Ist der menschliche Ausverkauf zu stoppen? Johannes Kienast (links) in der Titelrolle, Christian Grasshoff als Heiner in „Axel, der Held“ Foto: © ostlicht film / Georges Pauly

In einem eigenwilligen Genremix aus Western und Märchen erzählt dieses deutsche Filmdrama von zeitgenössischen Formen der Ausbeutung und dem Widerstand dagegen.

Stuttgart - Axel (Johannes Kienast) ist ein Träumer, ein Angsthase und Einzelgänger, der sich bei Problemen wegduckt. Wenn er nicht gerade für seinen fiesen Boss Manne (Sascha Alexander Gersak) auf dessen Anwesen arbeitet, verschanzt er sich in der Datsche seiner Tante (Imogen Kogge) und bastelt an einer Miniaturwelt aus Papier und Pappe. Die ist ein genaues Abbild der Wirklichkeit: das Dorf Krönchen nahe Hofstadt, wo Manne eine Hühnerfarm betreibt und ein Casino, in dem alle Farmarbeiter ihr bei Manne verdientes Geld wieder verlieren. Auf dem Gelände der Farm lebt noch der alte Heiner (Christian Grashof), der sich für Winnetou hält und Mannes Hühner retten will. Am liebsten aber träumt Axel von seiner Sandkastenfreundin Jenny (Emilia Schüle), die wie Axel Schulden bei Manne hat und ihm nun zum Ausgleich ein Kind schenken soll.

Der an der Ludwigsburger Filmakademie ausgebildete Hendrik Hölzemann ist mit seiner Abschlussarbeit „Kammerflimmern“ (2004) mit Matthias Schweighöfer und Jessica Schwarz in den Hauptrollen bekannt geworden, in den vergangenen Jahren hat er vor allem als Drehbuchautor gearbeitet, bei Sven Thaddickens „Gleißendes Glück“ etwa und beim „Tatort“. Bei „Axel, der Held“ nun ist Hölzemann Regisseur und Drehbuchautor in einem.

Interessant ist sein eigenwilliger Genre-Mix: Die Geschichte beginnt wie im Märchen mit „Es war einmal“ und zeichnet bewusst holzschnittartig Axels Alltag zwischen fremdbestimmter Arbeit und von der Tante überwachter Freizeit, mit Jenny und Manne als typischem, leicht modernisiertem Märchenpersonal. Jenny fällt der Part der Prinzessin zu, Manne gibt den Schurken, der seine gemeinen Gehilfen Börde (Oliver Bröcker) und Eule (Adrian Zwicker) auf die Untertanen hetzt. Mit Hilfe des verwirrten Indianer-Imitators Heiner kreuzt Hölzemann das Märchen mit dem Western und setzt noch einige kapitalismuskritische Akzente.

Die Ästhetik des Films ist eine Spur poppiger und moderner als der Durchschnitt deutscher Kinoproduktionen. Der Plot ist dafür märchentypisch vorhersehbar und entwickelt sich arg langsam: Ob Axel es wohl schaffen wird, sich gegen Manne zu behaupten und Jenny zurückzugewinnen?

Axel, der Held. Deutschland 2018. Regie: Hendrik Hölzemann. Mit Johannes Kienast, Emilia Schüle, Christian Grashof. 90 Minuten. Ab 12 Jahren. EM

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