Deutschland kauft ein neues Luftverteidigungssystem. Damit nimmt es eine neue Führungsrolle in Europa ein – und erfüllt endlich, was seine Verbündeten von ihm erwarten, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.
Was Krieg aus der Luft bedeuten kann, sieht man in der Ukraine fast jeden Tag. Russland bombardiert nicht nur militärische Ziele, sondern terrorisiert auch die Zivilbevölkerung. Unter dem Eindruck dieser perfiden Kriegsführung will auch Deutschland seine Luftverteidigung ausbauen. Nun hat es aus den USA die Erlaubnis bekommen, das Flugabwehrsystem Arrow 3 aus Israel zu kaufen. Das ist gleich aus mehreren Gründen erfreulich.
Zum einen schließt die Bundeswehr endlich eine Lücke in seiner Verteidigung, die schon lange besteht. Zum anderen hat Deutschland eine europäische Verantwortung, nicht nur sich selbst, sondern auch seine Verbündeten zu schützen – insbesondere Osteuropa. Mit dem Kauf von Arrow 3 wird das in Zukunft besser möglich sein. Als bevölkerungsreichstes und wirtschaftlich stärkstes Land in Europa hat es – ob es will oder nicht – eine Führungsrolle. Damit tut sich das Land immer noch schwer. Doch die Erwartungen anderer Länder sind da.
Perspektivisch baut Deutschland damit eine Stärke aus. Besonders auf dem Gebiet der Luftverteidigung hat Deutschland schon viel für die Verbündeten getan. An die Ukraine wurden bereits mehrere Systeme zur Flugabwehr geliefert, die auch Großstädte wie Kiew vor den russischen Angriffen schützen. Auch ist die Bundeswehr derzeit in Polen mit drei Staffeln des Patriot-Raketenabwehrsystems im Einsatz.
Unter Lambrecht ging nichts voran
Der Kauf von Arrow 3 zeigt auch, dass immer mehr Projekte aus dem Bundeswehr-Sondervermögen umgesetzt werden, nachdem besonders unter der früheren Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) zunächst nichts voranging. Wie immer gilt bei Rüstungsprojekten jedoch, dass man ein besonderes Auge auf die Ausgaben haben sollte. Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen, dass solche Anschaffungen häufig teurer werden als geplant.