Schön soll er sein, aber auch nicht zu schön: Das Design des Esslinger Stadtbechers hat Florian Bayer gestaltet, der Gewinner des World Illustration Awards. Foto: Ines Rudel

Der neue Esslinger Stadtbecher soll der Ökologie dienen. Allerdings droht ihm auch eine Gefahr.

Esslingen - Gut Ding will Weile haben. Fröhliches Bechern!“ Mit diesem Trinkspruch hat Andreas Koch, der Fraktionsvorsitzende der Esslinger SPD-Gemeinderatsfraktion, das Ereignis kommentiert. Es sei erfreulich, dass das von allen Fraktionen gewünschte und von fast allen politischen Kräften in den vergangenen Jahren immer wieder beantragte Projekt nun tatsächlich verwirklicht werde.

Am Wochenende geht es los. Dann feiert die Stadt den Esslinger Frühling samt verkaufsoffenem Sonntag – dabei wird der Esslinger Stadtbecher offiziell vorgestellt. Damit zählt Esslingen zu den immer noch vergleichsweise wenigen Gemeinden in Baden-Württemberg, die Cafés, Bäckereien und Eisdielen kostenlos Mehrwegbecher zur Verfügung stellen, um das Müllaufkommen in der Innenstadt zu reduzieren.

Freiburg dient als Vorbild

„Wir haben uns umgeschaut und uns letztlich für das Freiburger Modell entschieden“, berichtet Katja Walther, die das Sachgebiet Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Esslinger Stadtplanungsamt leitet. Anders als in Tübingen, wo die Bürger den Mehrwegbecher kaufen und ihn dann immer wieder mitbringen müssen, wenn sie sich in der Stadt einen Kaffee holen wollen, setzt Esslingen auf ein leicht modifiziertes Freiburger Pfandsystem.

Wer an einer der zunächst teilnehmenden knapp 30 Bäckereifilialen, einigen Cafés und zwei Eisdielen einen Kaffee kauft, muss zusätzlich zwei Euro Pfand bezahlen. Er kann den Becher dann aber bei jeder anderen Ausgabestelle wieder zurückgeben und erhält sein Geld zurück. Das System habe sich in Freiburg weitgehend bewährt, erzählt Katja Walther. Allerdings sei der Schwund an Bechern groß, weil die Nutzer sie lieber ins heimische Regal gestellt hätten. Auch in Esslingen befürchtet man ein wenig, dass die Souvenirjäger der guten Sache eher schaden könnten. Denn der Mehrwegbecher muss nach vorsichtigen Schätzungen mindestens zehnmal benutzt werden, damit seine Ökobilanz besser ausfällt als die der Einwegbecher. Damit der Rücklauf klappt, verlangt man in Esslingen doppelt so viel Pfand wie in Freiburg. Damit standen die Verantwortlichen auch vor der Herausforderung, den Becher einerseits attraktiv, andererseits aber auch nicht zu schön zu gestalten. Deshalb habe man sich, sagt Katja Walther, auch gegen einen Becher aus nachwachsenden Rohstoffen und für die Plastikvariante entschieden. Von eher negativen Berichten zur Akzeptanz solcher Mehrwegbecher lassen sich die Esslinger Initiatoren, die von der Klimainitiative Esslingen & Co unterstützt werden, nicht abschrecken. Das eigene Modell lasse sich nicht mit den Ansätzen etwa in Stuttgart vergleichen, wo es zwar Mehrwegangebote von einzelnen Ketten, aber keinen stadtweit einsetzbaren Becher gebe.

Die großen Ketten fehlen

Allerdings sind es die überregionalen Ketten, die die Vorfreude auf den neuen Becher im Gemeinderat schmälern. Denn weder Starbucks – das einen eigenen Mehrwegbecher im Angebot hat – noch Subways machen bisher beim Esslinger Stadtbecher mit. Allerdings hofft Katja Walther, dass sich nach der Einführung weitere Cafébetreiber und Filialisten an der Aktion beteiligen. In Freiburg habe sich die Zahl der Anlaufstellen von anfänglich 68 auf mehr als 120 fast verdoppelt. „Außerdem“, so merkte der Esslinger Bürgermeister Wilfried Wallbrecht an, „haben es die Verbraucher ja nun in der Hand, die Dinge zu beeinflussen.“ Einzige Bedingung zur Teilnahme aufseiten der Händler: Sie müssen in der Lage sein, die bei ihnen abgegebenen Becher zu spülen. Für den Fall, dass bei einer Filiale besonders viele benutzte Becher landen, gibt es die Möglichkeit, dieses Leergut an die Stadt zurückzugeben und sich das Pfand von dort erstatten zu lassen.

Insgesamt 7000 Becher mit einem Füllvermögen von jeweils 250 Milliliter hat die Stadt zunächst produzieren lassen, größere Becher für Latte macchiato sollen folgen. Das Ziel ist es, mindestens zehn Prozent des Mülls zu vermeiden, der bisher durch die in Esslingen jährlich rund drei Millionen weggeworfenen Einwegbecher entstanden ist. Einziger Wermutstropfen: Die Deckel des Esslinger Stadtbechers können bisher weiter nur ein Mal benutzt werden. Daran will die Stadt aber arbeiten.

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