Ronald Zehrfeld, Axel Prahl und August Zirner (v. li.) in „Das Ende der Wahrheit“ Foto: Verleih

Der Geheimdienst-Thriller zeigt erstmals die Schattenseite des BND im Kino

Stuttgart - Schick poliertes Kino kommt oft aus den USA. Aber auch den politischen, aktuell relevanten Film beherrschen US-Filmemacher, man muss sich nur Produktionen wie Oliver Stones „Snowden“ oder Bill Condons „Inside ­Wikileaks­“ ins Gedächtnis rufen. Dass nun der Filmemacher Philipp Leinemann mit seinem Geheimdienst-Thriller „Das Ende der Wahrheit“ die dunkle Seite des BND ausleuchtet, ist eine nicht unwesentliche Wegmarke fürs deutsche Kino, das sich immer noch zu selten drängenden Gegenwartsproblemen annimmt.

Martin Behrens (Ronald Zehrfeld) arbeitet als Experte für Zentralasien beim BND. Als er den Aufenthaltsort eines Milizenführers in Zahiristan ermittelt, gibt er die Daten an die CIA weiter, die den Mann via Drohne von einer deutschen Airbase aus tötet. Kurze Zeit später explodiert in einem Münchner Café eine Bombe, unter den Opfern ist Behrens’ heimliche Geliebte Aurice (Antje Traue), die als Journalistin über Verstrickungen des BND mit der Waffenlobby recherchiert hatte. Behrens greift ihre Erkenntnisse auf und sticht in ein Wespennest in den eigenen Reihen.

Gezielte Verfremdungen irritieren

Leinemann beleuchtet viele interessante Aspekte: die fragwürdigen Methoden, mit denen der BND Informationen generiert, sowie die Einflussnahme von Politik und Lobbyvertretern auf die Geheimdienste. Im Kern wirkt der Fall realistisch und übertrifft in seiner Anlage das Gros deutscher Filmproduktionen. Doch auch wenn es sich nicht um ein dokumentarisches Werk handelt, irritieren gezielte Verfremdungen – etwa die Fiktionalisierung Syriens zur Region Zahiristan. So nimmt der sonst um Authentizität ­bemühte­ Regisseur seiner Darstellung den Stachel.

Während Spielfilme wie „Snowden“ oder „Inside Wikileaks“ den realen Stand der Dinge aus einer subjektiven Perspektive darstellen, distanziert sich Philipp Leinemann von der Realität, die er eigentlich auf die Leinwand bringen wollte. So interessant sein Film ist, so unentschlossen bleibt seine Agenda.

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