Maggie Smith, Joan Plowright, Eileen Atkins und Judi Dench (von links) im Dokumentarfilm „Tea with the Dames“ Foto: Verleih

Der Dokumentarfilm beobachtet ein Teekränzchen von vier großen britischen Schauspielerinnen, die sich über Gott und die Welt und Ehemänner unterhalten.

Stuttgart - Seit mehr als 50 Jahren treffen sich die britischen Schauspielerinnen Eileen Atkins, Judi Dench, Joan Plowright und Maggie Smith zum Tee. Dieses Mal waren Kameras dabei. Wenn die vier Freundinnen pointiert über Gott und die Welt plaudern, sitzen 250 Jahre Berufserfahrung und unzählige Auszeichnungen mit am Tisch. Inzwischen sind sie alle über 80 und zur Dame ­geadelt. In die erste Reihe britischer Schauspielkunst haben sie sich nicht über ihr Aussehen, sondern mit Talent und Plackerei vorgearbeitet. Vielleicht haben sie auch deshalb weder die Bodenhaftung noch ihr Lampenfieber verloren. Plowright zittere bis heute vor jedem Auftritt im Inneren, gibt sich wie die übrigen drei aber tiefenentspannt. Das Fluchen haben alle vier auch als Dame nicht verlernt.

Der Regisseur Roger Michell („Notting Hill“, „Meine Cousine Rachel“) dient als Stichwortgeber. Mit Nachfragen aus dem Off versucht er, das Gespräch zu lenken. Die geistreiche Konversation entwickelt jedoch umgehend eine Eigendynamik. Die vier Damen sprechen über Beruf und Privates, über das Altern und darüber, was sie ihrem jüngeren Ich aus heutiger Sicht mit auf den Weg gäben. Tolle Archiv- und seltene Privataufnahmen ordnen die Erinnerungen über ihre bescheidenen Anfänge und späten Erfolge in einen Kontext ein.

Für Judi Dench kamen die großen Filmangebote nach ihrer Oscar-prämierten Rolle als Königin Victoria in „Mrs. Brown“ (1997). Seither klingele das Telefon zuerst bei ihr, wenn Hollywood eine Rolle mit einer alten Engländerin besetzen müsse, scherzen die anderen. Wie Dench als Geheimdienstchefin M in den „James Bond“-Filmen wurde auch Maggie Smith durch die „Harry Potter“-Filme (2001–2011) und die ­Fernsehserie „Down­ton Abbey“ (2010–2015) erst im hohen Alter einem breiteren Publikum bekannt. Dass sie „Downton Abbey“ bis heute nicht gesehen habe, gibt Smith unumwunden zu. Dafür fehle ihr schlicht die Zeit.

Es ist eine ausgelassene Atmosphäre, die diesen filmischen Nachmittag ­bestimmt. Er beginnt im Garten von Plowrights kleinem Landhaus und endet drinnen. Der Regen kann den vieren die Stimmung nicht vermiesen. Selbst über heikle Themen, etwa die Beziehungen zu ihren mitunter schwierigen Ehemännern, sprechen sie nicht nur mit einem weinenden, sondern stets auch mit einem lachenden Auge. Der berühmteste davon ist Laurence Olivier, mit dem Plowright von 1961 bis zu seinem Tod 1989 verheiratet war und mit dem auch Smith und Dench gemeinsam auf der Bühne standen. An Selbstbewusstsein mangelt es den Damen zumindest nicht, wenn sie sich an Abende erinnern, an denen sie Olivier an die Wand spielten. In diesen Momenten ist dieser Dokumentarfilm neben einem komprimierten Ausschnitt der Theater- und Filmhistorie auch eine kleine Emanzipationsgeschichte.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: