mitglied des Kirchenkreisausschusses, gab in der Sitzung des Gremiums zu bedenken, dass die Kirche auf finanziell schwierige Zeiten zusteuert und er die Jugendarbeit in den einzelnen Gemeinden nicht als Problem sieht. Dahinter steht die Frage, ob eine Jugendkirche überhaupt notwendig ist. Stadtdekan Søren Schwesig stellte fest, dass die Jugend heute mobil ist und es neben der Jugendarbeit in den Gemeinden einen zentralen Treffpunkt für sie braucht. Schwesig: „Wir müssen einen Ort haben, wo wir die Jugendlichen erreichen.“ Jugendpfarrer Romm sieht in der Jugendkirche nicht ein festes Gefüge, sondern eine Gemeinde auf Zeit. „Manche kommen, wenn es um ganz bestimmte Themen geht, und bleiben dann irgendwann auch wieder weg. Die Älteren verlassen die Jugendkirche auch und Junge kommen nach.“ Viele seien trotzdem in ihre Gemeinden eingebunden, andere interessierten sich gar nicht für ihre Kirchengemeinden.

Die Überlegungen, wie die Jugendkirche ihren Anteil finanzieren kann, gehen dahin, dass rund 100 000 Euro aus Restmitteln der Landeskirche gestemmt werden. Der weitaus größere Summe soll durch die Gesamtkirchengemeinde vorfinanziert werden, die Rückzahlung in Raten über 25 Jahre laufen. Einsparmöglichkeiten werden derzeit noch geprüft.

Eine Finanzierung über eine Laufzeit von 25 Jahren sei für ihn nicht machbar, stellt Martin Dellit fest. Der Vorsitzender des Gremiums befürwortete den Vorschlag von Kerstin Vogel-Hinrichs. Die Degerlocher Dekanin will als Sponsoren „für das tolle Projekt“ auch Firmen gewinnen. Lieb will aus den Kosten solche Posten rausgenommen wissen, die man aktuell nicht braucht. „Das wäre eventuell rausgeschmissenes Geld, weil sich die Dinge ändern“, sagte er. Schwesig stellte klar, dass die zum Beispiel die Kosten für die Medientechnik nur eine Anhaltspunkt darstellen.

Die Diskussion endete mit dem Beschlussantrag, dass der Kirchenkreisausschuss die Sanierung der Martinskirche befürwortet, die Jugendkirche dort dauerhaft beheimatet werden und sie an den Kosten für Ausstattung, Medientechnik und Mobiliar entsprechend der prozentualen Nutzung beteiligt werden soll. Eine exakte Kostenberechnung soll sie erneut in das Gremium eingebracht und dann die genaue Höhe der finanziellen Beteiligung beschlossen werden.

Mit der Sanierung und dem Umbau der Martinskirche soll begonnen werden, sobald die Beschlüsse gefasst. Die Fertigstellung ist für 2021 geplant.

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