Ein Polizist sichert den Eingang des Hatton Garden Safe Deposits Foto: dpa

Es ist einer der spektakulärsten Einbrüche in der Geschichte Großbritanniens: Die Diebe, die am Osterwochenende im Londoner Diamantenviertel zuschlugen, sind noch auf der Flucht. Bis zu 273 Millionen Euro Beute könnten sie gemacht haben.

London - Die Mitarbeiter freuten sich am Donnerstag schon aufs verlängerte Osterwochenende. Wie jeden Abend schlossen sie die Eingänge des Londoner Unternehmens Safe Deposit Company ab, schalteten die Alarmanlage an und schwirrten aus.

Vier Tage später war das Entsetzen im Diamanten-Viertel Hatton Garden groß, denn hinter der Tür, über der die Hausnummer 88-90 prangt, hatte sich in der Zwischenzeit einer der spektakulärsten Einbrüche in der Geschichte Großbritanniens ereignet.

Während Angestellte und Kunden die Osterfeiertage genossen, verschafften sich Einbrecher Zugang zum Aufzugsschacht und seilten sich in den Keller ab. Medienberichten zufolge benutzten sie schweres Gerät, um die Gitterstäbe zu durchschneiden. Dann schalteten sie die Alarmanlage aus, brachen in den Tresorraum ein, knackten bis zu 70 Schließfächer und packten ein, was ihnen in die Finger kam: antike Armreife, juwelenbesetzte Ketten und kostbare Uhren.

Der Einbruch fiel erst am Dienstagmorgen auf, dabei löste bereits am Karfreitag etwas Alarm aus. Ein Sicherheitsmitarbeiter eilte den Berichten zufolge daraufhin zu dem Gebäude, konnte jedoch nichts Auffälliges entdecken.

Wert der gestohlenen Gegenstände geht in die Millionen

„Angesichts der Lage in Hatton Garden wäre ich nicht überrascht, wenn sich der Wert des Diebesguts um die 200 Millionen Pfund (rund 273 Millionen Euro) bewegen würde“, sagte der frühere Chef der Einsatzgruppe, Roy Ramm, der BBC. Der genaue Betrag werde wohl nie festzustellen sein. Unklar ist bislang auch, welche Kunden betroffen sind. Manche verfügten Medien zufolge nicht einmal über eine Versicherung. „Ich habe eine Uhrensammlung, die ich meinem Sohn weitergeben wollte, die ist unersetzbar“, sagte ein Juwelier. Viele seiner Kollegen hätten die Safes genutzt, um abends ihre Waren zu sichern.

Die Firma Safe Deposit Company bietet bereits seit 1954 ihre Dienste an, die vor allem von Juwelen- und Goldhändlern genutzt werden. Es sei eine „sichere und kostengünstige Lösung, um wichtigen und unersetzlichen persönlichen Besitz aufzubewahren und zu schützen“, wirbt das Unternehmen auf seiner Internetseite.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Hatton Garden trifft, befindet sich hier doch das Edelsteinzentrum Londons, Juweliere und Schmuckhändler dominieren das Straßenbild, schon seit dem 19. Jahrhundert ist die Gegend für ihr funkelndes Image berühmt. Und lockt deshalb Diebesbanden an. 2003 erbeuteten Einbrecher Wertsachen und Bargeld im Wert von zwei Millionen Euro.

Noch üppiger fiel die Beute zweier Räuber 1987 aus. Sie gaben sich als Kunden aus und stahlen Juwelen, Gold und Gegenstände im Wert von knapp 82 Millionen Euro. Der Auftraggeber des Raubs wurde zu 22 Jahren Haft verurteilt. Welches Ende der hollywoodreife Auftritt vom Osterwochenende nimmt, ist noch offen. Die Ermittlungen verliefen „langsam und mühsam“, erklärte ein Polizeisprecher.

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