Durch einen ungeimpften Jugendlichen kam es 2018 zu einem großen Masernausbruch in Baden-Württemberg. Foto: dpa

Die Masernimpfquote von Kleinkindern liegt im Südwesten seit Jahren unter dem Bundesdurchschnitt. Das Gesundheitsamt warnt, dass Kinder zu spät geimpft werden.

Stuttgart - Die Zahl der Masernfälle in Baden-Württemberg ist von 22 Fällen im Jahr 2016 auf 89 Fälle im vergangenen Jahr gestiegen. Im laufenden Jahr wurden bereits 62 Fälle gemeldet, wie das Landesgesundheitsamt (LGA) mitteilte. Der längste und größte Ausbruch im Jahr 2018 hielt 14 Wochen an und führte im Land zu 40 Erkrankungsfällen.

Masernausbruch über Landesgrenzen hinweg

Der Ausbruch nahm seinen Anfang durch einen ungeimpften Jugendlichen, der sich mit seiner Familie vier Wochen in Thailand aufgehalten hatte. Er erkrankte elf Tage nach Rückkehr und begab sich zwei Tage später in ärztliche Behandlung. Vier Geschwister des Jugendlichen und acht weitere ungeimpfte Personen, die sich zeitgleich in der Arztpraxis aufgehalten hatten, erkrankten – darunter eine Patientin aus einem benachbarten Landkreis. „Der Masernausbruch zeigt das Potenzial der Weiterverbreitung deutlich, da auch Besucher aus Rheinland-Pfalz und Berlin angesteckt wurden“, sagt Stefan Brockmann, Epidemiologie-Experte beim LGA.

Impfquote zweijähriger Kinder niedrig

In Baden-Württemberg sind nach Ergebnissen der Einschulungsuntersuchung (ESU) 95,2 Prozent der fünfjährigen Kinder mindestens einmal und 89,8 Prozent zweimal gegen Masern geimpft. Zwischen den einzelnen Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs gibt es große Unterschiede beim Anteil der zweimal gegen Masern geimpften Kinder. Die Werte liegen zwischen 79,0 und 94,2 Prozent.

Das Landesgesundheitsamt warnt: Die Quote der zweiten Masernimpfung bei baden-württembergischen Kindern im Alter von zwei Jahren liegt bei 71 Prozent, in manchen Landkreisen sogar nur bei 49,7 Prozent. „Es wird zu spät geimpft“, so die Behörde unter Verweis auf jetzt veröffentlichte Zahlen. „Solange die Immunität in der Bevölkerung in allen Altersgruppen nicht bei mindestens 95 Prozent liegt, kann es immer wieder zu zeitlich begrenzten regionalen Ausbrüchen mit zum Teil langen Infektionsketten kommen“, sagt Experte Brockmann.

Höhere Bildung, geringere Impfbereitschaft

Um die Masern zu eliminieren, müssten neben den Kindern aber auch mehr Jugendliche und junge Erwachsene geimpft werden. Im Land liegt die Impfquote der fünfjährigen Kinder seit Jahren unter dem bundesweiten Durchschnitt. Während die Quote 2017 im Land 89,1 Prozent betrug, lag sie bundesweit bei durchschnittlich 92,8 Prozent. Dass daran auch die Waldorfschulen ihren Anteil haben könnten, bestreitet Stefan Brockmann nicht.

In Baden-Württemberg gibt es mit 59 die meisten dieser Einrichtungen in Deutschland. Dass in Waldorfschulen weitaus weniger Kinder geimpft sind als in staatlichen Schulen, sei bekannt. „Da laufen seit Jahren Bestrebungen mit den Verbänden, in die Diskussion zu kommen“, sagt Experte Brockmann. Generell sei die Impfbereitschaft umso geringer, je höher der Bildungsstand sei.

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