Ein sympathischer Gauner setzt sich für ein afghanisches Mädchen ein: Bill Murray in „Rock The Kasbah“ Foto: Splendid/Tobis

Ein abgehalfterter amerikanischer Musikmanager möchte in Kabul einem afghanischen Mädchen helfen, in die TV-Castingshow zu kommen. Barry Levinson inszeniert seine Geschichte als orientalisches Märchen im realen Dauerkriegsgebiet Afghanistan.

Kabul - Wenig Worte brauchte Bill Murray in Filmen wie „Lost In Translation“ (2003) und „Broken Flowers“ (2005), er kann eigenwillige Charaktere allein aus Blicken und Gesten formen. Aber auch sehr beredt sein, wie er in „Die Geister, die ich rief“ (1988) und „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993) gezeigt hat.

Eine wahre Quasselstrippe ist er als abgehalfterter Musikmanager Richie in Barry Levinsons jüngster Satire: Er becirct und umgarnt, weckt Sehnsüchte und Träume, könnte Kühlschränke, Omas und Seelen ­verkaufen. Wer das Musikgeschäft ein wenig von innen kennt, weiß, dass solche ­windigen Manager-Typen es immer mit befeuert haben – Malcolm McLaren etwa, der die Sex Pistols erst groß machte und sie dann selbst als „Great Rock’n’Roll Swindle“ entlarvte.

Natürlich kann so einer auch seiner ängstlichen Praktikantin (Zooey Deschanel), die so gerne ein Popstar wäre, eine Afghanistan-Tour durch US-Stützpunkte schmackhaft machen. In Kabul allerdings türmt sie schnell wieder, während Richie ohne Pass festsitzt, Waffenhändler und Söldner kennenlernt und die Prostituierte Merci. Kate Hudson gibt sie als betörende Königin der Nacht, die zu Richies Verbündeter wird – Huren unter sich. Denn unverhofft spürt er eine moralische Pflicht, als er in einem Dorf ein Mädchen mit einer wunderbaren Stimme entdeckt, das nur heimlich singen darf und davon träumt, in Kabul in einer populären TV-Castingshow aufzutreten.

Die Satire ist nicht eindeutig und deshalb verfänglich

Dieser letzte Aspekt basiert lose auf tatsächlichen Begebenheiten – ein Mädchen namens Setara Hussainzada trat bei „Afghan Star“ auf, zeigte zu viel Haar und bekam Todesdrohungen. Filmisch umgesetzt hat Levinson („Diner“, 1982, „Rain Man“, 1988) die Geschichte als orientalisches Märchen, das in leichtem ­Komödienton Schlaglichter wirft auf die desolate Situation im realen Dauerkriegsgebiet Afghanistan.

Ernst gemeint und doch auch wieder nicht – Levinson und Murray wandeln auf schmalem Grat. Und es lässt sich kaum entschlüsseln, was sie wirklich sagen wollten mit diesem Film, allenfalls vermuten. Dass nichts stimmen wird, stellen sie jedenfalls früh klar, als Richie von seiner Tochter lernt, dass es Kasbahs, arabische Festungen, nur in Nordafrika gibt.

Der Streifen lässt sich lesen als wüste ­Ansammlung hanebüchener Stereotypen mit dekadenten Westlern und bärtigen Kaftanträgern, die leicht beleidigt sind. Aber auch als absurde Satire, die Monty Python und Konsorten im Hinterkopf trägt, aber nicht eindeutig ist und deshalb verfänglich.

Selten hinterließ ein Film zwiespältigere Gefühle

Überlebensgroße Karikaturen amerikanischer Hasardeure und Kriegsgewinnler aller Art werden hier vorgeführt, die in Afghanistan einen schönen Reibach machen, Bruce Willis etwa als skrupelloser Söldner. Zudem werden Parallelen in Sachen Basarmentalität sichtbar, Richie feilscht und dealt wie die orientalischen Händler.

Charme hat auch dieser Gedanke: Wer den aggressiven Islam einhegen möchte, muss dafür die unter ihm lebenden und nicht selten leidenden Frauen gewinnen. Allerdings dürfte das kaum mit einer Castingshow zu schaffen sein, deren Teilnehmer üblicherweise schnell wieder in der Versenkung verschwinden, und schon gar nicht mit Songs von Cat Stevens, auch wenn dieser 1977 zum Islam konvertierte. Die Stimme des Mädchens berührt dennoch, zum Vorbild taugt sie allemal. Selten hinterließ ein Film zwiespältigere Gefühle.

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