Die Freude über den Sieg muss raus beim Tammer Karateka Tom Priebernig. Foto: privat

Tom Priebernig vom TV Bushido Tamm startet bei den Karate-Europameisterschaften im belgischen Gent.

Tom Priebernig bezeichnet sich gern als „Spätzünder“. Der heute 24-Jährige hat zwar schon mit sieben Jahren beim TV Bushido Tamm mit Karate begonnen – in den Leistungssport und die Stilform Kumite ist er aber erst mit 14 Jahren eingestiegen. „Man hat mir bescheinigt, dass ich Talent habe und wenn man dann relativ schnell Erfolg hat, macht es auch umso mehr Spaß“, sagt Priebernig. Im vergangenen Herbst gewann er mit der DJKB Nationalmannschaft unter Bundestrainer Thomas Schulze beim ersten Indo Pacific Cup auf Mauritius, einem Turnier mit zwölf Nationen aus fünf Kontinenten, die Bronzemedaille. Und er hat es auch in diesem Jahr schon wieder weit gebracht.

 

Am Samstag, 6. April, tritt er als Teil des deutschen Teams in den Disziplinen Kumite Einzel und Kumite Team bei den Europameisterschaften im belgischen Gent an.

Anders als beim Kata, bei der eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehrtechniken gegen mehrere imaginäre Gegner erfolgt, kämpfen beim Kumite zwei Karateka direkt gegeneinander und versuchen, mit kurzen, explosiven Schlägen und Tritten möglichst viele Treffer zu landen, ohne den Gegner dabei zu verletzen. Wichtig dabei sind Schnelligkeit, Geschicklichkeit und Gelassenheit. Denn nur, wer bei einem Angriff nicht in Panik gerät, kann sich sinnvoll verteidigen.

Was bei Tom Priebernig so intuitiv und selbstverständlich wirkt, ist äußerst komplex. Und wenn man sich die Bewegungen anschaut, weiß man, warum man bei Karate auch gerne von Kampfkunst spricht. Der Sport ist ein Teil von ihm geworden. Ihm ordnet der Athlet aus Tamm vieles unter. Weil es an seinem Studienort Würzburg kein passendes Dojo für die Karateform Kumite gibt, fährt er zweimal die Woche nach Frankfurt am Main, um dort in einem Zentrum zu trainieren, und zweimal übt er in Tamm und Stuttgart, wo er mit Raphael Staubauch – der früher selbst ein erfolgreicher Karateka war – den passenden Coach gefunden hat. Hinzu kommt individuelles Lauf- und Krafttraining. Dafür braucht es Disziplin und Durchhaltevermögen.

Fokussierung und Konzentration hilft auch beim Studium

Der Sport fordert extreme Fokussierung und Konzentration. Er hilft aber auch bei der Entwicklung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit durch Selbstbeherrschung und äußerste Konzentration. Das kommt ihm auch bei seinem anspruchsvollen Studium der Rechtswissenschaften zu Gute. Bei der EM im Gent zählen die Gastgeber und das tschechische Team zu den Favoriten. „Aber auch wir haben auch Chancen – im Einzel und in der Mannschaft“, sagt Priebernig.

Es komme sehr viel auf die Auslosung an, denn der Modus läuft nach dem K.-o.-System ab. Wenn es dumm läuft, kann es auch sehr schnell vorbei sein. Ein Kampf dauert bis zu drei Minuten – wer zuerst zwei Punkte auf dem Konto hat, einen Wazari oder Zuki landet, geht als Sieger von der Matte. Im Mannschaftswettbewerb sind pro Nation drei Kämpfer am Start. Gekämpft wird in Alters-, nicht in Gewichtsklassen. Eine Herausforderung. Auch für den 1,96 Meter großen Kämpfer. Kleinere Gegner sind wendiger und schneller als er. „Ich wiederum kann den Gegner besser auf Distanz halten“, sagt Tom Priebernig.

Der Jurastudent bedauert es schon, dass sein Sport 2021 in Tokio zum ersten und vorerst letzten Mal zu Olympia gehört hat und für Paris in diesem Sommer wieder aus dem Programm genommen wurde. Das ändert nichts an seiner unbändigen Leidenschaft für Karate. Medaillen kann man auch bei anderen Wettbewerben gewinnen. Das nächste Ziel hat er bereits im Blick: Ende des Jahres stehen die Weltmeisterschaften in Irland an.