Stéphanie Noupoué mit ihren Büchern Foto: /Barbara Scherer

Weil ihre Kinder in der Bibliothek nur Bücher fanden, die auf europäische Kinder zugeschnitten sind, hat die Plochingerin Stéphanie Noupoué selbst Kinderbücher verfasst. Sie haben dunkelhäutige Protagonisten und behandeln kulturelle Merkmale ihres Herkunftslandes Kamerun.

Stéphanie Noupoué ist Frühaufsteherin. Meist ist die 35-jährige Ingenieurin aus Plochingen schon um 5 Uhr auf den Beinen. Wenn Ehemann und Kinder noch schlafen, nutzt sie die Zeit für Sport und vor allem für das Schreiben. Ihr großer Traum ist, irgendwann mal nur noch zu schreiben. „Ich bin ein wenig besessen“, bekennt sie. Ihrer anderen Tätigkeit geht die Spezialistin für Verfahrenstechnik in einem Industrieunternehmen in Stuttgart nach.

 

Stéphanie Noupoué breitet ihre Werke aus: Kinderbücher mit Illustrationen, Malbücher und ein Roman. Allen gemeinsam ist, dass sie sich mit dem Thema Identität beschäftigen. Seit 2009 lebt Noupoué in Deutschland. Sie kam zum Studium aus Kamerun nach Stuttgart und blieb. Hier traf sie ihren heutigen Ehemann, der ebenfalls aus Kamerun stammt. Die beiden haben vier Kinder zwischen drei und zwölf Jahren. „Meine Kinder lesen viel, darauf legen wir Wert“, sagt sie. „Wir gehen oft in die Bibliothek und leihen Kinderbücher aus. Dabei fiel uns auf, dass alle Kinderbücher auf europäische Kinder zugeschnitten sind.“ Es kämen keine Kinder mit dunklerer Haut vor, und wenn, dann trügen sie keine Schuhe, sagt Noupoué ein wenig amüsiert. Da es ihr wichtig war, dass auch ihre und andere Kinder, die afrikanische Wurzeln haben, sich in den Büchern wiederfinden und einen Bezug zur Heimat ihrer Eltern herstellen können, begann sie, selbst Kinderbücher zu entwerfen.

Im Selbstverlag veröffentlicht

Das erste wurde 2020 während Corona fertig. Es heißt „Eine Maske für den Weihnachtsmann“. Darin geht es um ein dunkelhäutiges Mädchen, das sich Sorgen macht um Weihnachten. „Was, wenn der Weihnachtsmann Corona bekommt?“ Die Lösung wird im Buch aufgezeigt und Noupoué ließ dabei Pädagogisches einfließen: Der Weihnachtsmann, ebenfalls dunkelhäutig, trägt Maske, muss die Hände waschen und sie desinfizieren, und er muss Abstand halten. Auf eigene Kosten hat sie noch einen Illustrator gesucht und das Werk im Selbstverlag veröffentlicht. Verkauft hat sie die Bücher über einen großen Versandhändler.

Das zweite Buch erzählt die Geschichte der Schwestern Ewane und Muna. Beide tragen kamerunische Namen. Auch hier gibt es einen pädagogischen Anspruch: Die Themen sind Fairness und Respekt im Umgang miteinander. Das dritte Buch ist ein 170 Seiten langer Roman mit dem Titel „Mefu“ – das Wort bedeutet Prinzessin in Feefee, einer der kamerunischen Landessprachen. Darin geht es um die Identität junger Mädchen, die von künstlichen und unrealistischen Vorbildern geprägt sind. Als deutsches Beispiel nennt Noupoué die Heidi-Klum-Show Germany’s Next Topmodel. „Jedes junge Mädchen ist auf seine Weise eine Prinzessin, beziehungsweise etwas ganz Besonderes, egal ob es nun gängigen Schönheitsidealen entspricht oder nicht. Das will ich vermitteln“, betont sie.

Um das Buch fertigzustellen, hat sie rund ein halbes Jahr gebraucht. Es ist in französisch, der kamerunischen Amtssprache, geschrieben. Eine Übersetzung ist derzeit geplant. Einige ihrer Ideen kommen direkt von ihren Töchtern, wie die Weihnachtsmann-Story. Auch ihre Tochter war besorgt, ob Weihnachten überhaupt stattfinden kann. In ihrem Portfolio gibt es auch Malbücher. Kinder können Lebensmittel ausmalen, aber nicht nur Käse oder Erdbeeren, sondern auch landestypisches Essen aus Kamerun wie Maniok oder Zuckerrohr. „Das essen wir auch zuhause“ , erklärt sie. Zu jeder Zeichnung gibt es die Namen des abgebildeten Gemüses oder Obsts in Deutsch, Englisch und Französisch. Kochen und Essen sind die Themen für ihr nächstes Buch, das sie mit ihrer zwölfjährigen Tochter Brunie, die auch die Idee dazu hatte, schreiben will.

Sie plant ein weiteres Buch über afrikanische Vorbilder

Ein weiteres Projekt hat sie schon im Kopf: „Kinder brauchen Vorbilder.“ So will sie sich in einem Buch afrikanischen Männern und Frauen widmen, die etwas Besonderes geleistet haben. Der kamerunische Boxer Francis Ngannou schwebt ihr vor, ebenso wie der Jazzmusiker Manu Dibango, der ebenso aus Kamerun stammt und Weltruf genoss. Der kamerunische Fußballer Roger Milla gehört in diese Reihe und andere mehr.

Geschichten schreibt Noupoué oft parallel. Es gibt Storys auf dem Papier, da fehlt nur noch ein Schluss, oder sie ruhen, weil noch eine zündende Idee fehlt. „So habe ich viele Buchideen, die ich später realisieren will. Ich habe auch welche, die fertig sind, aber nicht als Buch veröffentlicht sind, und auch andere, die nicht bis zum Ende geschrieben wurden“, beschreibt Noupoué ihre Arbeitsweise.

Sie hofft, mit ihren Geschichten auch bei erwachsenen Menschen hierzulande ein differenziertes Afrikabild zu erzeugen. Ihrer Erfahrung nach sei vieles stereotyp: „Die Menschen sprechen von afrikanischer Küche, die gibt es genau sowenig wie eine europäische Küche“, sagt sie. Manches irritiere sie auch: Das Bild von Afrikanern vermittele oft, diese Menschen brauchten Hilfe, seien arm und vor Bürgerkrieg geflüchtet.