In der Nacht auf Samstag richteten Unbekannte einen Schaden von mehreren Zehntausend Euro in der Johanneskirche an. Mehr als zwanzig Fenster mit teilweise hochwertigen Glasmalereien wurden beschädigt, Kirchenbänke herausgerissen.
Stuttgart - Die Johanneskirche am Feuersee war in der Nacht auf Samstag Ort eines perfiden Angriffs. Unbekannte sind in den auch als „Klein-Notre-Dame im Stuttgarter Westen“ bezeichneten neugotischen Bau eingestiegen und haben diesen verwüstet.
Mehr als zwanzig Fenster beschädigt
Laut Polizei muss die Tat zwischen Freitagabend 20 Uhr und Samstagvormittag 10.15 Uhr begangen worden sein. Die Eindringlinge schlugen vier Fensterscheiben des eingerüsteten Gotteshauses ein. Im Kircheninneren brachen die Täter Schränke auf, warfen eine Schranktüre von der Empore herunter, sie rissen Kirchenbänke aus der Verankerung und zerstörten die Türe zur Empore. Mehr als zwanzig Fenster mit teilweise hochwertigen Glasmalereien wurden beschädigt, Regale umgeworfen, Bibeln und Notenblätter umhergeschleudert. Zudem versprühten die Unbekannten den Inhalt eines Feuerlöschers in der Kirche. Der Schaden wird derzeit auf mehrere Zehntausend Euro geschätzt. Die Polizei bittet mögliche Zeugen, sich unter 07 11 / 89 90 - 33 00 an das Polizeirevier 3 Gutenbergstraße zu wenden.
Sinnlose Zerstörungswut
Ein derartiger Akt von Zerstörung in einer Kirche ist nicht nur aus Sicht der Polizei ungewöhnlich. Dass etwa Opferstöcke aufgebrochen werden, wie auch in der Johanneskirche erst vor zwei Wochen, ist Pfarrer Christoph Dinkel schon fast gewohnt. Aber „dieses hohe Maß an Hass und Gewalt“ habe ihn aus der Fassung gebracht. In diesem Falle habe jemand eine „unheimliche, sinnlose Wut auf die Religion, auf das Schöne oder auf was auch immer“ ausgelebt und wollte „einfach etwas kaputtmachen“, so Dinkel.
Auch OB Frank Nopper (CDU) äußerte sich entsetzt über den Vorfall: „Das ist ein Akt blinder Zerstörungswut und des Kulturbruchs, ein Akt der Finsternis mitten im Advent, den ich auf das Schärfste verurteile.“ Die Stadt stehe in der schweren Stunde fest an der Seite der Johannes-Kirchengemeinde.
Für diese hat die Attacke erhebliche Folgen. Die Gottesdienste wurden ins Gemeindehaus verlegt. Pfarrer Dinkel geht davon aus, dass diese „im Lauf der Woche“ wieder in der Kirche abgehalten werden können.
Gottesdienste im Gemeindehaus
Die malerisch im Feuersee liegende Kirche wurde von Christian Friedrich von Leins erbaut, dem damals führenden Architekten Württembergs. Nach elfjähriger Bauzeit wurde sie 1876 eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie durch Bombenangriffe schwer beschädigt und wieder aufgebaut.