Es ist angerichtet: Oliver Kalkofe präsentiert von diesem Freitag an wieder den gesammelten Mist des Fernsehprogramms Foto: Gert Krautbauer/Tele5

Ob Talkmaster, Castingshow oder Schlagersternchen: Vor Oliver Kalkofe ist nichts und niemand sicher. In der neuen Staffel von „Kalkofes Mattscheibe Rekalked“ rechnet der 49-Jährige wieder mit den größten Ärgernissen des aktuellen TV-Programms ab.

Herr Kalkofe, in Ihrer Sendung „Kalkofes Mattscheibe Rekalked“ nehmen Sie Fernsehsendungen aufs Korn und parodieren TV-Stars. Wurden Sie selber auch schon persifliert?
Komischerweise nicht. Dabei wäre es gar nicht so schwer, man bräuchte doch nur einen kleinen Fatsuit und eine rosa Fliege. Ich bin enttäuscht, dass das noch niemand gemacht hat.
Welchen Promi knöpfen Sie sich am liebsten vor?
Ich finde, dass mir beispielsweise die Parodie von Harald Glööckler super geglückt ist, allerdings ist das eine langwierige, komplizierte Maske. Es gibt aber auch Momente, wo ich über meine Verwandlung erschrecke. Als ich das erste Mal entdeckt habe, dass ich mit Perücke fast exakt so aussehe wie Richterin Barbara Salesch oder Angela Merkel, das war schlimm.
Wer ist diesmal neu dabei?
Unter anderem Gangsta-Rap-Darsteller Kay One, der in einer Datingshow eine Frau gesucht hat, aber auch Eisprinzessin Helene Fischer ist dabei. Das Problem ist, dass es gar nicht mehr so viele große Namen im Fernsehen gibt, die man wirklich kennt. Das ist seit 20 Jahren oder länger größtenteils die gleiche Handvoll Leute. Ansonsten ist das Programm voll mit Menschen, die alle ähnlich aussehen, nett lächeln und beim Sprechen nicht hinfallen. Wer kann denn schon Jochen Schropp, Stefan Gödde oder wie sie alle heißen auseinanderhalten? Vor allem: warum sollte man überhaupt?
Wie viele Stunden lang mussten Sie sich für die neuen Folgen durch die Abgründe des TV-Programms wühlen?
Ich kriege ja zum Glück Listen mit Vorschlägen und gucke mir die einzelnen Formate dann gezielt auf dem großen Server an, auf dem wir alles aufgezeichnet haben. Das dauert leider ganz schön lange, da muss ich jeweils acht Stunden am Stück gucken und mir mehrere Tage hintereinander mit dem gebündelten Wahnsinns-Konzentrat versauen. Danach darf ich mich aber immerhin erholen und auch rächen (lacht).
Was ist Ihre Bilanz, in welche Richtung entwickelt sich das Fernsehen?
Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber es wird immer schlimmer. Gerade was tagsüber und nachmittags läuft, hat nichts mehr mit Fernsehen zu tun. Die Scripted-Reality-Sendungen am Nachmittag sind das Allerschlimmste, ich habe da Geschichten gesehen, die glaubt mir keiner, die würden einem selbst als Comedy abgelehnt.
Verändert das schlechte Programm die Gesellschaft?
Ich fürchte schon. Wenn dieses Zeug die ganze Zeit als Realität verkauft wird, denkt mancher irgendwann: Wenn ich mich selbst daneben verhalte, ist das normal, andere machen das ja auch. Fernsehen hat Vorbildcharakter. Es hat einen Bumerangeffekt, den man nicht sofort bemerkt, aber es gibt ihn. Nehmen Sie „Germany’s Next Topmodel“, meine Hass-Show Nummer eins. Das trichtert den Mädchen ein, dass man als Frau lernen muss, schön zu sein, die Fresse zu halten und zu gehorchen. Das ist militärischer Drill mit Schminken und vorgetäuschter sexueller Dauerbereitschaft. Und die jungen Mädchen geben mal eben alles an Emanzipation auf, wofür Generationen von Frauen gekämpft haben.
Was bringt Sie denn am Programm noch auf die Palme?
Wenn man sich die immer absurderen Castingformate ansieht, da fragt man sich doch: Muss man sich als Mensch so zum Affen machen, nur um mal ganz kurz am Hintern des Ruhmes schnuppern zu dürfen? Wir lernen konsequent unsere eigene Selbsterniedrigung. Oder wie viele Quizshows verträgt ein Zuschauer, bevor er eingeliefert werden muss? Außerdem: Wenn man dem Publikum die ganze Zeit nur solches Zeug vorsetzt, ist es doch irgendwann gar nicht mehr in der Lage, komplexere Geschichten zu verstehen oder sich darauf einzulassen. Der Zuschauer muss wieder mehr gefordert werden und nicht nur eingelullt.
Aber ist die deutsche Serienoffensive nicht ein Zeichen der Besserung?
Es kommt in der Tat eine Art Qualitätsdiskussion bei den Sendern auf, das sind minimale Hoffnungsschimmer. RTL zeigt demnächst die Fiction-Serie „Deutschland 83“, und ich freue mich, dass das ZDF Jan Böhmermann ins Programm packt, wenn auch ängstlich tief in der Nacht versteckt. Es gibt eine neue Staffel „Weissensee“ im Ersten, und bei den Privatsender bringen Shows wie „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“ frischen Wind und neue Ideen. Aber ich bin vorsichtig. Vielleicht sind das nur kurze Zuckungen, danach geht es umso schlimmer weiter.
Viele Zuschauer schauen gar nicht mehr live, sondern auf Netflix oder DVD.
Aber man darf nicht vergessen: Die größten Hersteller sind immer noch die TV-Sender, die Formate werden heute nur über verschiedene Plattformen anders verteilt, weil man sich eben nicht mehr zu einer bestimmten Zeit hinsetzt und den Fernseher anmacht. Die antiquierte Quotenmessung erfasst diese moderne Art des Fernsehens leider nicht. Sich danach zu richten ist totaler Mumpitz.
Wie schauen Sie selber fern?
Ich gucke im normalen Programm so gut wie gar nichts mehr, zumindest nicht live. Ich schaue über Bezahlfernsehen oder Internet Serien, Filme auf Blu-ray. Wenn mich im Fernsehen was interessiert, nehme ich es auf und gucke es später, um die Werbung zu überspringen.

„Kalkofes Mattscheibe Rekalked“, Tele 5, immer freitags ab 20 Uhr

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