Der Sindelfinger Kirchentag wird ökumenisch gefeiert. Foto: Symbolbild/dpa

Beim lokalen Kirchentag wird das Christentum drei Tage lang in der Stadt unübersehbar sein. Der Kirchentag soll ein Zeichen des Wandels setzen.

Böblingen - „Oh, mein Gott! Das „Mein“ haben sie weggelassen, die Organisatoren des Sindelfinger Kirchentags (Kreis Böblingen), wie auch das H. „O Gott“ lautet so das Schlagwort des christlichen Wochenendes – und es soll tatsächlich „eine Gebetsform, aber auch ein erschrockener Ausdruck sein“, wie der Pfarrer Martin Frank sagt.

Der Kirchentag soll ein Zeichen des Wandels setzen, des Wandels in Vergangenheit, Gegenwart und in der Zukunft, denn die Kirche „wird sich weiter wandeln müssen“, betont Frank. Der Kirchentag wird außerdem – selbstverständlich im Jahr 2017 – die Reformation zum Schwerpunkt haben. „Heute feiern wir ökumenisch“, sagt die Pfarrerin Kathrin Lichtenberger. „Vor 500 Jahren hätten sich die Leute die Köpfe eingeschlagen.“ Auch Sindelfingens methodistische und baptistische Gemeinde beteiligt sich.

Gesamtetat von 25.000 Euro

Für die Sindelfinger, gleich ob gläubig oder atheistisch, wird der Kirchentag am Wochenende vom 29. September bis 1. Oktober vor allem eines sein: unübersehbar. Mehr als 30 Punkte stehen im Programm. Die tatsächliche Zahl der Veranstaltungen ist noch deutlich höher, denn einige wiederholen sich stündlich oder in einem anderen zeitlichen Rhythmus. Beispielsweise die Lesungen von Bibeltexten zur Reformation in der Friedenskirche.

Ausgesprochen stolz sind die Gemeinden auf ihr Festkonzert am Samstagabend. Es wird in keiner Kirche aufgeführt, sondern in der Stadthalle. Dies schlicht, weil schon die Zahl der Mitwirkenden den Rahmen jeder Kirche in der Stadt gesprengt hätte. Auf dem Programm steht das Credo des polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki. Das monumentale Werk ist in ganz Deutschland bisher erst elfmal aufgeführt worden – eben wegen des enormen Aufwands. „Ich finde es toll, dass wir das hier in Sindelfingen auf die Beine stellen, eigentlich in einer Kleinstadt.“ So sagt es der Kantor Daniel Tepper. Das Konzert ist eine der wenigen Veranstaltungen des Kirchentags, zu denen Eintritt verlangt wird. Den größten Teil bestreiten Ehrenamtliche, weshalb der Gesamtetat sich auf rund 25 000 Euro beschränkt.

Selfies mit Luther

Das Programm „ist bewusst vielfältig angelegt“, sagt Lichtenberger. „Man kann gar nicht alle Veranstaltungen besuchen, aber es soll für jeden etwas dabei sein.“ Zum Teil muss man die Veranstaltungen auch nicht besuchen. Sie kommen den Bürgern gleichsam entgegen. Unter anderem lesen Sindelfinger Bürger auf dem Marktplatz aus Luthers Texten. Und selbstredend sind auch religiöse Diskussionen geplant, wie die über „Das zerschnittene Tischtuch des Abendmahls“ mit dem katholischen Dekanatsreferenten Hans-Joachim Remmert. Deren Ergebnis soll zumindest aus Sicht der Veranstalter ebenfalls ein Wandel sein – hin zu einem gemeinsamem Abendmahl von Katholiken und Protestanten.

Zu den Kirchentagsideen gehören allerdings auch sehr weltliche. Zeichen dafür ist zuoberst eine aus Plastik gefertigte Lutherfigur in Lebensgröße. Neben ihr können Besucher des Kirchentags Selfies schießen. Ursprünglich war sogar daran gedacht, dass der Kopf ausgeschnitten sein und die Besucher ihr Gesicht stattdessen in der Figur ablichten lassen könnten. Dieser Gedanke scheiterte an einem überaus weltlichen Einwand: „Niemand hätte mehr erkannte, dass es Luther ist“, sagt Frank.

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