Berthold Huss, der Dirigent des Stammorchesters (rechts), sorgt mit seinen Musikern für Stimmung. Foto: Bernd Zeyer

Der Musikverein hat zum 50. Mal das Festzelt der Kirbe bewirtschaftet. Nicht nur Einheimische, auch viele Auswärtige ziehen das Festzelt sowie der Vergnügungspark jedes Jahr an.

Feuerbach - Im Jahre 1964 war Ludwig Erhard Bundeskanzler, Trainerlegende Sepp Herberger betreute zum letzten Mal ein Fußballspiel der deutschen Nationalmannschaft und wer einen Fernseher zu Hause stehen hatte, der konnte dort, natürlich in Schwarz-Weiß, Sendungen wie „Bonanza“ oder „Einer wird gewinnen“ sehen. In Feuerbach begann damals eine Erfolgsgeschichte: Der Musikverein baute zum ersten Mal ein Festzelt für die Kirbe auf. Anno 2013 bewirtschaftet der Verein zum 50. Mal ein Zelt, allerdings plagen die Organisatoren einige Zukunftssorgen.

„Lokales Brauchtum zu erhalten ist wichtig“

„Wir sind in Gefahr, von Auflagen und Kosten erstickt zu werden“, sagt Reinhard Löffler, der Vorsitzende des Musikvereins Stadtorchester Feuerbach. Am Samstagnachmittag sind im Zelt noch zahlreiche Plätze frei, die Musikanten haben erst vor wenigen Minuten angefangen zu spielen. „Lokales Brauchtum zu erhalten ist wichtig“, sagt Löffler und geht hart mit der Stadt ins Gericht. Im Stuttgarter Rathaus setze man eher auf Schicki-Micki-Feste wie das Weindorf und das Sommerfest und grabe so den Veranstaltern in den Vororten das Wasser beziehungsweise die Gäste ab. Zudem würden ständig neue Auflagen und Verordnungen die Organisatoren vor zum Teil schikanöse Aufgaben stellen. „Auch die Standgebühren werden immer höher“, kritisiert Löffler und sagt: „Der Amtsschimmel hat eine Fettleber.“

Weniger Besucher als im Vorjahr

Voll des Lobes ist Löffler für die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Ohne die wäre es seiner Ansicht nach niemals gelungen, die Veranstaltung fünf Jahrzehnte lang zu stemmen. Eine der Helferinnen ist Marion Berger. Die junge Frau ist „Teamleiterin Wirtschaftsbetrieb“ und damit für die Organisation von Festen zuständig. Ein Jahr lang, so erzählt sie, habe die Vorbereitung für die Kirbe gedauert. Rund 300 Stunden ehrenamtlicher Arbeit hat Berger dafür investiert. Ob es sich wirklich gelohnt hat, werde sich erst noch zeigen. Am Freitagabend waren rund 400 Besucher zu „Rock the tent“ ins Festzelt gekommen, weniger als in den Vorjahren. Entscheidend für die Abschlussbilanz ist, wie viele Gäste es beim Auftritt des Kabarettisten Christoph Sonntag geben wird. Ein Problem wird dadurch freilich nicht gelöst: Zwar hat der Verein 250 Mitglieder, die ehrenamtliche Arbeit lastet aber auf immer weniger Schultern. „Es wäre schön, wenn jedes Mitglied wenigstens einen Tag helfen würde“, wünscht sich Berger.

Ärger über zu hohe Preise

Neben dem Festzelt hat die Kirbe noch eine Menge anderer Attraktionen zu bieten. Auf dem Vergnügungspark tummeln sich am Samstagmittag vor allem Kinder und Jugendliche. „Wir kommen her, um uns mit Freunden zu treffen und ein paar Runden mit den Boxautos zu drehen“, erzählt Samir. Was dem 16-Jährigen nicht gefällt, das sind die seiner Meinung nach hohen Preise. „Man muss sich vorher genau überlegen, was man alles machen will“, lautet seine Strategie. Schnäppchen gibt es freilich auch: Auf dem Flohmarkt vor dem Bezirksrathaus werden Schallplatten, Bücher und allerlei Krimskrams angeboten. Trotz der ohnehin schon günstigen Preise wird fleißig gefeilscht.

Nicht nur Einheimische zieht es zur Kirbe. Auf den Parkplätzen stehen auch Autos mit auswärtigen Nummern. „Jedes Jahr fahren wir hierher, um Freunde in Feuerbach zu besuchen“, erzählt Hansjörg Wimmer, der aus der Nähe von Schwäbisch Gmünd mit seiner Familie nach Feuerbach gekommen ist. „Hier ist es viel gemütlicher als bei den großen Festen in der Stuttgarter City oder auf dem Wasen“, erläutert er und sagt: „Und das Bier schmeckt genauso gut.“

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