Michaela und Benjamin Kemmer freuen sich jetzt schon auf die erste Heizungsrechnung im neuen Heim. Foto: Caroline Holowiecki

Der plötzliche Förderstopp ist unter Bauherren das Thema. Ein Ehepaar aus Filderstadt erzählt, warum es sich für ein teureres KfW-40-Plus-Haus entschieden hat.

Harthausen - Für viele Häuslebauer dürfte das Stichwort KfW-Förderung aktuell gleichzeitig ein Reizwort sein. Als im Januar bekannt wurde, dass das Bundeswirtschaftsministerium die Förderung für energieeffizientes Bauen von heute auf morgen aussetzen will, weil die Kasse nach einem nie dagewesenen Ansturm geplündert ist, haben Freunde und Bekannte auch bei Michaela und Benjamin Kemmer nachgefragt. „Betrifft euch das?“, sagt er. „Zum Glück nicht.“

 

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Der 35-jährige Kfz-Meister und die 33-jährige Familienpflegerin sind Bauherren mit doppeltem Glück. Zum einen, weil er ein Grundstück in Filderstadt-Harthausen geerbt hat, sie können ihr Traumhaus also dort bauen, wo andere viele Jahre suchen und dann doch wegziehen von der Filderebene. Zum anderen haben sie Glück, dass sie von der Förderung der KfW-Bank noch profitieren werden. Sie haben den staatlichen Beitrag für ihr KfW-40-Plus-Haus bereits im Dezember 2020 beantragt. Dachten sie anfangs, das Geld werde gleich am Anfang ausgezahlt, hätten sie feststellen müssen, dass es sich um einen Kredit von über 120 000 Euro handelt, von dem ihnen über eine Laufzeit von 30 Jahren 30 000 Euro erlassen würden, wie Benjamin Kemmer berichtet. Daher bleibt auch bei ihnen eine kleine Restunsicherheit, ob ihnen doch noch, irgendwann, rückwirkend etwas gestrichen werden könnte.

Deutlich zu einem KfW-40-Haus geraten

Die Kemmers haben genau genommen sogar dreifaches Glück. Als sie sich damals erkundigten, welches Haus sich für sie am besten eignen würde, hatten sie zunächst nicht von sich aus auf dem Zettel, ein möglichst energiesparsames Haus zu bauen. Ihren Lebensstil beschreiben sie als durchschnittlich, nicht nachhaltiger als der von anderen. Die Mitarbeiterin des Hausbauers, bei dem sie ihr neues Heim letztlich gekauft haben, habe ihnen deutlich zu einem KfW-40-Haus geraten. „Es sei das Beste, was man derzeit kaufen kann“, sagt die Bauherrin Michaela Kemmer.

KfW 40 – was für Laien nach kompliziertem Buchstaben-Zahlen-Salat klingt, ist entscheidend, ob es einen Zuschuss gibt. Denn der Bund unterstützt über die KfW-Förderung klimafreundliches Bauen. Bisher gab es auch Geld für KfW-55-Häuser, doch das soll künftig Vergangenheit sein. 40 und 55 meint in diesem Zusammenhang, wie viel Prozent Energie das Haus im Verhältnis zu einem Referenzgebäude benötigt. Dieses Referenzgebäude entspricht laut KfW-Angaben den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes, also dem gesetzlichen Standard.

Bauträger sind auf die Barrikaden gegangen

Geht es nach Robert Habeck, dem Grünen-Bundesminister für Klima und Wirtschaft, sollen künftig nur noch energetische Sanierungen sowie KfW-40-Häuser von den staatlichen Dreingaben profitieren. Weil der Förderstopp so prompt erfolgt ist und private und öffentliche Bauträger auf die Barrikaden gegangen sind, ist inzwischen ein Kompromiss herausgekommen: Alle Anträge, die bis zum 24. Januar 2022 eingegangen sind, sollen wie gehabt bearbeitet werden. Die, die seither einen Zuschuss einstreichen wollen, müssen sich genauer informieren. Vom 22. Februar an können jene, die energetisch sanieren, einen Zuschuss beantragen; wie es mit der Förderung des KfW-40-Standards weitergeht, ist noch nicht entschieden.

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Michaela und Benjamin Kemmer haben hinter das KfW 40 sogar noch ein Plus gesetzt, indem sie eine Solaranlage fürs Dach dazugekauft haben, im Keller ist ein kleiner Batteriespeicher, geheizt wird mit Wärmepumpe, die Gebäudehülle ist dicke gedämmt. Noch wohnt das Ehepaar in einer Mietwohnung aus den 1960er Jahren mit Ölheizung. Das Fertighaus in Holzständerbauweise steht zwei Straßen weiter. Derzeit läuft der Innenausbau, der Einzug ist für Mai geplant. Sie freuen sich heute schon auf die Heizungsrechnung, denn sie haben kalkuliert, dass sie dann für das Sechseinhalb-Zimmer-Haus mit seinen 180 Quadratmetern weniger zahlen als heute für die Wohnung.

Deshalb sehen sich die Häuslebauer bestätigt

Wer energieeffizienter baut, zahlt zunächst drauf. Die Kemmers schätzen, dass sie mit einem KfW-55-Haus rund zehn Prozent günstiger weggekommen wären. Die Solarzellen auf dem Dach machen laut Benjamin Kemmer weitere zehn Prozent extra aus. Mit Blick in die Zukunft hätten sie diese Mehrkosten allerdings nicht abgeschreckt, sie gehen davon aus, dass sich dies auf lange Sicht auszahlen wird. In der aktuellen Debatte um die Neuausrichtung der Bauförderung nach dem plötzlichen Stopp Ende Januar und durch die steigenden Energiepreise sehen sie sich in ihrem Beschluss bestätigt.

Änderungen bei der KfW-Förderung von Sanierung und Hausbau

Förderstopp
Bereits im November 2021 hatte der damalige Wirtschaftsminister Peter Altmaier verkündet, dass das KfW-Förderprogramm für energetische Sanierungen und klimafreundlichen Hausbau nach KfW 55 und KfW 40 auslaufe. Das löste einen Ansturm aus. Der neue Minister Robert Habeck hat im Januar die Reißleine gezogen, weil von den eingeplanten fünf Milliarden Euro 3,2 Milliarden Euro vergeben waren, in der Warteschleife für die restlichen 1,8 Milliarden Euro hingen Anträge mit einem Volumen von 7,2 Milliarden Euro. Nun sollen Anträge, die bis 24. Januar eingegangen sind, noch nach alten Maßstäben bearbeitet werden.

Übergangsregelung
Wer den Antrag nach dem 24. Januar stellt, muss eine energetische Sanierung nachweisen, für den KfW-40-Standard laufen die Gespräche noch. Für die Finanzierung der Förderung haben Bundesregierung und Haushaltsausschuss vergangene Woche 9,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. ana