Im Feldzug gegen die Boulevardmedien: Prinz Harry und Herzogin Meghan wollen es nicht hinnehmen, in welcher Art und Weise über sie berichtet wird. Foto: dpa/Dominic Lipinski

Harry und Meghans Klagen über die Boulevardmedien haben nur eines bewirkt: noch mehr Wirbel. Warum die Vergleiche mit Prinzessin Diana hinken und wieso ein Blick in die jüngere Vergangenheit nicht schadet.

Stuttgart - Eine eiserne Regel im britischen Königshaus lautet: „Never complain, never explain“. Wer mit dieser Maxime „Nie klagen, nie rechtfertigen“ bricht, kann sich auf etwas gefasst machen. Auf nichts warten die britischen Boulevardmedien begieriger als auf Aussagen der Royals abseits des Protokolls, am liebsten intimer Natur. Das hat die verstorbene Prinzessin Diana (†36) , Mutter von Prinz Harry (35), schmerzlich erfahren als sie 1995 in einem TV-Interview über ihre Nöte hinter den Palastmauern und ihre gescheiterte Ehe mit Prinz Charles sprach. Das Gespräch schlug hohe Wellen und führte letztlich zur Scheidung des Paares ein Jahr später.

Nun werden Vergleiche zwischen Herzogin Meghan (38) und Prinzessin Diana laut. Zum einen wegen der Medienhetze als auch wegen ihrer öffentlichen Klage über das Leben im Rampenlicht. Was die Emotionalität und die Offenheit Meghans gegenüber dem TV-Journalisten Tom Bradby (52) innerhalb einer TV-Doku „An African Journey“ angeht, kann man durchaus Parallelen ziehen. Auch Prinz Harry wurde deutlich als er erklärte, dass er seine Familie beschützen wolle. Er werde es nicht zulassen, dass sie in einer Art schikaniert werde wie das damals seiner Mutter geschehen sei. Seit einiger Zeit geht das Paar hart gegen Medien vor: Anfang Oktober verklagte es die Boulevardzeitung „Mail on Sunday“, weil diese einen Brief Meghans an ihren Vater veröffentlich hatte. Des weiteren verklagte Harry die britischen Boulevard-Wortführer „Sun“ und den „Mirror“ wegen angeblich abgehörter Telefonate.

Harry und Meghan halten zusammen

Hier offenbart sich der Unterschied zu dem Auftritt von Prinzessin Diana. Prinz Harry steht hinter seiner Frau und geht in Angriffsstellung. Prinzessin Diana war auf sich allein gestellt, die Ehe mit Charles im Eimer, sie war die betrogene Ehefrau, verhöhnt, ins Abseits gedrängt. Harry und Meghanhalten zusammen – gegen den Rest der Welt. Vielleicht auch gegen die Zwänge innerhalb der Windsors.

Wobei man daran bezweifeln darf, ob ihnen von der royalen Verwandtschaft tatsächlich so viel Gegenwind entgegen bläst wie behauptet. Den neuesten Hinweis auf ein Zerwürfnis will die „Daily Mail“ auf Pressebildern aus dem Palast entdeckt haben: Queen Elizabeth II soll das Verlobungsfoto von Harry und Meghan aus ihrem Büro entfernt haben. Aus diesem angeblichen Fakt schusterte die Zeitung Aufmacher und Expertenkommentare zusammen.

Prinz Harry und Herzogin Meghan geht es nicht darum, sich gegen die Königsfamilie aufzulehnen. Auch wenn in die Äußerungen Harrys über das Verhältnis zu Bruder William jede Menge Missgünstiges hinein gedeutet wird. Offensichtlich geht es dem Paar wirklich um das Verhalten der Boulevardmedien. Auf die Frage, ob man die Dauerbeachtung durch die Presse nicht in Kauf nehmen könne angesichts des Reichtums und der Privilegien, die man als Royal genieße, sagt Meghan in dem Interview: „Wenn es fair zugeht, ja. Aber wenn Leute Dinge sagen, die einfach nicht wahr sind, und man sagt es ihnen und sie dürfen diese Dinge trotzdem weiter behaupten – ich kenne keinen Menschen, der in dieser Situation sagen würde, das sei okay.“

Massenhaft Zuspruch für Meghan

Die Herzogin hat für ihre Worte massenhaft Zuspruch bekommen, Prominente wie Michelle Obama oder Elton John stellen sich öffentlich hinter sie. Andererseits hat ein Kommentator einer großen deutschen Boulevardzeitung befunden, dass man als Mitglied des Königshaus kein Recht auf Individualität habe und es die Aufgabe der Royals sei, das Licht auf Menschen zu lenken, die Unterstützung brauchen und nicht, sich selbst zu verwirklichen. Auch dieser Haltung könnte man etwas abgewinnen, wenn sie nicht voller Doppelmoral wäre. Schließlich sind die Boulevardmedien nicht an den Geschichten über die wohltätigen Taten der Royals interessiert, sondern an deren Privatleben.

Ein gar nicht allzu weiter Blick zurück offenbart ganz andere Parallelen innerhalb der Königsfamilie: Auch Herzogin Catherine, die Frau von Prinz William, wurde – vor allem vor ihrer Hochzeit – jahrelang von den Boulevardmedien durchleuchtet. Als „Waity Katy“ („wartende Katy“) bezeichnete man die Zukünftige Williams, als blasierte Möchtegern-Prinzessin, deren Mutter – pfui, eine ehemalige Stewardess – dafür gesorgt habe, dass sie in royale Kreise aufsteige. Diverse Male zog das Paar deshalb vor Gericht. Inzwischen hat man sich arrangiert. Als künftiges Thronfolgerpaar müssen Catherine und William Haltung bewahren, die berühmte steife Oberlippe zeigen. Das ist womöglich auch ein Grund für die Unstimmigkeiten zwischen William und Harry, der sich vielleicht von seinem großen Bruder auf seinem Feldzug gegen die Boulevardmedien allein gelassen fühlt.

Tatsächlich unterscheidet Catherine und Meghan vor allem, dass erstere in einem jahrelangen Verfahren auf ihre Rolle als künftige Königin vorbereitet wurde. Meghan dagegen wurde, ähnlich wie Diana Spencer Anfang der Achtzigerjahre, mehr oder weniger über Nacht zu einer der meist fotografierten Frauen der Welt . Catherine hat übrigens die Maxime „never complain, never explain“ bis zur Perfektion verinnerlicht.

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