Frau Benz mit ihren Söhnen Visa und Master. Foto:  

In Thailand heißen Kinder wie Automarken, Softwarekonzerne oder Kreditkarten. Das kann manchmal zu Problemen führen.

Bangkok - Emma, Hanna und Mia, Ben, Jonas und Leon – das waren 2017 die beliebtesten Namen für Neugeborene in Deutschland. Wer sich an dieser Liste orientiert, macht im Prinzip nichts falsch. Allerdings sind solche Allerweltsnamen so unauffällig, dass man sie ganz schnell wieder vergisst. Ganz anders in Thailand. Da lassen Eltern bei der Namenswahl für den Nachwuchs ihrer Kreativität freien Lauf – ganz besonders bei den Spitznamen. Die sind besonders wichtig, weil in den Pässen vieler Thailänder extrem lange Namen stehen. Kürzlich bekam dort sogar ein Fluggast Ärger, weil sein Name nicht auf das Ticket passte. Spitznamen sind dagegen meist kurz und knackig. So wird die heute 36-jährige Watcharabhorn Sanguansil von ihren Eltern Fiat gerufen – auch wenn die Familie nie ein italienisches Auto besaß. Andere nennen ihre Kinder Google, Amazon oder Apple.

Wer seinem Kind von Anfang an ein solides Premium-Image mitgeben will, greift zu deutschen Automarken wie Volkswagen oder Porsche. Wohlhabende nennen ihre Kinder gerne Benz – unabhängig vom Geschlecht. Auch Prathana Witthayanuluck heißt so. Bei ihren eigenen Kindern hat sie sich jedoch für eine andere Branche entschieden – angesichts der Dieselaffäre und der unklaren Zukunftsperspektiven der Autoindustrie sicher keine schlechte Wahl. Nun heißen die Söhne von Frau Benz Visa und Master. Man kann sich vorstellen, wie die beiden von den älteren Schülern auf dem Pausenhof mit Kreditanfragen überhäuft werden: „Gib mir sofort Dein ganzes Taschengeld. Du kriegst es nächstes Jahr zurück. Vielleicht“.

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