Wenn statt ausgebildeten Erzieherinnen ganz normale Mamas und Papas bis zur Abholzeit aktiv sind, wirft das auch versicherungsrechtliche Fragen auf. Foto: dpa//Monika Skolimowska

Weil im Kinderhaus Pfiffikus nach einer Kündigungswelle gleich fünf pädagogische Fachkräfte fehlen, sollen die Öffnungszeiten reduziert werden. In der Elternschaft wird nun über eine Betreuung in Eigenregie nachgedacht. Doch es gibt Hürden.

Von Verlässlichkeit bei der Kinderbetreuung können berufstätige Eltern oft nur träumen. Mal sind die Erzieherinnen krank, mal wird im öffentlichen Dienst gestreikt, mal ist ferienbedingt geschlossen, mal ist im Hort eine Läuseplage ausgebrochen, mal lässt sich die Teilnahme am pädagogischen Tag nicht mit einer Aufrechterhaltung der regulären Öffnungszeiten vereinbaren, mal fällt die Kinderbetreuung dem städtischen Betriebsausflug zum Opfer. Ohne den berühmten Plan B schauen Eltern öfter in die Röhre, als ihren Arbeitgebern lieb sein kann.

 

Denn selbst mit einem Halbtagsjob fällt es Müttern und Väter oft schwer, den Berufsalltag und die Familienrolle unter einen Hut zu bekommen. Wer nicht Oma und Opa als Notnagel für unverhoffte Ausfallzeiten in der Hinterhand hat, tut sich schwer. Zumal vielerorts von der gern beschworenen Ganztagsbetreuung keine Rede mehr sein kann. Die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten werden immer mehr eingedampft – auch, weil den Kommunen das Personal fehlt. So ist eine Verkürzung auf 15.30 Uhr mittlerweile selbst bei Gruppen mit verlängerter Öffnungszeit keine Seltenheit mehr, im vermeintlich kinderfreundlichen Tübingen gilt wegen des Mangels an Fachkräften für viele Tagesstätten die Schlusszeit von 13.15 Uhr.

Eltern sorgten mit einem Abhol-Streik für Aufsehen

Dass ein allenfalls halbtags geöffneter Hort die Eltern in die Bredouille bringen kann, liegt auf der Hand. In Schorndorf trieb der Protest gegen die Verkürzung der Öffnungszeiten schon im vergangenen Frühjahr viel beachtete Blüten: Weil die Elternschaft zumindest in einzelnen Einrichtungen mit einem Abhol-Streik reagierte, warteten die abholbereiten Kinder gleich reihenweise vergeblich auf Mama oder Papa.

Um Einzelfälle von ausnahmsweise auf dem Weg vom Arbeitsplatz zur Kindertagesstätte im Berufsverkehr steckenden Eltern handelte es sich bei der notorischen Überziehung der Schlusszeiten offenbar nicht. „Was wir hier erleben müssen, grenzt an Nötigung“, fühlte sich der Schorndorfer Oberbürgermeister Bernd Hornikel von der konzertierten Aktion massiv unter Druck gesetzt. Die Stadt drohte den Eltern mit einem Ausschluss von mehrfach zu spät abgeholten Kindern, die Erziehungsberechtigten keilten in Facebook-Posts und Protestbriefen zurück und warfen der Rathausspitze einen feindseligen Umgang mit den Problemen junger Familien vor.

Vom Problem, offene Stellen zu besetzen

Bemerkenswert: Auf die Barrikaden trieb die Elternschaft in der Daimlerstadt, dass der Nachwuchs in den städtischen Einrichtungen wegen des Mangels an pädagogischem Personal nur noch maximal 40 Stunden in der Woche betreut wird. Im Kinderhaus Pfiffikus in Fellbach ist für April sogar eine Verkürzung der Öffnungszeiten auf nur noch 38 Wochenstunden im Gespräch.

Der Grund: Quasi zeitgleich haben gleich vier Mitarbeiterinnen der Tagesstätte auf Ende März ihre Kündigung eingereicht, eine fünfte Kraft sieht Mutterfreuden entgegen und kann wegen ihrer Schwangerschaft nicht mehr in der Betreuung eingesetzt werden. Die Hoffnung, dass zumindest ein Teil der offenen Stellen wieder besetzt werden kann, hat der im Rathaus für den Fachbereich verantwortliche Amtsleiter Stephan Gugeller-Schmieg zwar noch nicht aufgegeben. Doch die Offerten der Zeitarbeitsfirmen sind bereits abgeklappert, auch der Markt an pädagogischen Zusatzkräften scheint ausgereizt. „Auf den Ausfall von fünf Betreuungskräften zugleich ist keine Kommune vorbereitet“, räumt er ein – und verweist auf die Bertelsmann-Studie, die ermittelt hat, dass mit Blick aufs verfügbare Personal die Öffnungszeiten in Kindertagesstätten eigentlich ganz generell auf 30 Wochenstunden reduziert werden müssten.

Wie sieht es mit Datenschutz und Versicherung aus?

Besonders ist an der Fellbacher Notlage, dass sich die Elternschaft auch im Kinderhaus Pfiffikus nicht mit den reduzierten Öffnungszeiten abfinden will – aber anders reagiert als in Schorndorf. Im Gespräch mit dem Elternbeirat ist die Idee entstanden, dass die Eltern in der Ausnahmesituation die wegfallende Betreuungszeit selbst schultern – für einen Übergangszeitraum und nur für jenen Teil der Kinder, die tatsächlich ohne jede Betreuung wären. Die Stadt prüft derzeit, wie sich eine Do-it-yourself-Betreuung bis zur Abholzeit versicherungstechnisch einbinden lässt. Neben dem Datenschutz steht schließlich die Haftungsfrage im Raum. Eine Dauerlösung soll die Selbsthilfe der Elternschaft laut Gugeller-Schmieg allerdings nicht sein. „Wir sind sehr bestrebt, die offenen Stellen bald wieder besetzt zu haben“, sagt der Fachbereichsleiter.