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Die Schlamm- und Geröllmassen hatten am Samstag das Leben der Kaltentaler lahmgelegt. Die EnBW spricht von einer Million Euro Schaden.

Stuttgart - Der Schreck sitzt vielen ­Kaltentalern immer noch in den Gliedern. Auch einen Tag nach der „Katastrophe“, wie ein Anwohner am Sonntagmorgen die Schlammlawine nennt, die sich nach einem Wasserrohrbruch über die Kaltentaler Abfahrt über die Böblinger Straße bis zur Stadtbahn-Haltestelle Waldeck gefressen hatte. Feuerwehrsprecher Sebastian Fischer, der in seiner Laufbahn schon viel erlebt hat, sprach von „dramatischen Zuständen“.

Die Schlamm- und Geröllmassen hatten am Samstag das Leben der Kaltentaler praktisch lahmgelegt. Die Straßen sowie Stadtbahn-Gleise waren nicht mehr passierbar. Kaltental war bis zum Spätnachmittag von dem Rest der Stadt abgeschnitten. Auch einige Autos wurden von den Geröllmassen beschädigt. Inzwischen konnten die sieben Menschen inklusive der Hündin Dana und des rotgetigerten Katers Captain Jack, die von Rettungstauchern der Feuerwehr evakuiert worden waren, wieder in ihre unterspülten Häuser am Anweiler Weg zurückkehren.

Was bleiben wird, sind vor allem die Erinnerungen an diesen 8. September. Aber auch viele Fragen. Schon am Samstag, als die Kaltentaler mit Schneeschippen bewaffnet ihre Trottoirs und Hauszugänge vom Schlamm befreiten, wechselten sich Zorn und Rat­losigkeit bei den Bürgern ab.

Wasserrohr wohl durch Erdbewegungen geborsten

„Wie kann so etwas geschehen?“, fragte ein Anwohner in der Böblinger Straße. Und: „Kann sich so etwas wiederholen?“ Ein Nachbar nickte eifrig und ergänzte: „Wer kommt für den Schaden auf?“ Antworten darauf gab bereits am Sonntag Wasseringenieur Hermann Löhner. Der Fachmann des Energie-Konzerns EnBW nannte einen drei Meter langen Riss in einer 60 Zentimeter Durchmesser starken Graugussleitung als Ursache für den Rohrbruch am frühen Samstagmorgen. Jene Leitung, die an der Bruchstelle zwei Meter unter der Erde liegt, führt über zehn Kilometer vom Wasserspeicher in Stuttgart-Rohr bis zu dem Wasserhochbehälter an der Jahnstraße in Degerloch.

Eine Transportleitung also, die die Haushalte nicht direkt mit Wasser versorgt. „Offenbar haben Erdbewegungen, die durch die starke Trockenheit ausgelöst wurden, zu den Schäden an dem Rohr geführt“, mutmaßt Hermann Löhner, „wenn so ein Rohr mit einem Felsen in Berührung kommt, zerbricht es wie Glas.“ Damit widersprach Löhner auch der These, dass ein veraltetes Wasserrohrnetz in Stuttgart der Grund für die Überschwemmungen und Rohrbrüche in der jüngsten Zeit gewesen sei. „Wir haben zuletzt über 50 Millionen Euro in das Netz investiert. Und dieses Rohr stammt aus dem Jahr 1957. Wenn man bedenkt, dass solche Graugussrohre 120 Jahre Lebensdauer haben, war es ein junges Rohr“, sagt Löhner.

Zudem habe es nach ersten Untersuchungen keine inneren und äußeren Spuren von Korrosion gegeben. Letzte Sicherheit soll nun eine Expertise der Materialprüfer an der Universität Stuttgart bringen. Ungeachtet der Ergebnisse stellt Löhner fest: „Wir machen uns schon Gedanken über unsere fortlaufende Instandhaltungsstrategie.“

Eine ganz andere Frage klärte am Sonntag bereits ein Versicherungsgutachter: die Schadenshöhe. Die EnBW geht von einer Million Euro aus, die über die Haftpflichtversicherung des Energieversorgers reguliert wird. Damit sind allerdings zunächst nur die materiellen Schäden abgedeckt. Ob auch der Verdienstausfall, den einige Kaltentaler Gewerbetreibende und Einzelhändler am Samstag ­beklagten, versichert ist, konnte EnBW-Sprecherin Gabriele Fanta nicht sagen.

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