Südwestmetall-Chef Stefan Wolf (links) und Musicalstar Kevin Tarte beim VfB-Spiel im VIP-Bereich der Mercedes-Benz-Arena. Foto: Wolfgang List

Die Vampire kommen bald nach Hause – zur vierten Premiere in Stuttgart. Vor 20 Jahren war Kevin Tarte der erste Krolock. Mit ihm sprachen wir über den ewigen Reiz des Grusicals und seine neue Liebe, den Südwestmetall-Chef Stefan Wolf.

Stuttgart - Die Gier ist unstillbar! Kein anderes Musical wird in Stuttgart so sehr geliebt wie „Tanz der Vampire“. Woran dies liegt, erklärt Kevin Tarte, der erste und – wie seine Fans meinen – ewig beste Graf von Krolock so: „In diesem Stück steckt verdammt viel – großartige Musik zwischen Rock und Operette, Gänsehaut-Momente, dunkle Seiten, sexuelles Verlangen, Tiefgang und vor allem auch sehr viel Humor. Alles in allem ist dies perfektes Entertainment.“

Am 9. April feiert das Erfolgsstück seine vierte Premiere im SI-Centrum, was den US-Amerikaner nicht überrascht. „Süddeutsches Blut schmeckt halt am besten“, sagt der Publikumsliebling lächelnd und fügt hinzu: „Wahrscheinlich ist das Stück deshalb hier so erfolgreich, weil die Menschen im Süden ein besonderes Verhältnis zu Geschichte haben und die ersten waren, die in Deutschland dieses mystische und geheimnisvolle Musical sehen durften.“

1998 kam Tarte zu „Die Schöne und das Biest“ nach Stuttgart

Roman Polanski persönlich hat Kevin Tarte für die Hauptrolle ausgewählt. 20 Jahre ist dies nun her. Der Meisterregisseur und der Komponist Jim Steinmann hatten die Deutschland-Premiere in Stuttgart (nach der Weltpremiere in Wien) zur Chefsache gemacht und das Grusical selbst einstudiert. „Da hatten wir keine Ahnung, wie lange das Stück gespielt und wie erfolgreich es werden wird“, erinnert sich der charismatische Sänger, der in Oper und Operette seine Karriere begonnen hat und als „Biest“ in der Disney-Show 1998 mit der „Schönen“ nach Stuttgart kam.

Etwa tausendmal hat Stuttgarts Ur-Krolock seit der Deutschland-Premiere im Jahr 2000 den Chefvampir gespielt, auch in Hamburg und Berlin. Für seine präzis wandelnde Tenor- und Bariton-Stimme wird er gerühmt – für eine Stimme, die mit viel Kraft, aber auch mit Zärtlichkeit den Geist eines Songs erfasst. Immer wieder hat man ihn für die Rolle des Bösen engagiert, obwohl er privat der Sonnyboy ist. „Jetzt bin ich der alte Sonnyboy“, korrigiert Tarte. Einmal Sonnyboy, immer Sonnyboy. Der in Seattle geborene Musicalstar, der in all den Jahren seine deutsche Lieblingsstadt Stuttgart nicht verlassen hat und noch immer in Möhringen wohnt, hat gute Gründe, jetzt noch mehr zu strahlen. Frisch verliebt ist er!

Bei einer Geburtstagsfeier lernten sie sich kennen

Sein neuer Partner ist der Südwestmetall-Chef Stefan Wolf, der Verhandlungsführer der Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie. „Wir haben uns bei einer Geburtstagsfeier kennen gelernt, wo ich gesungen habe“, erzählt Tarte, „ich sah, wie mich Stefan angesehen hat.“ Dieser Blick hat wohl alles gesagt.

Verliebt sah man die beiden jüngst beim VfB-Heimspiel gegen Bielefeld in der Mercedes-Benz-Arena. Auch den Wiener Opernball haben sie gemeinsam besucht. Ihr Glück wollen der Künstler und der Industriemanager nicht verstecken. Sehr viele freuen sich mit ihnen, so auch im Vip-Bereich des Fußballspiels. Angst vor Corona habe er dort nicht gespürt, berichtet Tarte. Auf seine Gesundheit legt er großen Wert. Der Sänger, der gerade von einem Engagement zum nächsten eilt und neue Höhepunkte in seiner langen Karriere erlebt, macht viel Sport und schützt sich vor allem mit Ingwer vor Erkältungen.

Die beiden wollen öffentlich zu ihrer Liebe stehen

Kevin Tarte hat schon vor vielen Jahren seinen überwiegend weiblichen Fans mitgeteilt, er sei homosexuell, worauf diese ihn weiterhin verehrten. Für den 1961 geborenen Stefan Wolf, der seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Elring Klinger AG ist, kam das Outing spät. Doch auch er will nun öffentlich dazu stehen, dass er seinen Kevin liebt. „Wir verstehen uns mit seiner Ex-Frau gut“, sagt Tarte. Im März wird er Geburtstag mit seiner neuen Liebe beim Skifahren in der Schweiz feiern. Auch in seiner Firma ist Wolf auf Sympathie gestoßen, als er von seiner Beziehung mit dem Musicalsänger sprach.

Tarte spielt in Tecklenburg im Musical „Sister Act“

Ob Stuttgarts Ur-Krolock für den „Tanz der Vampire“ noch einmal auf die Bühne des Palladium-Theaters steigt? „Die Nachricht von der Rückkehr des Stücks kam, als ich schon etliche Verträge unterschrieben hatte“, sagt er. Für längere Zeit könne er die Rolle im Grusical nicht spielen, weil er unter anderem für das Musical „Ludwig 2“ in Füssen und für „Sister Act“ bei den Freilichtspielen Tecklenburg zugesagt hat. Aber einige wenige Gastspiele in der Rolle seines Lebens will er nicht ausschließen, worüber sich seine vielen Fans freuen werden. Tarte hofft sehr, dass das Coronavirus die vierte Stuttgart-Premiere des Klassikers nicht verschiebt.

„Diese Liebe endet nie“ – mit diesen vier Worten wirbt die Stage Entertainment für die tanzenden Vampire, die vor über 50 Jahren zum ersten Mal für die Hollywood-Horrorkomödie ihre Gruft verlassen haben. 2299 Vorstellungen des Musicals gab es bisher in drei Spielzeiten zwischen 2000 und 2017 in Stuttgart – keine andere Show ist hier so oft gespielt worden. Doch die Ewigkeit ist relativ. „Nur für kurze Zeit“ wird der berühmte Tanz auf den Fildern gespielt – fünf Monate lang bis zum September, bis das Tina-Turner-Musical kommt. Kevin Tarte hingegen will nicht mehr aus dieser Stadt ziehen, in der er sein berufliches und jetzt auch sein privates Glück gefunden hat .Ein Happy-end, ob im Theater oder im wahren Leben, erfreut die Menschen allemal.

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