Die Teilnehmer am Fußball-Camp des Projekts kicken & lesen geben alles: Hier auf dem Trainingsplatz, später bei den Leseeinheiten im Clubhaus des VfB Stuttgart. Foto: Pressefoto Baumann

70 Kinder, viele Aufgaben – aber auch jede Menge Spaß: Das Fußballcamp des Projekts kicken & lesen hat seinen Zweck mal wieder voll erfüllt. Erstmals waren die Stuttgarter Nachrichten mit von der Partie.

Stuttgart - Das rote Shirt ist ja noch recht passend, ansonsten aber hat sich Bruno Labbadia doch ein wenig verändert, als er sich am Sonntagnachmittag den Fragen des Journalisten stellt. Ein wenig kleiner ist er geworden, auf dem Kopf trägt er eine orangefarbene Kappe, und auf die Frage, was er sich denn von Neuzugang Mohammed Abdellaoue erwartet, antwortet der vermeintliche VfB-Trainer: „Tore, er ist ja Stürmer, ein italienischer.“ Na, da kennt einer seine Spieler aber schlecht – doch Bruno Labbadia ist entschuldigt.

Schließlich ist es nicht der Coach des VfB persönlich, der die Herkunft seines norwegischen Stürmers ein wenig verfälscht hat, sondern der neunjährige Lukas. Der Junge ist einer von 70 Teilnehmern am Fußballcamp des Projekts kicken & lesen, das die Baden-Württemberg-Stiftung am vergangenen Wochenende in Kooperation mit dem VfB Stuttgart und mit den Stuttgarter Nachrichten (StN) veranstaltet hat – Lukas ist für ein paar Minuten in die Rolle des Trainers geschlüpft und darf nun am eigenen Leib erfahren, wie ein Interview mit einem Journalisten ablaufen kann. Der StN-Sportredakteur fragt, Lukas antwortet. Denn: Bei kicken & lesen geht es nicht nur auf dem Fußballplatz zur Sache.

"Die Erfolge sind wirklich sichtbar"

Zwei Tage lang wechseln sich für die Jungs aus ganz Baden-Württemberg Lese- und Verständnisübungen ab mit den Einheiten mit dem Ball am Fuß – wobei auch bei diesen das Lesen immer wieder eine Rolle spielt. So werden die verschiedenen Übungen nicht einfach angesagt, die Jungs bekommen Lesekarten und müssen sich die Aufgaben in Kleingruppen immer wieder selbst erarbeiten. Dass diese Form des Trainings gleich doppelt anstrengt, ist am Sonntagnachmittag deutlich zu sehen.

Als jeder Teilnehmer von Günther Schäfer seine Urkunde überreicht bekommt, schleppen sich einige von ihnen geradezu nach vorne zum ehemaligen Profi des VfB Stuttgart, der sagt: „Was die Jungs an den zwei Tagen geleistet haben, war wirklich stark.“ Und hat seinen Effekt ganz und gar nicht verfehlt – sagen zumindest diejenigen, die es wissen müssen. Lars Bäumer ist einer von ihnen.

Der Student der Erziehungswissenschaften betreut in Plochingen eines der landesweit zehn kicken & lesen-Projekte, 14 Tage im Jahr geht es ganz speziell um die Förderung der Lesekompetenz, bereits zum dritten Mal ist er mit einer Gruppe beim Camp dabei. „Die Erfolge sind wirklich sichtbar“, sagt er, „die Jungs sind immer heiß auf Fußball, dadurch kommen wir auch auf anderen Ebenen an sie ran.“ Neben der Lesekompetenz wird auch das soziale Miteinander gefördert – was Günther Schäfer ganz wichtig ist. „Wir legen auch viel Wert auf Teamfähigkeit, soziales Verhalten und Disziplin.“ Einen Sonderpreis vergibt er am Ende des Camps daher nicht an den besten Fußballer, sondern an einen der Jungen, die sich besonders vorbildlich und im Sinne des Teamgedankens verhalten haben.

In diesem Jahr heißt der Sieger Yannis – wobei: Gewonnen haben am vergangenen Wochenende eigentlich alle. Auch Lukas, der Mini-Labbadia.

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