Verkürzte Öffnungszeiten, lange Wartelisten: In Heimsheim läuft es im Moment nicht rund in der Kinderbetreuung. Betroffene Eltern wünschen sich ein Spiel mit offenen Karten, was Listenplätze und die Suche nach Erziehern betrifft. Der April könnte erste Entspannung bringen.
„Die Kita fällt heute aus.“ Oder: „Die Kinder müssen ab jetzt eine Stunde früher heim.“ Sätze wie diese häufen sich in der Region. Erzieherinnen fehlen an allen Ecken und Enden. Einfach ist die Lage nirgends. In Heimsheim ist diese Umschreibung allerdings untertrieben. Inzwischen befinden sich 16 Kinder auf der Warteliste für einen regulären Kindergartenplatz. In mehreren städtischen Einrichtungen kommt es seit Monaten oder sogar Jahren zu Kürzungen der Öffnungszeiten. Der Grund: zu wenige Mitarbeiter und Krankheitsausfälle.
Mehrere Eltern haben sich mit unserer Zeitung in Verbindung gesetzt, darunter eine Vertretung des Elternbeirats. Was sich die Betroffenen in dieser Situation vor allem wünschen – abgesehen von einem verlässlichen Kita-Platz –, ist ein offener Dialog mit dem Rathaus. Gesprächsbedarf gibt es zu vielen Punkten, darunter zur Erziehersuche und zu Wartelisten. Gerade die Eltern auf den Wartelisten benötigen klare Aussagen – für sie geht es zum Teil um ihren Arbeitsplatz.
Hoffnung liegt auf April
Immerhin: Ab April können, Stand jetzt, wieder einige Plätze besetzt werden, kündigt der Bürgermeister Jürgen Troll an. „Wir bekommen weitere Kolleginnen und ein bis zwei sollen aus dem Krankenstand zurückkehren.“ Zusagen könnten aber erst erfolgen, wenn alles in trockenen Tüchern ist. Klare Angaben zu Listenplätzen seien leider nicht möglich. Denn die Reihenfolge kann sich ändern, zum Beispiel durch Zuzüge.
Für die betroffenen Eltern bleiben daher viele Fragezeichen. Auch für Eric Schneider, der mit seiner Familie seit Juni 2023 in Heimsheim lebt. „Davor waren wir in Leonberg, und ich muss sagen: Was Kinderbetreuung anging, lief es da immer gut.“ Man habe ihm dankenswerter Weise sogar die Möglichkeit gegeben, sein Kind weiter betreuen zu lassen, als es in Heimsheim noch keinen Platz gab.
Kinder müssen oft schon früh nach Hause
Inzwischen konnte sein Sohn in der Heerstraße unterkommen. Doch selbst das ist nur ein Übergang, angefragt war eigentlich ein Ganztagsplatz. Die Betreuung in der Heerstraße läuft bis 14.30 Uhr. „Und selbst das klappt nicht immer, manchmal müssen die Kinder schon um 13 Uhr abgeholt werden.“ Für Eric Schneider ist es erstaunlich, wie man sich im Gemeinderat, wo das Problem öfter angesprochen wurde, zum Teil „in die eigene Tasche lügt“. Denn „normal“ sei das Ganze trotz allgemeinem Fachkräftemangel nicht. Eine Situation wie in Heimsheim kenne er aus Gesprächen mit Eltern aus keiner anderen Kommune.
Für ihn geht es dabei nicht um irgendwelches Anspruchsdenken, sondern vor allem um Gleichberechtigung. „Ich formuliere es mal so: Wer hier lebt, sollte ein Freund von traditionellen Rollenbildern sein“, so Eric Schneider. Denn in den meisten Familien verdiene der Mann eben doch noch mehr. Und wenn ein Elternteil daheimbleiben muss, treffe es fast immer die Frauen. „Und ich weiß, dass hier viele Frauen leben, auch studierte, die wieder arbeiten möchten, es aber nicht können.“ Auch seine eigene Frau ist betroffen. „Abgesehen davon, dass bei den derzeitigen Immobilienpreisen viele Paare auf zwei Gehälter angewiesen sind.“
Manche warten seit Monaten auf einen Platz
Lena Fricker, Mutter von zwei Kindern, kennt die Situation im Ort nur zu gut. Sie gehört zu den Müttern, die seit Wochen oder Monaten auf einen Kindergartenplatz warten. „Ich habe meine Tochter mit einem Jahr angemeldet, jetzt ist sie drei“, erzählt sie. „Im November bekamen wir ein Anschreiben von der Stadt, dass sich die Aufnahme verzögert. Seither haben wir nichts mehr gehört.“ Sie selbst sei wegen ihres zweiten Kindes glücklicherweise noch in Elternzeit. „Aber ich kenne auch eine Mutter, die die Aussage ihres Arbeitgebers bekommen hat: Wenn sie nicht am 1. April anfängt, ist ihre Stelle weg.“
Aus diesem und anderen Gründen wünschen sich die betroffenen Eltern eine offene Kommunikation mit dem Rathaus. Denn vor allem die Ungewissheit und die Kurzfristigkeit sei es, die ihr und anderen Eltern schwer zu schaffen mache, sagt Lena Fricker und ergänzt: „Wir würden gerne auch unterstützen, weil wir das Gefühl haben, dass sich im Moment nichts tut. Es heißt immer nur: Wir warten auf Personal.“ Jedoch habe sie in noch keinem Jobportal einen Hinweis auf Erziehersuche in Heimsheim gefunden. Diesem Eindruck will der Bürgermeister Jürgen Troll entgegentreten. Es gebe durchaus Stellenzeigen, zudem rasche Reaktion auf Initiativbewerbungen und Mund-zu-Mund-Empfehlungen – „hierdurch haben wir mehrere Fachkräfte gewinnen können“ –, das Werben um Fachkräfte aus dem Ausland und mehr. „Alle Ausbildungsplätze im September 2024 sind belegt. Mehrere Kollegen befinden sich in Anpassungslehrgängen.“
Die Stadt ist auf Mitarbeitersuche
Ein Patentrezept zur Lösung des Problems kann er nicht anbieten. Die Stadt spüre wie alle den „bundesweiten Fachkräftemangel“. Einen besonderen Fokus lege Heimsheim daher auf die langfristige Bindung der aktiven Kollegen. „Diese tragen die Situation des Fachkräftemangels mit“, so Troll. „Die Stadt Heimsheim möchte bewusst keine Kollegen durch übermäßige Überbelastungen verheizen und dadurch Einschränkungen in der pädagogischen Qualität auslösen.“