Auch beim Stuttgarter CSD im Sommer war Roland Hägele mit seinen Kameras dabei. Foto: /Andy Werner

Auf kaum einer Demo gegen Stuttgart 21 fehlte er, war immer dabei, wenn Menschen für ihre Rechte auf die Straße gingen: Der Fotograf Roland Hägele ist am Montag gestorben. Seinen Kampf gegen Krebs hatte er öffentlich gemacht.

Zuletzt hatte Roland Hägele bei Facebook mit einem Foto von sich über „Besuch und Sonne“ berichtet, also über „die schönen Dinge im Leben“. Seinen Kampf gegen Krebs machte der Fotograf in den sozialen Medien öffentlich, informierte über zwölf Chemotherapien in Kliniken und seine Rückkehr daheim, nahm regen Anteil am politischen Geschehen der Stadt und hat kürzlich erst die Schlange vor der Ausländerbehörde fotografiert.

 

Die große Anteilnahme an seiner Erkrankung in den vergangenen Wochen und Monaten habe ihm „sehr viel bedeutet“, schreibt seine Familie bei Facebook. Am Montagmorgen sei er „friedlich von uns gegangen“, nun betrauern die Hinterbliebenen den Lebensgefährten, Vater, Stiefvater, Großvater, Bruder, Onkel und Freund.

„Allezeit war er fröhlich und hilfsbereit“

„Der Roland war ein ganz arg Lieber“, sagt Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit, die Fraktionsvorsitzende des Linksbündnisses im Gemeinderat, für das Roland Hägele gearbeitet hat. „Nach großem Leiden hat er es geschafft, loszulassen“, erklärt ihr Fraktionskollege Luigi Pantisano und würdigt den politischen Weggefährten: „Er war ein konsequenter Antifaschist, immer mit mehreren Kameras um den Hals, allezeit fröhlich und hilfsbereit. Meine politische Arbeit ist eng mit ihm verbunden.“

Bei kaum einer Montagsdemonstration gegen Stuttgart 21 fehlte Roland Hägele, auch bei vielen anderen Demos sah man ihn, etwa im Sommer bei der CSD-Parade. Auf seiner Homepage www.action-stuttgart.com steht, dass die Schwerpunkte seiner Arbeit „Straßenfotografie und Tagesthemen“ waren. Aber auch als Pressefotograf und Begleiter „von Künstlern, Politikern und anderen Menschen“ war er tätig. Er hatte einen besonderen Blick auf Gesichter, auf das Menschliche, auf die Energie, die im politischen Engagement steckt. Roland Hägele beobachtete nicht aus der Distanz, sondern war Teil der Bewegung, war also mit allem bestens vertraut, was er dokumentierte. Auf dieser Weise gelangen ihm oft sehr authentische Aufnahmen, die wichtige Ereignisse der Stadtgeschichte festhielten.

Viele verabschieden sich auf Facebook von Hägele

Bereits mit zwölf Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie, wie Hägele für seine Homepage notierte. Mit 18 Jahren besuchte er die Lazi-Schule in Stuttgart, dann die Gutenbergschule, war Assistenz bei John A. Buchbauer (Firma Stihl und La Biosthetique) und seit 2007 als freier Fotograf tätig. Auf seiner Facebook-Seite verabschieden sich sehr viele Menschen von ihm. Zu lesen ist unter anderem: „Du warst ein Kämpfer. Nun darfst Du Dich endlich ausruhen.“