Kinos ziehen mehr Besucher an „Fack Ju Göhte 3“ rettet die Kinobilanz

Von Thomas Wüpper 

Die Komödie „Fack Ju Göhte 3“ war erfolgreicher als viele Hollywood-Produktionen. Foto: Constantin Film Verleih GmbH
Die Komödie „Fack Ju Göhte 3“ war erfolgreicher als viele Hollywood-Produktionen. Foto: Constantin Film Verleih GmbH

„Fack Ju Göhte 3“ war im vergangenen Jahr mit Abstand der erfolgreichste Film in Deutschland. Fast sechs Millionen Zuschauer wollten die Filmkomödie sehen.

Berlin - Zum Start der Berliner Filmfestspiele kommen gute Nachrichten aus der Branche. Nach einem heftigen Rückgang der Ergebnisse haben die 1177 Kinounternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr wieder etwas bessere Zahlen geschafft. 122,3 Millionen Besucher wollten einen Film auf der großen Leinwand sehen, rund 1,2 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Auch der Umsatz kletterte um 33 Millionen Euro auf 1,06 Milliarden Euro.

Die neuen Zahlen der Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin zeigen, dass die Branche das Tief von 2016 überwunden hat, als Besucherzahlen und Umsatz um je rund ein Achtel eingebrochen waren. „Für die Kinowirtschaft war 2017 ein durchwachsenes Jahr mit positivem Ausklang“, bilanziert FFA-Vorstand Peter Dinges. Die Filmförderer, die deutsche Kinoproduktionen jedes Jahr mit Millionenbeträgen unterstützen, sehen vor allem positiv, dass der zuletzt ebenfalls schwächelnde Marktanteil deutscher Filme wieder von 22,7 auf 23,9 Prozent gestiegen ist.

Die Tickets werden immer teurer

Insgesamt wurden 28,3 Millionen Tickets für deutsche Filme gekauft, ein Plus von 600 000. Zu verdanken ist das aber vor allem einem Renner, den auch die FFA förderte. „Fack Ju Göhte 3“ lockte im zweiten Halbjahr insgesamt 5,9 Millionen Menschen ins Kino. Die Schulkomödie schaffte es damit wie die Vorgänger 2013 und 2015 auf den ersten Platz der erfolgreichsten Filme und ließ viel teurer produzierte Hollywood-Blockbuster hinter sich. Das zeige den hohen Stellenwert, den deutsche Filme hierzulande im Kino mittlerweile besitzen, betont Dinges.

Für Kinofans weniger erfreulich ist die Entwicklung der Eintrittspreise, die seit Jahren steil nach oben zeigt. Mit 8,63 Euro verteuerten sich die Tickets im Durchschnitt um weitere 18 Cent. Allein seit 2012 wurde der Kinobesuch damit um fast einen Euro teurer. Die Branche begründet das vor allem mit den höheren Eintrittspreisen für die aufwendigen 3D-Produktionen. Deren Marktanteil schrumpfte aber voriges Jahr deutlich von 25,6 auf 21,5 Prozent; die Besucherzahl ging um fast sechs Millionen auf 25,5 Millionen zurück.

Viele Kinobetreiber bleiben offenbar zuversichtlich, trotz der wachsenden Konkurrenz auch durch Online-Filmanbieter wie Netflix. Allein 2017 gab es bundesweit 107 Neu- oder Wiedereröffnungen von Kinos. Die Zahl der Spielstätten stieg von 1654 auf 1672, die Zahl der Säle von 4739 auf 4803, so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Auch die Zahl der Kinostandorte legte von 892 auf 899 zu. Damit hat sich das große Kinosterben nicht weiter fortgesetzt, die Faszination der großen Leinwand wirkt noch immer. Auch in kleineren Orten und Städten gebe es positive Entwicklungen, so Dinges.

Ein Großteil der Produktionen erreicht nur bescheidene Ergebnisse

Die neue Kinobilanz zeigt indes einmal mehr, dass die Entwicklung von Umsatz- und Besucherzahlen meist von relativ wenigen erfolgreichen Filmen bestimmt wird, während ein Großteil der Produktionen eher bescheidene Ergebnisse erreicht oder wirtschaftlich komplett floppt. 2017 schafften nur 28 Filme mehr als eine Million Besucher, darunter neben „Fack Ju Göhte 3“ vier weitere deutsche Erzeugnisse: „Bullyparade - Der Film“ (1,9 Millionen), „Bibi & Tina - Tohuwabohu total“ (1,7 Millionen), „Ostwind - Aufbruch nach Ora“ (1,1 Millionen) und „Vier gegen die Bank“ (1,1 Millionen).

Die Flut neuer Kinofilme ist 2017 erstmals seit sechs Jahren etwas abgeebbt. Insgesamt liefen 587 Produktionen neu an, 23 weniger als im Jahr davor. Von den 233 (244) erstaufgeführten deutschen Filmen waren 143 Spielfilme, 90 Dokumentarfilme sowie 76 internationale Koproduktionen, die ebenfalls gefördert werden, wenn der nationale Anteil die Bedingungen der FFA, des Deutschen Filmfonds oder der Anstalten der Bundesländer erfüllt.

Mit Optimismus blickt FFA-Vorstand Dinges auf das laufende Kinojahr und die Berlinale, die das Geschäft mit ihren preisgekrönten Produktionen in den Wettbewerben kräftig ankurbeln soll. Neue Erzeugnisse von Erfolgsgaranten wie Til Schweiger („Klassentreffen 1.0“), Matthias Schweighöfer („100 Dinge“) und Michael Bully Herbig („Ballon“) sollen auch den deutschen Film weiter glänzen lassen und die Förderpolitik der FFA bestätigen, die 2018 das 50-jährige Bestehen feiert.

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