Wenn’s nach den Kindern ginge, wäre Eis das Grundnahrungsmittel des Sommers. Wie Eltern damit umgehen können und wie viel Zucker in Ordnung ist: ein süßer Ratgeber.
Sommer und Eis gehören einfach zusammen. Gerade Kinder schlecken dann gern täglich mindestens eins und gerne auch mehr – wenn sie ihre Eltern doch nur ließen. Aber es ist eben doch viel Zucker drin in der kalten Köstlichkeit.
Und was ist eigentlich mit den Farbstoffen, die das Wassereis so schön knallbunt machen? Kann das wirklich gesund sein? Ein kleiner Ratgeber, um sommerliche Eisdiskussionen in Familien zu schlichten.
Eishunger ist nicht gleich Eishunger
Wenn es heiß wird, schwindet bei den meisten Menschen der Appetit. Gerade Kinder sind dann aber trotzdem oft noch sehr aktiv. Und wer den ganzen Nachmittag im Freibad getobt hat, braucht irgendwann Energie – und zwar schnell. „Da ist es völlig klar und normal, dass die Kinder nach einem Eis verlangen und nicht nach einer Gurke“, sagt Julia Litschko, Ernährungscoachin und Autorin (unter anderem: „Ab heute nur noch zuckerfreu. Denn nicht der Zucker ist das Problem, sondern der Umgang mit ihm“, Verlag Tredition, 18,90 Euro).
In solchen Situationen spreche nichts dagegen, auch täglich ein Eis zu essen. Anders sehe es aus, wenn das Kind aus Langweile nach einem Eis verlange, obwohl die eigentlichen Bedürfnisse Aufmerksamkeit oder Beschäftigung seien.
Auch vom sogenannten Verbotshunger auf Süßes hält sie nicht viel. „Der entsteht, wenn Eltern Süßigkeiten wie Eis verteufeln oder stark verknappen. Dadurch wird der Anreiz natürlich noch viel größer.“ Litschko empfiehlt, Eis nicht anders zu behandeln als eine Salatgurke und Lebensmittel nicht zu stark zu werten, indem man sie beispielsweise in gesund oder ungesund einteilt.
Auch sollte man Süßigkeiten nicht als Belohnung („Heute gönnen wir uns mal ein großes Eis, weil das Zeugnis so toll war.“) oder ein Verbot als Strafe einsetzen („Heute gibt es kein Eis, weil du dein Zimmer nicht aufgeräumt hast.“). Sie werden sonst mit einem emotionalen Wert beladen.
Eis ist nicht alles
Bei der Frage, ob ihre Kinder jeden Tag ein Eis bekommen, sollten sich Eltern der Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm zufolge vor allem eins überlegen: Wie viel Zucker isst das Kind denn sonst noch? „Gegen eine Kugel Eis am Tag spricht ab dem Kindergartenalter grundsätzlich nichts. Aber die gibt es dann statt anderer süßer Sachen – und nicht zusätzlich“, sagt Dagmar von Cramm.
Der Nachtisch sei dann eben das Eis – und nicht der süße Fruchtjoghurt, das Quetschie oder die Gummibärchen, die es sonst vielleicht gibt. Insbesondere auf Süßgetränke sollten Kinder möglichst ganz verzichten. „Die sind schädlicher als Eis, weil sie nicht satt machen und doch eine Menge Kalorien haben“, sagt Dagmar von Cramm, die mehrere Kochbücher für Kinder und Familien geschrieben hat und auch zu Ernährungsthemen bloggt (dagmarvoncramm.de).
