Udo Kier, Matt Damon und Christoph Waltz (v. li.) als Geschrumpfte in „Downsizing“ Foto: Verleih

Alexander Paynes Utopie von einer Welt, in der Menschen geschrumpft werden könne, um Ressourcen zu sparen, beginnt stark. Doch der Film mit Matt Damon, Christopher Waltz und Udo Kier verliert den Fokus.

Stuttgart - Alexander Payne hat ein großes Herz und viel Humor, das hat er mit der Rentner-Tragikomödie „About Schmidt“ (2002) gezeigt, mit einer grandiosen Irrfahrt zweier Freunde („Sideways“, 2004) sowie dem hawaiianischen Familien- und Immobiliendrama „The ­Descendants“ (2011). Nun widmet sich der ­Arthaus-Filmer erstmals einer Utopie: Einem norwegischen Forscher ­gelingt es, Menschen auf rund 13 Zentimeter zu schrumpfen. Weil die Miniaturen viel weniger brauchen, kann sorglos leben, wer sich auf die Prozedur einlässt – und mit gutem Gewissen, denn Geschrumpfte verschmutzen die Erde viel weniger.

Die Prämisse ist vielversprechend wie der erste Teil des Films, in dem der Physiotherapeut Paul (Matt Damon) und seine Frau beschließen, in die Miniaturstadt Leisureland zu ziehen, die eine Kuppel vor Wetter und Insekten schützt. Payne hat die Schrumpfung im Labor famos inszeniert, alles Metall muss aus dem Körper, darum gibt es Batterien von Zahnärzten, erst normalgroße, die Inlays herausbohren, dann kleine, die sie wieder einsetzen. Paul indes kommt ohne Frau in Liliput an und ist auf sich selbst zurückgeworfen in der bunten Retortenwelt. Deren Kehrseite zeigt ihm eine resolute vietnamesische Menschenrechtlerin: Auch in Leisureland gibt es eine mittellose Unterschicht.

Der Film ist zu lang für die schmale Handlung

Nun verliert der Regisseur den Fokus, den seine Hauptfigur von Anfang an nicht hat: Damon müht sich mit dem wurstigen Paul ab, der eher ein Langweiler ist und durch die Entdeckung des Altruismus nicht viel interessanter wird. Ein wenig Ablenkung verschaffen der exzentrische Nachbar Dusan, aus dem ein gut aufgelegter Christoph Waltz einen köstlichen Gauner macht, und ein Kapitän im Hosentaschenformat, gravitätisch karikiert von Udo Kier. Retten können diese beiden den Film nicht, der im Wes-Anderson-Fahrwasser nach Norwegen abtreibt. Dort steht der Schrumpfungspionier einer Art Weltuntergangssekte vor, die offenbar keine Schutzkuppel braucht. Die Vietnamesin gerät Payne allzu zwiespältig, der Film deutlich zu lang für die letztlich schmale Handlung.

Die wirklich interessanten Fragen jenseits der Schrumpfungspropaganda tippt er nur in TV-Nachrichten an: Die Kleinen sind völlig abhängig von den Großen, die Gefahren des Missbrauchs der Technik – geschrumpfte Terroristen etwa überwinden Grenzen kinderleicht – immens. Das hätte spannend werden können.

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