Am Ort des bestehenden Stadions im Karlsruher Wildpark soll auch der Neubau seinen Platz haben. Foto:Stefan Jehle Foto:  

Seit 20 Jahren wird über einen Neubau des KSC-Stadions diskutiert. Den soll es nun tatsächlich geben – trotz des Abstiegs des Vereins in die Dritte Liga.

Karlsruhe - Am Wochenende beginnt die Saison in der Dritten Liga. Mit dabei: die Fußballer des Karlsruher Sportclubs (KSC) nach ihrem Abstieg. Obwohl die Kicker nicht mehr in den beiden Eliteklassen antreten, hält die Stadt an ihren Plänen für den Neubau eines Stadions fest. Aktuell bereitet der eigens gegründete Eigenbetrieb die Bauvergabe vor.

Rund 20 Jahre lang ist in Karlsruhe intensiv um ein neues Fußballstadion diskutiert worden, ehe der Karlsruher Gemeinderat im Herbst 2013 den Weg dafür geebnet hat und dies mit zwei weiteren Grundsatzbeschlüssen 2015 und 2016 bestätigt hat. Standort des neuen Stadions soll der seit 1955 bestehende Wildpark bleiben, nur wenige Hundert Meter nordöstlich des Stadtzentrums. Die Kosten für das Wildparkstadion samt Parkhaus werden derzeit auf rund 85 Millionen Euro taxiert. Dazu sind weitere 28,6 Millionen Euro veranschlagt für die Infrastruktur im Umfeld. Das Bauvorhaben ist ein Wahlkampfversprechen des Oberbürgermeisters Frank Mentrup (SPD). Der hält weiter daran fest.

Heftige Debatte im Gemeinderat

Kurz nachdem klar war, dass dem Karlsruher Traditionsverein zum dritten Mal der Gang in die Dritte Liga bevorsteht, gab es im Mai abermals eine kurze, aber heftige Debatte im Gemeinderat. CDU und SPD als die beiden größten Fraktionen stehen seit Jahren hinter den Plänen. Die neunköpfige Fraktion der Grünen beantragte aber, den Neubau „auf das Notwendigste“ zu beschränken. Eine neue Haupttribüne solle erst nach einem Wiederaufstieg in die Zweite Liga gebaut werden. Die zwei Stadträte der Linken forderten gar, die Bürger darüber abstimmen zu lassen, ob das Stadion „zu hundert Prozent aus Steuermitteln“ finanziert werden solle.

Das ist zugleich der größte Kritikpunkt in Karlsruhe: In einem komplexen Vertragswerk zwischen dem KSC und der Stadt, das im vergangenen Herbst besiegelt wurde, wird die Refinanzierung des Stadions geregelt. Während die Stadt – mit dem eigens gegründeten Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark – einen langfristigen Kredit über die komplette Bausumme aufnimmt, soll der Karlsruher SC die Baukosten innerhalb 33 Jahren mittels einer in der Höhe variierenden Pacht wieder zurückzahlen: Bei einer Zugehörigkeit zur Ersten Bundesliga würden rund 3,5 Millionen Pacht pro Jahr fällig, in der Zweiten Bundesliga immerhin noch 1,5 Millionen Euro. In der Dritten Liga sind es gerade mal 300 000 Euro. Das Konzept setzt aber voraus, dass der KSC mehr als zehn Jahre lang in der Ersten Liga spielt – ungeachtet dessen, dass das Land schon seit 2008 elf Millionen Euro Bauzuschuss bereithält.

Der Bau kann im Früjahr 2018 beginnen

2013 hatte das Frankfurter Stadtplanungsbüro Albert Speer und Partner ein mehr als 100 Seiten umfassendes Grundlagenpapier zum Stadionneubau erarbeitet, das 2014 und 2015 in Bürgerforen diskutiert wurde. Nach der Unterzeichnung des Pachtvertrags im Herbst 2016 startete die Ausschreibung des Bauvorhabens. Jetzt geht es um die Vergabe, die möglichst noch dieses Jahr unter Dach und Fach sein soll. Das bestätigt Werner Merkel, der neu eingesetzte Betriebsleiter des städtischen Eigenbetriebs. Derzeit laufen die Vorarbeiten zur Neugestaltung umliegender Trainingsplätze. Laut dem Baubürgermeister Michael Obert (FDP) kann mit dem Bau der neuen Tribünen „voraussichtlich im Frühjahr 2018“ begonnen werden. Der Abriss bestehender Bauten und der Neubau sollen „im laufenden Spielbetrieb“ erfolgen. Die endgültige Reihenfolge hänge von dem Generalunternehmer ab, der den Zuschlag erhalte, sagt Obert. Der KSC-Präsident und CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Wellenreuther fühlt sich voll eingebunden: „Dem KSC liegen die eingereichten Angebote der Bieter vor, und der KSC prüft diese parallel zur Stadt Karlsruhe.“ Man verfolge das gemeinsame Ziel, „das bestmögliche Angebot im Rahmen des Verhandlungsverfahrens mit dem Bieter“ zu bekommen.

Die Geschichte der Arena Standort Wildpark

1955 wurde im Karlsruher Hardtwald nordöstlich des Schlosses, heute Teil eines Landschaftsschutzgebiets, das Wildparkstadion eröffnet. Damals gehörte das Stadion zu den modernsten in Deutschland. Die unter den Tribünen des Stadions liegenden Erdwälle wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aufgeschüttet und könnten – als möglicherweise kontaminierter Kriegsschutt – beim Neubau noch zu einem Problem werden. Im Jahr 1993 wurde eine überdachte Haupttribüne eingeweiht, 2007 folgte eine Rasenheizung: in Vorbereitung zum Umbau in ein reines Fußballstadion. Seit Jahren gibt es Kritik am überalterten baulichen Zustand. Seit Ende der 1990er Jahre gab es mehr als fünf Konzepte für einen Stadionneubau, zunächst in Eigenregie des einstigen Erstligisten. 2003 stand der KSC kurz vor der Insolvenz.

Bauherr Stadt

Seit 2004 bemüht sich die Stadt Karlsruhe selbst als Planer und Bauherr eines neuen KSC-Stadions aufzutreten. Andere Nutzungen als Fußball sind in der bestehenden Arena aufgrund des „maroden Zustands“ schon lange tabu. 2003 trat im Wildpark letztmals eine große Rockmusikgruppe auf: die Band von Herbert Grönemeyer. 1993 spielte hier die deutsche Herrenmannschaft letztmals ein Länderspiel – gegen Uruguay. Für den seit 2013 amtierenden Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) war der Stadionneubau ein Wahlversprechen.

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