Eis ist nicht gleich Eis
„Gekauftes Eis ist meist einfach nur eine Zuckerbombe, denn das macht es nun mal so schön cremig“, sagt Dagmar von Cramm. Gerade zu Hause haben Eltern jedoch die Möglichkeit, die Wahl des Eises im Gefrierfach mitzubestimmen. Wer sich im Supermarkt eindeckt, dem rät Dagmar von Cramm zu Milchspeiseeis im Miniformat. „Da ist zumindest etwas Milch drin.“
Aufgrund des Fettgehalts verstecken sich darin allerdings auch mehr Kalorien als in Frucht- oder Wassereis. Dieses wiederum besteht Cramm zufolge meist nur aus sehr viel Zucker und Farbstoffen. „Das ist eigentlich nichts anderes als eine bunte Limo“, findet Dagmar von Cramm.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Stiftung Warentest, die im vergangenen Jahr 25 verschiedene Eissorten auf Frucht- und Wasserbasis getestet hat. Dort kam gerade das Fruchteis im Schnitt auf umgerechnet zwölf Stück Würfelzucker pro 100 Gramm. Zum Vergleich: Das süßeste Vanille-Eis kam in den Tests auf umgerechnet fast zehn Stück Zucker, das süßeste Schokoeis auf rund neun.
Wassereis dagegen brachte im Schnitt am wenigsten Süße mit. Die Ernährungsexperten von der Stiftung Warentest empfehlen deshalb, vor dem Kauf von abgepacktem Eis im Supermarkt den Zuckergehalt der Sorten zu vergleichen.
Eis kann man auch selbst machen
„Zu einer gesunden Genussorientierung gehört auch, dass man sein Essen selbst zubereitet. Und gerade Eis machen ist ja eine tolle Beschäftigung für den Sommer“, findet Julia Litschko. Am einfachsten ist es, pürierte Früchte, Joghurt oder Fruchtsäfte einzufrieren. „In ein Stück Wassermelone braucht man nur einen Holzstiel zu stecken und das in die Gefriertruhe zu geben, schon hat man ein Eis“, sagt Dagmar von Cramm.
Manchmal reichen ihrer Erfahrung nach auch einfach Eiswürfel aus Wasser. „Es geht ja vor allem um das kühle Mundgefühl und das Schmelzen, was Kinder lieben.“ Wer etwas mehr Zeit hat, findet im Internet oder in Familienkochbüchern jede Menge Rezepte, um Eis zu Hause selbst herzustellen.
Die Eiszeit geht vorbei
Besonders Kinder pflegen gerne Ernährungsvorlieben, die sie exzessiv für einige Zeit ausleben – und dann aber auch schnell wieder ablegen. „Als Eltern sollte man sich dann immer überlegen, was meine Sorge ist, wenn das Kind gerade nur Nudeln, Pudding oder Eis essen möchte“, sagt Julia Litschko. Solange es dabei glücklich, zufrieden und gesättigt sei, könnte man als Eltern eine solche einseitige Ernährung durchaus auch mal kurzzeitig aushalten.
Und wenn ein Kind mal vom Frühstück bis zum Abendessen nur Eis gegessen hat, dann verlangt es vielleicht von ganz allein nach etwas anderem. „Ernährungsvorlieben von Kindern wandeln sich oft schnell und häufig. Und der Sommer geht irgendwann vorbei und dann diskutieren wir vielleicht über Chips statt über Eis“, sagt Julia Litschko.
Kinder und Zucker
Wie viel Zucker, darf’s denn sein?
Maximal 25 Gramm Zucker am Tag – das ist der Wert, den Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Kinder empfehlen. Die Menge entspricht etwa sechs kleinen Teelöffeln. Überschritten wird der Wert vor allem dann häufig, wenn Kinder viel Limo oder unverdünnte Fruchtsäfte trinken sowie sich regelmäßig von Fertigprodukten wie Pizza ernähren. Auch viele Müslis, Frühstücksflocken oder Fruchtjoghurts sind Zuckerbomben. Essen Kinder regelmäßig mehr als diese empfohlene Zuckermenge, steigt unter anderem das Risiko für das Risiko für Übergewicht, Diabetes mellitus Typ 2 und Karies. Langfristig ist so die Wahrscheinlichkeit erhöht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder einen Herzinfarkt zu bekommen. Auch rheumatische Erkrankungen, wie Gicht, können häufiger auftreten.