Der kernige Jim (James Purefoy, 2. v. re.) mit seinen knorrigen Jungs Foto: Splendid

Ein paar raue Typen aus dem englischen Norden machen Musik für sich und die Nachbarn. Dann werden sie von einem Plattenlabel entdeckt. Eben ist der Weg zum Erfolg aber nicht.

Stuttgart - Ende der 90er Jahre avancierten im britischen Cornwall einige alte Männer zur lokalen Attraktion: An Freitagen trällerten sie Seemannslieder, um die Einheimischen auf das Wochenend-Pint einzustimmen. Eines Tages kam ein Produzent des Labels Universal, und im April 2010 standen die realen Fisherman’s Friends in den Top Ten der UK-Albumcharts. Der Regisseur Chris Foggin bringt die Geschichte nun ins Kino und richtet sein Hauptaugenmerk auf den vermeintlich ulkigen kulturellen Unterschied zwischen Metropole und Hinterland.

Um seinen Angestellten Danny (Daniel Mays) zu veralbern, trägt ihm sein Chef auf, die Seebären für sein Label zu gewinnen. Aus heutiger Sicht, da auch Bands wie Santiano aus Schleswig-Holstein eine Menge Geld einspielen, wirkt dieser Streich freilich gar nicht mehr so lächerlich. Die alten Männer zeigen allerdings null Interesse. Städter wie Danny sind in ihren Augen „Emmets“, also Ameisen. „Sie kommen in Scharen, ärgern uns, und man wird sie nur schwer los“, lästert der mürrische Jim (James Purefoy) am Stammtisch. Doch Danny bleibt im Dorf und leistet Überzeugungsarbeit. Auch bei Jims Tochter Alwyn (Tuppence Middleton).

Typen, die den Brexit wollten

Laune macht zuvörderst die Schnoddrigkeit der rüstigen Fischer, mit der sie der hippen TV- und Musikbranche begegnen. Doch so herrlich die Küstenlandschaften, so kraftvoll und authentisch die Shantys auch sein mögen, so affektiert und plakativ kommt „Fisherman’s Friends“ leider als Ganzes daher. Die Typen aus der Stadt sind schmierig-geldgeile Schweine, die den saufenden Provinzlern die Pubs wegkaufen wollen; die Dörfler hingegen kennen noch echte Kameradschaft, haben Witz und Charme – und sind halt zu großen Teilen auch die, die unter anderem wegen solcher Klischees ihrem Land den Brexit eingebrockt haben. Doch keine Sorge: Das B-Wort erwähnt solch ein Harmoniefilm nicht.

Fisherman’s Friends. Großbritannien 2019. Regie: Chris Foggin. Mit James Purefoy, Daniel Mays, David Hayman. 112 Minuten. Ohne Alters­beschränkung.

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