Kalifornien Meg will Schwarzenegger folgen

Von Joachim Rogge, Washington 

Meg Whitman Foto: AP
Meg Whitman Foto: AP

Ex-Ebay-Chefin strebt als Kandidatin der Republikaner das Erbe des Terminators an.

Washington - Geld ist vielleicht doch nicht alles. Nie gesehene Summen lässt sich die frühere Ebay-Chefin Meg Whitman ihren Kampf für die Nachfolge Arnold Schwarzeneggers in Kalifornien kosten. Aber ob die 54-Jährige nach der Wahl Anfang November tatsächlich als Gouverneurin in die Hauptstadt Sacramento einzieht, ist alles andere als sicher.

Wären die eingesetzten Millionen ein Garant für den Erfolg, wäre Whitman der Sieg nicht zu nehmen. Gut 122 Millionen Dollar aus ihrem Privatvermögen lässt sich die steinreiche Republikanerin ihren Wahlkampf kosten - rund zehnmal mehr, als ihr demokratischer Rivale Jerry Brown (72) aufbringen kann. Whitman leistet sich die teuerste Kampagne, die jemals ein Kandidat auf die Beine stellte, der nicht Präsident des ganzen Landes werden will. Kaliforniens Wähler werden in einer Weise mit den Werbebotschaften Whitmans bombardiert und überrollt, die selbst im republikanischen Lager Befürchtungen vor einem Overkill auslösen. "Sie benutzt die gleichen Muster und Schablonen immer und immer wieder. Ich glaube, dass die Leute irgendwann abschalten", meinte der republikanische Polit-Stratege Kenneth Khachigian, der mit Carly Fiorina die zweite millionenschwere Powerfrau des bevölkerungsreichsten US-Bundesstaats politisch berät. Fiorina, einst Chefin des Computerkonzerns Hewlett-Packard, zieht es in den Senat, ein vergleichsweise preiswertes Vorhaben. Lediglich 5,5 Millionen Dollar, die Hälfte ihres Wahlkampfetats, zahlt sie aus eigener Tasche für den Kampf um den angestrebten Sitz in Washington.

Whitman freilich, die binnen zehn Jahren aus der anfänglichen Ebay-Klitsche mit gerade 30 Beschäftigten bis zu ihrem Ausstieg 2008 ein Milliarden-Unternehmen mit heute 15000 Mitarbeitern formte, lässt nichts unversucht, um auch noch den letzten potenziellen Wähler zu keilen. Über das gesamte Land verteilt, hat sie Wahlkampfbüros eröffnet, selbst in Ecken, in die sich jahrzehntelang kein Republikaner mehr traute. Ihre Telefonwerber appellieren im ethnisch bunten Kalifornien auf Spanisch, Russisch, Persisch, Koreanisch, Kantonesisch und Mandarin-Chinesisch, am 2.November doch bitte schön Meg zu wählen. 1300 Fernsehspots lässt Whitman im Wahlkampf-Endspurt auf allen erreichbaren Kanälen schalten - pro Tag wohlgemerkt. "Ich werde Kalifornien wie ein Unternehmen führen", verspricht die einstige Chefin des Online-Auktionshauses Ebay in einem ihrer Werbeblöcke. Mit 95 Millionen Dollar verschlingt die Rundfunkwerbung den größten Batzen ihres Etats. Daneben setzt die Ex-Managerin, die noch nie ein politisches Amt innehatte und sich erst 2007 als Wählerin der Republikaner eintragen ließ, auf Mikro-Zielgruppenwerbung.

Studenten finden Whitman-Broschüren im schicken iPad-Design in den Briefkästen. Bauarbeiter werden mit Versprechungen gelockt, dass unter Meg im ausgedehnten Kalifornien mehr Schnellstraßen gebaut werden sollen.

Drei Millionen Dollar lässt sich die erste Milliardärin des Internet-Zeitalters allein die Erstellung von Umfragen kosten. Der Blick in die Zahlen ist bislang indes ernüchternd. Trotz des endlosen Geldstroms hat sie noch keinen Vorsprung auf ihren Konkurrenten herausholen können. Mehr noch: Noch immer liegt sie sogar wenige Prozentpunkte hinter dem Politveteranen Brown, der Kalifornien vor Ewigkeiten als Nachfolger Ronald Reagans schon einmal acht Jahre lang regierte. Ihre Unabhängigkeit, die sie im Wahlkampf groß herausstellt, könnte Whitman am Ende sogar zum Fluch werden.

"Wer von niemandem etwas erwartet, fühlt sich auch niemandem verpflichtet", sagt Politik-Professor Ray La Raja von der Amherst-Universität in Massachusetts. Ohnehin rätseln selbst Parteifreunde über die Motive Whitmans, nach der beruflichen Karriere nun um jeden Preis Gouverneurin werden zu wollen. "Sie können mir eine Pistole an den Kopf halten, und ich könnte trotzdem nicht sagen, warum sie den Posten will", zitierte die "Washington Post" einen republikanischen PR-Profi, der lieber anonym bleiben wollte. Kaliforniens Wähler stellen sich wohl ähnliche Fragen.

Ohnehin sind sie mit Blick auf den Fast-Bankrott ihres Staates alles andere als gut zu sprechen auf steinreiche Quereinsteiger aus der republikanischen Ecke. Schwarzeneggers Bilanz nach zwei Amtsperioden heißen gerade noch zwei von zehn kalifornischen Wählern gut. Auch der Schatten des Terminators, der sich als Papiertiger erwies, könnte Whitman noch teuer zu stehen kommen.

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